Bestimmt die Beleuchtungsstärke den Unfalltod?

In Absurdistan ist alles möglich, sogar das Unmögliche. Dort wohnt der Gott der Statistik, der heilige Manipool, vor dem nichts sicher ist. Aber auch das ist nicht sicher. (Vorsicht: geklaut von Ringelnatz, nicht nochmal klauen) Dieser Gott handelt aber nicht eigenständig, wie es Götter eigentlich tun, sondern nur in Amtshilfe, wenn jemand Daten eine andere Bedeutung geben will, als ihnen zusteht. Wer das ganz platt tut und die neuen Erkenntnisse alternative Fakten nennt, wird Präsident des größten Atomarsenals aller Zeiten. Da nicht jeder so unverfroren daher kommen kann, weil er nicht einmal ein Bömbchen besitzt, muss raffinierter vorgehen.

Ein wunderbares Buch über die Visualisierung von Daten von Edward R. Tufte zeigt ein Beispiel dafür, wie man durch Ausnutzung menschlicher "Stärken" Märchen erzählen kann, ohne dass einer einem an den Karren fahren kann.

Das Bild zeigt, dass sowohl in London als auch in New York die Börsenkurse dem Sonnenstand folgen. Kriegen die Börsianer also mehr Licht auf die Glatze, sind sie eher bereit, mehr Geld für dieselben Aktien auf den Tisch zu legen.

Nun ist es einer öffentlichen Einrichtung gelungen, ein Bild ähnlichen Kalibers zu produzieren. Hier ging es nicht um Satire und auch nicht um den Reibungswiderstand von Hufen von Schafen beim Scheren (Alternativnobelpreis!), sondern um tödliche Arbeitsunfälle. D.h., bei den untersuchten Fällen ist mindestens ein Arbeitnehmer gestorben. Die Frage war, spielte das Licht eine Rolle, das die Rhythmik des Körpers bestimmt. Der Titel: "CIRCANNUALE RHYTHMIK BEI TÖDLICHEN ARBEITSUNFÄLLEN – ANPASSUNG DER INNEREN UHR AN SAISONALE VERÄNDERUNGEN DES TAGESLICHTS?".

Wie jede Studie hat auch diese ihre Schwächen und Stärken. Die werden die Anhänger der Beleuchtungsstärke als Zentralpunkt des Sonnensystems, ach was, der Milchstraße, ach was, des Universums, schnell vergessen und ihre Aufmerksamkeit diesem Bild widmen, aus dem einwandfrei hervorgeht, dass eine eindeutige Beziehung zwischen der Beleuchtungsstärke und der Unfallhäufigkeit besteht. Welche? Das ist egal. Hauptsache welche.

Die Autoren haben ihre Ergebnisse tiefergründig auf Schwachstellen abgeklopft. Ob das ihnen was nützt, um den Missbrauch des Bildes zu verhindern, weiß ich nicht. Eher das Gegenteil wird wohl eintreten, wenn die Menschheit damit so umgeht, wie mit diesem Bild, an dessen Entstehung ich beteiligt war. Es sollte u.a. darstellen, dass die oberste Bildschirmzeile nicht über Augenhöhe liegen darf. Was haben Leute daraus gemacht? Den Bildschirm möglichst in Augenhöhe bringen. Ein sehr bekannter Computerhersteller hat empfohlen, dazu notfalls auch einen Stapel Papier oder das Telefonbuch zu benutzen. Dies war für 20 Jahre und mehr in seinen Handbüchern verewigt. Ein erstklassiger Grund, den Hersteller wegen Gesundheitsschädigung zu verklagen. Was ist aber, wenn man das Bild in die Suchmaschine gibt und auch viele Ärzte und sogar Betriebsärzte findet, die dasselbe sagen? Anerkannte Regel der Technik?

