Licht und Leistung

30.03.2011

WO DIE KUNST VERSAGT

Heute fiel mir ein Bild in die Hände, das mir sagte, dass du diese Arbeitsplätze nicht beleuchten kannst. Wer behauptet, er könne auch das, möge sich dieses Bild oben ansehen. Das Bild erinnerte mich an meinen heikelsten Auftrag, der da hieß, Arbeitsplätze für Abgeordnete des Bundestages und deren Mitarbeiter zu beleuchten. Geld spielt keine Rolle, aber mach es gut! Hieß es.

Ich kenne die Story aus der guten alten Zeit, als der Sultan unendlich gütig zu seinen Beauftragten gewesen ist, bis sie versagt haben. Dann ritt ein Bote los, der einen Sack aus Ziegenhaar (dicht) und einen Topf Honig (süß) bei sich führte. Auf dem Rückweg war der Sack voll, der Honig drin, und der Reiter galoppierte ungestüm. Die Leute sagten, der hat es aber eilig, transportiert er einen Kopf? Ja, wer dem Sultan nicht gefiel, war am Ende kopflos. Der Sultan aber nicht, er wollte sehen, ob wirklich der richtige geköpft worden war, deswegen der Honig im dichten Sack. Ob sein Auftrag, bei dem der ehemalige Besitzer des Kopfs versagt hatte, überhaupt erfüllbar war, interessierte den Sultan nicht. Das Buch Der kleine Prinz, in dem geschrieben steht, dass ein weiser König nur Befehle erteilt, die man einhalten kann, war noch nicht geschrieben worden. 

Was war an meinem Auftrag so, dass ich fürchten musste, den Schädel im Honigsack zu verlieren? Der deutsche Staat, reich und stolz auf seine Humanität, steckte bis zu drei Menschen mit mindestens so viel Computern auf 18 qm Deutschland zusammen und sagte: Nu’ arbeete… Dies waren Mitarbeiter von Abgeordneten, die einen Anspruch auf eine menschengerechte Umgebung hatten. Und wie die aussehen sollte, hatten die Leute beschrieben, die die Gesetze umsetzten, die die Abgeordneten gemacht hatten. Danach konnte ich in jedes Zimmer einen ordentlich hineinplatzieren, den zweiten mühsam reinquetschen. Der dritte hatte keinen Platz. Wie beleuchtet man so etwas? Vor allem den Arbeitsplatz des Dritten, der nicht mehr in den Raum passte?

Egal! Mir geht es darum, zu erklären, dass man von einem Lichtingenieur zuweilen verlangt, Unmögliches zu leisten, und ihn dafür prügelt, dass er es nicht geschafft hat. Zum Verständnis: Man nehme die Empfehlungen von Beleuchtungsnormen, die man wohl unter der Annahme geschrieben hat, man brauche keine Miete für Büroflächen zu bezahlen, und wende die auf die Arbeitsplätze da oben an. Allerdings muss man dem armen Kerl auch noch zuflüstern, dass man Leuchten auch noch bezahlen muss.

Die Arbeitswelt hat so ihre Gesetze. Ob sie aber immer Sinn machen? Dafür würde ich nicht die Groschen für meine U-Bahn-Karte wetten. Zu Fuß nach Hause ist erlebnisreich, aber nicht lustig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert