SoundLaterne -  Zukunft des Büros?

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beschäftigt sich neuerdings mit der Zukunft des Büros bzw. mit dem Büro der Zukunft. So schrieb der Berliner Tagesspiegel. Ihr Labor heißt "Living Lab smart office space". Dort soll es so zugehen wie auf dem Bild - also vollkommen praxiswidrig. Anstelle von künstlichen Intelligenzen sitzen darin allerdings ziemlich echt aussehende Figuren. Vermutlich Menschen.

Als ich das Bild das erste Mal sah, rätselte ich, wo wohl die Beleuchtung versteckt wäre. Zuerst dachte ich, die wäre vergessen worden. Schließlich will ja 37% deutscher Führungskräfte einen Arbeitsplatz ohne künstliche Beleuchtung (unglaublich aber hier zu lesen). Das Vergessen musste ich gleich vergessen, denn in der ersten Reihe sitzt nur einer, und der tut nix. Oder denkt, was dasselbe bedeuten kann. Für die dahinter würde bei der besten Befensterung nicht sehr viel Licht auf den Tisch kommen, zumal die Decke bestimmt nicht den erforderlichen Reflexionsgrad aufweist. Sie ist eher so ´ne Art Licht-Schluck-Decke.

Dann las ich, in der Hoffnung, dass der Text dazu was hergibt, weiter. Unsere KI-Kämpfer denken natürlich zuerst an die Stelle, auf der jeder sitzt, wenn er sitzt. Und der (Entschuldigung) Hintern erfährt eine besondere Behandlung: er wird gekühlt. Heizung und Lüftung im Stuhl für schlappe 987 Euro! Der ist durch Einsatz von echt künstlicher Intelligenz optimiert worden, weil früher die Ventilatoren zu laut waren. Gott verhüt´s - mit welchem Körperteil sitzt man denn im Büro der Zukunft? Man sagt man lege sich auf´s Ohr, wenn man einen erfrischenden Büroschlaf einlegt. Aber auf´s Ohr setzen? Die Soundfunktion des Stuhls, womit nicht das Quietschen gemeint ist, wären wir losgeworden, steht in dem Artikel drin.  Die Rolle soll nämlich einem anderen technischen Produkt zukommen.

Der wahre Geniestreich sollte sich mir aber erst später erschließen, weil die die Randnotiz zu dem oben angegebenen Bürodesign überlesen hatte: Es gibt tatsächlich eine Beleuchtung - und zwar mit integrierter Soundfunktion, Antilärmlampe genannt. Wow! Auf die Idee muss man erst kommen! Mir fiel da ein, wie die altmodisch-doofen Lichttechniker seit Jahrzehnten versuchen, den Lärm aus den Leuchten zu bekommen. Und zwar so, dass niemand an Lärm denkt, wenn von einer Leuchte die Rede ist. Nun untersucht DFKI, wie man den mühsam aus den Leuchten herausgetriebenen Lärm da wieder hinein bekommt: "In einer weiteren Studie wird untersucht, wie eine Arbeitsplatzleuchte mit integrierter Soundfunktion im Großraumbüro ankommt. Das mannshohe Gerät kann über dem Schreibtisch ein monotones Lüftungsgeräusch produzieren, das wie ein "Rausch-Schleier" störende Stimmen von Kollegen im Büro überdecken soll."

HGaaanz langsam zum Mitschreiben: Man stellt ein mannshohes Gestell  auf den Arbeitsplahtz, der als lokaler Lärmsender funktioniert. Da das Ding ja als Leuchte gilt, muss vorher der Lichtingenieur dessen Lärmentwicklung bremsen. Danach emittiert die Kiste Licht und Lärm. Fehlt nur noch Luft, die kommt aber aus dem Stuhl, dessen Lärm ja beseitigt worden ist. Ganz im Sinne des Menschen: "Die Dämpfung soll lokal erfolgen und nicht zentral über ein Lautsprechersystem - das störe die Menschen, sagt Hoffmann - die leitende Professorin - mit Verweis auf Versuche. "Die Leute wollen ihre Umgebungsbedingungen kontrollieren können." Recht so!

Wie, bitte schön, sorgt man dafür, dass mein Lärm nicht den Nachbarn erreicht? Der will nämlich seine Umgebungsbedingungen auch kontrollieren. Wenn ich mir die abgebildete Leuchte angucke, kann der Nachbar sich nicht einmal gegen mein Licht wehren.

Und jetzt stelle man sich vor, man wäre nicht im Wolkenkuckucksheim wie hier abgebildet mit 30 - 40 Quadratmeter Bürofläche wie hier, sondern mit 7, wie es den Facility-Managern lieb ist! Den Quatsch, jedem seine Umgebung zu kontrollieren zu ermöglichen, hatte die längst verblichene Dresdner Bank in ihrem Bürotower 1978 realisiert. Am Ende kontrollierte keiner mehr irgend etwas. Chaos war Alltag. Leider nicht das creative, das das Büro der Zukunft auszeichnen soll. So war denn das Ende der Dresdner Bank besiegelt, bevor die Zukunft des Büros begonnen hatte.

Mir ist rätselhaft, wieso ich seit Jahren Satire und Kritik über Licht und Beleuchtung schreibe. Es gibt offenbar viel ergiebigere Bereiche, wo Satire ausgiebig gelebt wird. Soll ich diesen Blog etwa schließen? Vielleicht warte ich, bis die Lichttechniker sich auch mit künstlicher Intelligenz statt mit künstlicher Bestrahlung befassen. Oder sollte ich lieber eine Theorie aufstellen, dass Menschen, die weitgehend unter künstlicher Beleuchtung aufgewachsen sind, manche ihrer geistigen Fähigkeiten einbüßen? Genügend Beweise hätte ich ja. Einmal die Forscher, und dazu noch der Journalist, der offensichtlich an die künstliche Zukunft glaubt.

Lieber so: In der KI-Forschung gilt der Tag, an dem die künstliche Intelligenz der Maschine die natürliche des Menschen einholt, als "Singularity", der Tag, an dem der Mensch seine Einzigartigkeit verliert. Die ganz Doofen arbeiten an der Verbesserung der künstlichen Intelligenz. Wer sagt aber, dass das Ziel nur so erreicht werden kann? Wie wäre es mit der Reduzierung der natürlichen Intelligenz? Ist um Längen einfacher. Vielleicht haben wir Singularity erreicht und wissen es noch nicht.
Anm.: Unser Akustik Professor hatte uns mit Prügel gedroht, sollte einer von uns versuchen, Lärm mit Lärm zu bekämpfen. Er meinte, dass man Dreck nicht mit Dreck bekämpfen kann. Schade, dass er nicht mehr lebt. Als unterdurchschnittlich begabter Akustiker hatte er so minderwertige Arbeiten abgeliefert wie die Akustik der Berliner Philharmonie. (Dass die nach einem halben Jahrhundert noch berühmt ist, wird dem Glück zu verdanken sein.). Und  der doofe Lichtingenieur, das waren einige Kollegen, die ganze Arbeit ganz ohne künstliche Intelligenz geliefert haben. Deswegen macht keine deutsche Leute piep, wenn sie nicht soll. Nicht zu vergessen, die unbekannten Ingenieure, die das deutsche Normenwerk für Bauakustik geschaffen haben. Und daaaan kommt einer mit einer Lärmlaterne ...

Erstellt: Januar 10, 2017 um 12:04

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