Erstellt: Mai 30, 2018 um 1:24

Der ewige Sommertag im Büro

Traum für die einen, Horror für die anderen: Im Büro herrscht immer der ewige Sommertag. Es ist weder warm noch kalt. Wenn es zieht, sind meistens die Insassen schuld. Denn die Temperatur bleibt immer gleich. Auch das Licht kennt keine [Zeit]grenzen, es herrscht immer 500 lx. Wenn nicht, sind die Fenster schuld, und man lässt einfach die Jalousien runter. Man denkt, im Büro ist die Zeit stehengeblieben. Nur die Chronobiologen behaupten, das wäre anders, weil die Menschen vielfältigen Einflüssen ausgesetzt wären. Nur die Tagesrhythmik bliebe stehen, wenn die Beleuchtung sich nicht ändert. Die Jahresrhythmik wäre was anderes.

Eine Untersuchung der BAuA zum Unfallgeschehen und Körperrhythmen "CIRCANNUALE RHYTHMIK BEI TÖDLICHEN ARBEITSUNFÄLLEN – ANPASSUNG DER INNEREN UHR AN SAISONALE VERÄNDERUNGEN DES TAGESLICHTS?" sagt aber was anderes. Da steht zu lesen, dass das Außenlicht die Rhythmik des Menschen nicht steuere, wenn die Beleuchtung modern ist.

Es wäre eine neue Qualität der Beeinflussung durch künstliches Licht, wenn sich die Jahresrhythmik, die seit Jahrmillionen nur von der Sonne und von den Jahreszeiten gesteuert wird, gar keine mehr ist. Tolle Möglichkeiten eröffnen sich einem. Warum muss es gerade ein lauer Sommertag sein? Man kann auf Frühling steuern, wenn die Hormone eher auf Liebe aus sind. Oder auf Herbst … Nö, das ist nicht gut. Da röhrt zwar der Hirsch, damit Bambi nicht im Winter geboren wird. Aber Menschen finden den Herbst nicht immer prickelnd. 

Oder eben Winter? Wampe pflegen, sich in den Schlaf wiegen? Auch nicht gut. Bleiben wir beim moderaten Sommertag. Und fragen die Protagonisten von HCL, was sie so anbieten. Human Centric Lighting - im Dienste von Auf- und Ab nicht nur der Tageszeiten, sondern auch der Jahreszeiten. Das können wir sogar den tropischen Ländern verkaufen. Die kennen nämlich keine Jahreszeiten. Wenn wir auch keine kennen - werden wir auch so fleißig wie die Leute in den Tropen? Ich nehme die Frage postwendend zurück. Sie könnte sich geschäftsschädigend auswirken. 

Stothard et al. [konnten] nachweisen, dass die innere Uhr darüber hinaus auf saisonale Veränderungen in der Photoperiode synchronisiert. Allerdings betonen Stothard et al., dass diese Ergebnisse lediglich für natürliche Expositionsbedingungen im Freien zutreffen. Unter modernen elektrischen Beleuchtungsbedingungen zeigten sich in den Untersuchungen von Stothard et al. keine saisonalen Unterschiede bei der Dauer und dem Zeitpunkt der Melatoninausschüttung.

Erstellt: Mai 28, 2018 um 3:39

Von der Lichttechnologie namens Energiesparlampe

Durch die verantwortungslosen Praktiken Einzelner gerät eine Lichttechnologie in Verruf, die effizient und klimafreundlich ist.

DUH alias Deutsche Umwelthilfe

Gestern habe ich beschrieben, was eigentlich eine Technologie ist. Und was für eine Technologie der Superlative die Lichttechnik geschaffen hat. Next to none oder auf Deutsch "Niemand kann es besser". Zu einer Technologie gehören Technik, Mensch und Organisation, wenn global wirksam, dann auch global aufgestellt. Heute geht es dezidiert um den Spruch der DUH, dass die Energiesparlampe eine effiziente und umweltfreundliche Lichttechnologie sei. Als ich gestern Nacht den Spruch las, muss mein Gelächter so laut geschallt haben, dass überall in der Nachbarschaft die Lichter angingen. Von der besagten Lichttechnologie waren wohl wenige darunter, denn kein Licht hat geflackert.

