Warum internationale Normen zur Beleuchtung Mist sind

In unserer globalisierten Welt sind internationale Normen in. Warum auch nicht? Müssen wir in jedem Land das Rad neu erfinden? Neee! Müssen wir nicht. Apropos Rad! Wussten Sie warum die Inka das Rad nicht erfunden haben? Weil sie es nicht brauchen konnten. Sie lebten im Gebirge, wo ein Schlitten besser war. oder ein Esel. Dort, wo die Inka früher lebten, rollen heute auch Räder. Dafür musste aber ein erheblicher Teil des Planeten geteert werden. Denn das Funktionieren des Rades erfordert eine ebene Unterlage. Das Rad ist umweltabhängig, auch wenn schön rund.

Was hat das mit der Beleuchtung zu tun? Lux ist Lux, Lumen ist Lumen, und das überall auf der Welt. Stimmt. Allerdings ist die Beleuchtung nur im Keller überall dasselbe. In Büros, Fabriken und Läden hingegen gibt es - hoffentlich - Tageslicht. Es liefert nicht nur einen Teil des Lichts, das man zum Sehen benötigt, sondern steuert auch den menschlichen Körper. Nicht-visuelle Wirkungen sind in aller Munde. Sind die auch überall dasselbe? Allein bei der Lichtfarbe gibt es in nur der Hälfte der Nord-Süd-Ausdehnung der EU (Griechenland - Deutschland) anerkanntermaßen unterschiedlichen Bedarf. Die EU endet aber kurz nördlich von Südafrika in Reunion. Und ihre Beleuchtungsnormen gelten am Nordkap und auf Island. Nicht zu vergessen, auch in der Karibik (Martinique und Guadeloupe) und sogar in Südamerika (Franz. Guayana). 

Licht ist Licht? Garantiert nicht. Das wissen Leute, die ihre Häuser bauen - so etwa seit 8.000 Jahren. Die einen bauen offen, um jeden Lichtstrahl einzufangen, den die Sonne liefert, während andere eher das Gegenteil tun. Warum setzt man dann weltweit geltende Lichtnormen? Einfach: weil sie von Ingenieursgesellschaften gemacht werden. Für die ist das Rad überall rund, und wenn es nicht rollen kann, plättet man halt den Planeten.

Sofern die Normen technische Produkte betreffen, mag es Sinn machen, internationale Normen zu fabrizieren. Sie dienen dem Welthandel mit Lichtprodukten. Wenn es sich um die Beleuchtung von Gebäuden geht, in denen Menschen leben oder arbeiten, würde es Sinn machen, in Bayern andere Normen anzuwenden als in Flensburg. Im Süden von Deutschland fällt im Winter mehr Licht ein und aus einer anderen Richtung, selbst wenn der Osten im Osten steht. Im Norden ist es umgekehrt, da fällt mehr Licht ein, wenn man es nicht unbedingt braucht. Sogar der Merkspruch
Im Osten geht die Sonne auf, im Süden ist ihr Mittagslauf, im Westen wird sie untergeh’n, im Norden ist sie nie zu seh’n.
gilt  präzise gesagt nur zwei Tage im Jahr, was den Sonnenauf- und Untergang angeht. Wahr ist nur, dass die Sonne mittags im Süden steht, so man sich an dem Ort befindet, an dem Sonnenzeit = Ortszeit ist. In Kanada kann man in 13 km Höhe die Sonne auch mal im Norden sehen - so gegen Mitternacht, wenn die in der Stadt unten tatsächlich Mitternacht haben. Am Nordkap geht es auch in Meereshöhe. Und die Sonne fällt tief in jedes Haus ein, mittags aus dem Süden, mitternachts aus dem Norden.

Nur wegen des Handels mit Lichtprodukten darf man nicht die Bedürfnisse des Menschen aushebeln. Internationale Normen für Lichtprodukte sind OK. Für Beleuchtung hingegen …

 

 

Erstellt: März 27, 2017 um 9:59

4 Comments

  1. Antworten
    hasenfratz 27. März 2017

    Sehen die Griechen das Licht anders?

    • ahmetpro
      Antworten
      ahmetpro 27. März 2017

      Man sagt, ja, weil deren Kneipen so schön ungemütlich sind, weil sie kälteres Licht bevorzugen. Könnte stimmen. Die Nordländer hingegen hängen an warmem Licht. Das stimmt auf jeden Fall. Jedes Haus in Norwegen im Norden hat ein warmes Licht im Fenster, damit der verirrte Wanderer Hoffnung schöpfen kann.

      Lichtfarbe, und überhaupt Farbe, sind sehr kulturabhängig.

  2. Antworten
    Noergel11 28. März 2017

    Was ist mit dem Licht in der Nacht? Die Wirkung ist doch überall gleich! Was soll sich da ändern?

    • ahmetpro
      Antworten
      ahmetpro 28. März 2017

      Das ist so eine Sache. Die Antwort hängt davon ab, welche Wirkung gemeint ist. Wenn man seinen Groschenroman lesen will, gibt es wohl keinen allzu großen Unterschied, in welcher Gegend man liest. Ausser dass man am Nordkap im Sommer nie Beleuchtung braucht, im Winter hingegen fast nur. Da wirkt sich aus, dass die künstliche Beleuchtung nur etwas Licht macht, auch wenn die Leute es zu viel finden.

      Was biologische Wirkungen angeht, kann es sein, dass es in Süditalien gleichgültig ist, weil das Tageslicht dominiert. Hingegen wird es in Deutschland darauf ankommen, ob es Sommer oder Winter ist. Die Wirkung von Licht hat immer eine Historie.

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