Fangen wir einfach mit Technik an. Sie war kein großer Wurf, sondern eine Antwort auf die Energiekrise der Jahre 1973 und folgende. Erfunden hatte sie keiner der Öko-Freaks - die wollten noch geboren werden -, sondern ein Laboringenieur bei GE. Na, ja. Ganz "erfunden" wurde sie nicht, denn sie war eine Leuchtstofflampe. Energiesparen tat sie zwar, aber nur im Vergleich zur Glühlampe. Und das auch nur, wenn man die Lichtqualität großzügig übersieht. Die hat auch der begeisterte Einführer auf dem deutschen Markt, A. Wacker von Osram, nicht übersehen. So schrieb der Tagesspiegel aus Berlin zum 25. Jubiläum der Einführung in Deutschland "Bis heute brennen Energiesparlampen überall – außer bei ihm [Wacker] in der Küche und dem Esszimmer. Denn vor allem Speisen, besonders Fleisch, sehen fahl aus, findet er."

Das fanden andere auch so. Wenn man die Energiesparlampe einschaltete, kroch ihr Licht gemächlich Richtung hell hoch. So etwa eine Minute. Draußen vor der Tür im Winter - eher ewig. In der Garage und im Keller eher Fehlanzeige mit Energie Sparen, denn bis das Ding zur vollen Form auflief, war der Benutzer wieder weg. Wie lange eine Lampe brauchte, um zu einem stabilem Lichtstrom zu kommen, musste ich erleben, weil ich dies für Gutachten brauchte. Das Labor maß erst nach 24 Stunden. Da war die Anlaufzeit zu Ende. Etwa.

Nach den 24 Stunden konnte man immer noch nicht sein Geld darauf wetten, dass ein lichttechnisches Gütekriterium aus dem Jahre 1935, ruhiges Licht, erfüllt wurde. Das Flackern hat man der guten Lampe erst so etwa 1995 abgewöhnt. Wie es sich mit den restlichen Gütekriterien verhält, kann man anhand des Spektrums ganz gut vorstellen:

Laut Wikipedia (deutsch) ist dies aber so schlimm nicht: "Da Leuchtstofflampen im Gegensatz zu Glühlampen oder Tageslicht ein diskontinuierliches Spektrum emittieren, können Farben von Gegenständen unter dem Licht dieser Lampen etwas anders aussehen als im Sonnenlicht." Ich weiß nicht, ob Lobbyisten pro Wort bezahlt werden wie Dolmetscher oder pro Anschlag wie einst Schreibkräfte. Wenn der Verfasser von dem Satz bekannt würde, hätten nicht wenige ihm den Hosenboden stramm gezogen. Eine Verfasserin war das bestimmt nicht, denn  Frauen sehen Farben anders und leiden mehr als Männer unter miserabler Farbgebung. (hier)

Dinge, die der Mensch zum Leben braucht, z.B. gemütliches Herunterdimmen der Beleuchtung, wenn es gemütlich wird, beim Elektriker erhältlich so ab 1968, war Fehlanzeige. Auch 2018. Man müsste eine Spezialausführung haben, die aber keiner baut, weil die Energiesparlampe Energie sparen soll und nicht der Gemütlichkeit dienen. Bei ihrer Lichtfarbe wäre die Sache eh fraglich. Und ihre Formen erst! Ein Fachmann hat jüngst nett geschrieben: "Von den Allgebrauchslampen abweichende Abmessungen, die oft nicht optimal zu den vorhandenen Leuchten passten, waren ein weiterer Nachteil." (Bei den anderen Nachteilen geht er mit den oben beschriebenen etwa 100% konform.) Die Lampen guckten überall aus den Leuchten heraus, verhunzten manche nett gemeinte Architektur, blendeten nach Lust und Laune. Und haben sogar die Goldhändler vom Großen Bazar in Istanbul davon überzeugt, dass Gold nicht unbedingt golden glänzen muss. Etwas fahler geht auch, wenn dafür der Laden kühler bleibt. 

Tech ' nik
[<grch. techne = Kunst, Gewerbe, Geschick, List, Betrug]

 

 

Man kann die "Vorteile" dieser "Lichttechnologie" noch weiter ausschmücken. Das allgemeine Urteil will ich aber aus einem denkwürdigen Ereignis ableiten: Als die EU das Glühlampenverbot einführen wollte, wurde von der Lichttechnischen Gesellschaft eine Diskussionsrunde für das Für und Wider die Energiesparlampe organisiert. Üblicherweise würden die Hersteller eines Produkts in solchen Fällen die Partei Für bestücken. Für diese Diskussion fand sich aber kein Hersteller bereit, eine Aussage zu machen.

Das wäre die eine Aussage. Eine andere wäre, dass etliche Hersteller nach Einführung des Glühlampenverbots von einer Weiterentwicklung des glücklichen Gewinners verabschiedet haben. Sehen so Sieger aus?

Wer hat Nu die Lampe so gepuscht? Da fällt mir nur ein Engel ein: Gabriel. Der war unser Umweltengel und machte Wahlkampf mit einer Ladung Energiesparlampen. Und wurde dabei geholfen von seinem Vorgänger Trittin. (mehr dazu hier und dort). Nicht gerade das Netzwerk, das zu einer Superlative an Technologie gehört. Die wollten ja nur CO2 sparen. Haben auch. Ich würde die Menge gerne schreiben, leider fehlen mir viele Nullen hinter dem Komma. Man soll nicht böse sein, denn mit der Denke hat man an anderer Stelle wirklich jede Menge CO2 gespart, mit dem Diesel. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie diesen Blog weiter oder fragen Sie Ihren Abgeordneten. Oder die DUH. Die wissen bestimmt, was für ein Unterschied zwischen klimafreundlich und umweltfreundlich besteht.

 

Erstellt: April 17, 2018 um 9:52

Bitte Verantwortung tragen, sonst gerät eine Lichttechnologie in Verruf!

Durch die verantwortungslosen Praktiken Einzelner gerät eine Lichttechnologie in Verruf, die effizient und klimafreundlich ist.

DUH alias Deutsche Umwelthilfe

Bis heute war mir nicht aufgefallen, dass die Energiesparlampe eine Lichttechnologie sei. Mit war bislang nur der Kienspan als solche bekannt. Dieser diente vermutlich seit dem Diebstahl des Feuers durch Prometheus als Aufbewahrungsort des großen Geheimnisses. Später zermarterten große Geister der Menschheit ihr Hirn. Wie mache ich Licht aus Energie? Freilich lange Jahrhunderte ohne ganz großen Wurf.

Wenn wir jeden Krempel, der uns über den Weg läuft, Technologie nennen, haben wir viel zu tun. Das sieht man an den Amis, die zuweilen auch einen Dosenöffner Technologie nennen. Leider kann man dann keine Superlative für wirklich großartige Dinge mehr finden. Es ist ja nicht so wie mit den bekannten Gesichtern. Die nannte man einst Berühmtheiten. Irgend wann mal kam der Star auf. Natürlich gab es darunter welche, die größer waren als andere. Die nannte man Superstar. Aber damit auch nicht genug. Wie nennt man einen tollen Superstar? Mega! Dabei sind wir seit ein paar Jahren. Giga oder Tera-Stars will keiner haben. 

Das Thema Technologie gibt aber einen schönen Aufhänger, um unsere Misere mit den LEDs zu erklären. Aber zunächst das Wort Technologie erklären. Die deutsche Sprache kennt den Begriff Technik, der aus dem griechischen techne abstammt. Dass er was mit List und gar "Betrug" zu tun hat, bedeutet nichts kriminelles. Vielmehr ist der Techniker derjenige, der die Elemente überlistet, um ihnen Dinge abzulocken, über die man zuweilen nicht schlecht staunt. Manchmal übertreiben sie aber mächtig und erfinden z.B. Energie, die nichts kostet und eine strahlende Zukunft verspricht. Dann rufen die Menschen das Atomzeitalter aus, freuen sich richtig besoffen, und wachen eines Tages mit strahlendem Müll auf. Das aber sind nicht Techniker, sondern Politiker und Kaufleute, für die der Techniker als Kamel dient.

Techne ist z.B. wenn mal aus Erz Stahl macht. Oder aus Tinte und toten Bäumen ein Buch. Solche Techniken nannte ein weiser Mann "technische" Technologien. Doch Menschen lassen sich nicht mit einfachen Techniken zufrieden stellen. Ihnen ist nach Höherem. Z.B. Bücher zu schreiben und drucken, um Menschen gegen das Kapital zu hetzen. Setzt man eine "technische" Technologie ein, um so etwas zu bewerkstelligen, nennt man die eine "intellektuelle" Technologie. Wenn man nach noch höherem strebt, und dafür Technik einsetzt, also intellektuelle Technologien, um das Leben auf dem Planeten zu verändern, ist das eine "soziale" Technologie. So ein Ding betreibt ein gewisser Jeff Bezos, der Computer, eine technische Technologie, einsetzte, um Bücher zu verkaufen, also eine intellektuelle Technologie schuf. Damit aber nicht genug, er verkauft einem heute Waren aus jedem Winkel der Erde an jede Ecke derselben. Ob das eine Technologie ist, die man als "sozial" bezeichnen sollte, sei dahin gestellt. Nennen wir sie einfach so.

Während man "technische" Technologien notfalls allein oder mit Freunden entwickeln kann, erfordert jede höhere Stufe eine mächtige Vernetzung von Produkten, Menschen und Organisationen. So ist aus dem "Produkt" der Wright Brothers, das nur einige Sekunden fliegen konnte, eine weltumspannende Technologie geworden, die Millionen Menschen - stündlich - in der Luft transportiert. Unserer Branche ist von all den sozialen Technologien so ziemlich das mächtigste gelungen, wenn man die Macht an den Auswirkungen misst. Arbeiten wo und wann man will, bzw. muss … Wer hat das möglich gemacht? Städte klein halten, indem man die einst für Tageslicht benötigten 6m Geschosshöhen mehr als halbiert? Wodurch ist das möglich geworden? Wie viele Maschinen, Computer und sonstiges könnten ohne künstliches Licht funktionieren? 

So gesehen verdient die Technologie, die die Lichtbranche geschaffen hat, jegliche Superlative. Aber woraus besteht sie denn? Bereits Edison verdiente sein Geld nicht nur mit Glühbirnen, sondern mit Kraftwerken, Netzwerken und Strom. Er und seine späteren "Weggefährten" wie Siemens bauten ungeahnt große menschliche Netzwerke auf, um ihre Produkte, Strom, Kabel, Maschinen … in die Gesellschaft zu implementieren. So ist z.B. die "Physikalische Technische Bundesanstalt" durch einen Initiative von Siemens entstanden. Weniger gut bekannt, weil vielen Leuten eher lästig, ist das riesige Normenwerk, das im Wesentlichen auf das Wirken von Technikern zurückgeführt werden kann. So haben die "Elektriker" bereits 1905 angefangen, ein internationales Wörterbuch zu erarbeiten, das die internationale Verstöndigung ermöglicht, das Wörterbuch der Lichttechnik folgte 1938. Als die "Elektriker" damit anfingen, bestand ihre Welt hauptsächlich aus Licht. Und sie legten etwa 1924 die "Währung" der Lichttechnik fest, Lumen. 

Was ist heute anders? Ich konnte z.B. über drei Jahrzehnte für meine Aquarien Lampen kaufen, die immer das gewünschte Licht produzierten, und in die Leuchte passten, die ich 10 oder 20 Jahre zuvor gekauft hatte. Unternehmen konnten heute ein Gebäude mit Licht ausstatten und 30 Jahre danach ohne große Kopfschmerzen sanieren, teilweise ersetzen u.ä. Nennt sich Planungssicherheit. Und mit LEDs? Da passt es buchstäblich vorn und hinten nicht. Seit Ewigkeiten machen Lampen mehr oder weniger Licht aus der Energie, die man da hinein steckt, und die kommt vorne raus, mit dem Licht zusammen. Bei der LED geht die Wärme nach hinten weg. Dieses scheinbar unwichtige Detail macht es schwierig, alte Technik, also Lampen, durch neuere zu ersetzen ("Retrofit"). Bei Leuchtstofflampen hingegen passten drei Generationen Lampe in eine Generation Leuchte. Zwar nicht ideal, aber niemand musste eine Brandgefahr befürchten, vor der der Verband der Gebäudeversicherer warnt. Selbst wenn man eine LED mit der gleichen Bezeichnung drei Jahre später kauft, kann man nicht sicher sein, dass sie die gleichen Eigenschaften hätte.

Man muss die Welt des Lichts ziemlich neu erfinden. Da hatten es die Altvorderen einfacher. Sie waren die ersten bzw. ihre Erfindung war eben neu. In eine durchorganisierte Welt eine neue einzupflanzen, ist hingegen wahre Kunst. Wie war doch noch mal die Definition von Techne?  Kunst, Gewerbe, Geschick, List, Betrug …

Tech ' nik
[<grch. techne = Kunst, Gewerbe, Geschick, List, Betrug]

Erstellt: um 9:52

Lange aufgehalten - Jetzt nicht mehr aufhaltbar - Die Zukunft will kommen

Im Forum von HighLight 3/4 2018 findet sich unter dem obigen Spruch eine Zukunftsvision oder ein Menetekel, wie man gerade aufgelegt ist. Es heißt dort "Die Substitution herkömmlicher Lampen durch LEDs hat einen tiefgreifenden Wandel in der Branche nach sich gezogen. Denn nun buhlen auch Unternehmen aus der Halbleiterindustrie um Marktanteile." Wie schön zu lesen, dass meine alten Prognosen doch nicht so falsch gelegen haben (Osram wird Elektronik Bude von 2015).

Da gibt es noch ältere Prognosen, die da sagten: "„Der Wandel im Lichtmarkt von traditionellen Leuchten zu LED-Lampen habe sich weiter beschleunigt. Damit droht den Beschäftigten ein weiterer Stellenabbau über das laufende Programm hinaus.“ (dpa-AFX)  Das war vor etwa vier Jahren (hier). Wie wahr (geworden) . Leider. Aber in Deutschland, d.h. im besseren Teil von Deutschland, in Bayern, sollen demnächst 1000 Leute neu eingestellt werden. Wetten, dass das keine Lichttechniker sein werden? Oder "neue" Lichttechniker, die unter Chips nicht Cerealien verstehen?

Andernorts liest man "Der Osram-Vorstand muss entscheiden, wie er das marode Leuchtengeschäft wieder auf Kurs bringen will. Er prüft nun die Optionen – in aller Ruhe." (hier) Wir müssen zum Glück nicht darüber entscheiden, welchen Beitrag wir zu diesem "maroden Leuchtengeschäft" beigetragen haben, indem wir alle Jahre wieder die Kongresse der LiTG besucht haben, bei denen der Katalog der Firma verlesen wurde, die das jetzt als marode bezeichnete Geschäft betrieb. Damals war ich noch jung, schlief aber regelmäßig bereits zu Beginn jeder Sitzung ein. Der konsultierte Arzt bescheinigte mir, ich sei kerngesund. Das Einschlafen müsse andere Gründe haben. Hatte wohl auch. Der - einstige - Branchenprimus verhalf mit seinen Inhalten nicht nur den Kongressteilnehmern zu einem Tiefschlaf. Gesund war der allerdings nicht.

Mal sehen, wie das weiter geht mit Leuten, denen das Wort Schlaf recht fremd ist. Willkommen im Nerdistan! Die neuen Akteure essen Pizza, haben Pickel und keine Freundin. So jedenfalls einem üblichen Gerücht nach. Sie residieren auch nicht am Grünwalder Stadion sondern in Co-Working Spaces um den Globus. (Ach, ja. OSRAM seit ein paar Jahren auch nicht mehr.) Den Leuten sind offensichtlich auch solche Probleme wie Flicker fremd. Kein Wunder, die hatten schon die Altvorderen vernünftig gelöst, bevor ich mit dem Lichtstudium angefangen hatte. Auf ein Neues! 

Erstellt: April 11, 2018 um 9:02