31.08.2011
Es ist raus: Für die Verbraucher spielt die Lichtqualität keine Rolle - hat eine Studie von Emnid fachkundig festgestellt: „Vier von fünf Deutschen unterstützen das Verbot der traditionellen Glühlampen ab dem 1. September: In einer am Dienstag veröffentlichten Emnid-Umfrage sagten 79 Prozent, sie fänden es richtig, im Sinne des Umweltschutzes auf effiziente Beleuchtung zu setzen. Beim Kauf suchen demnach zwei Drittel gezielt nach energiesparenden Lampen mit niedrigem Stromverbrauch. Das zweitwichtigste Kriterium ist demnach der Kaufpreis. Lichteigenschaft oder Form und Design der Lampe spielten eine untergeordnete Rolle, ergab die Befragung.“ Jedenfalls in der Meldung vor AFP, die vor genau 20 Stunden durch die Ticker lief. Wer noch richtig tickt, muss nicht einmal raten, wer die Studie in Auftrag gegeben haben könnte. Bestimmt nicht die Chemieindustrie - die gibt nur Studien in Auftrag, deren Ergebnis lautet: Die Verschmutzung des Rheins kommt nicht aus den Abwässern der Industrie, sondern von den Fischen, die tot im Rhein herumschwimmen. (geklaut bei Otto)
Der erste Kommentar zu der Meldung auf der Yahoo-Seite sagt: „Vier von fünf Deutschen hamstern traditionelle Glühbirnen", so wird ein Schuh draus.
Ja, so isses! Den Verbrauchern ist es egal, dass der Sonntagsbraten unter der effizienten Ökofunzel wie Gammelfleisch aussieht. Hauptsache effizient. Wirklich? Warum essen die eigentlich einen Braten? Hat jemand ausgerechnet, was ein deutscher Schmorbraten für eine Verschwendung an Energie bedeutet? Nee, nich? Chinesisch essen würde schon an einem Sonntag mehr Energie sparen als die Glühlampe in einem Monat verbraten könnte. Ein Wok ist etwa 20-mal so effizient wie ein Schmortopf. Oder 10-mal? Oder 30-mal? Ich will nicht feilschen wie die, die die Effizienz von Lampen berechnen. Wer gerne Schweinebraten ist, wird eh nicht auf Chop Suey umsatteln. Und die gute deutsche Bratpfanne wird ewig Energie ins All schleudern - es sei denn, jemand missbraucht diese, um den Leuten, die dem Volk dumme Fragen stellen, eins überzubraten.
Aber das ultimative Sparwunder ist Sushi. Es wird roh gegessen, nur der Reis muss gekocht werden. Sushi ist so ökologisch wie die Energiesparlampe auch.
Sushi zu essen könnte bald die Endlösung der Frage der Verschmutzung der Weltmeere durch Fische bedeuten. Nachdem wenige Völker der Erde 90% des weltweiten Fischbestandes von vor 50 Jahren flugs in Sushi und Hühnerfutter verwandelt haben, überlegen sich Meeresökologen, wie das Weltmeer ohne Fische aussehen könnte. Schön grün, hat man herausgefunden. Algen überall. Der blaue Planet jetzt auch auf dem Ozean grün!
Lassen wir die Esserei. Es gibt noch etwas, was man verbieten könnte, wenn Qualität keine Rolle spielt: das Auto. Auf den Philippinen gibt es Vehikel, die mit einem Mofamotor bis zu acht Leute übereinander gestapelt bewegen. Die sind so energieeffizient, dass sogar die Tuktuks aus Thailand verboten werden müssten. Und bei jeder Steigung müssen die Acht aussteigen und schieben. Hilft ungemein gegen Fettleibigkeit. Also braucht man keine Autos.
Nehmen wir an, die Emnid-Studie hätte die Wahrheit ans Licht gebracht, sofern danach gefragt wurde. Hat man denn die Verbraucher auch gefragt, was sie davon halten, dass man ein ökologisch unbedenkliches Produkt (Glühlampe) durch eines mit einem der stärksten Umweltgifte ersetzt, ohne ein flächendeckendes Rücknahmesystem zu organisieren? Stiftung Warentest hat im April 2010 angegeben: „Laut Deutscher Umwelthilfe landeten 2007 rund 90 Prozent der privat genutzten Lampen im Hausmüll. Oft zerbrechen sie bei dieser Entsorgung, sodass Quecksilber in die Umwelt gelangt.“ Auch im Jahr 2011 landete Quecksilber aus den "ökologischen" Lampen in der Landschaft.
2007 war es 22 Jahre nach der Ankündigung des Sparwunders auf der Hannover Messe. Der hohe Herr, der es der Weltöffentlichkeit präsentierte, Alfred Wacker, seines Zeichens Marketingleiter bei Osram, soll dabei gesagt haben: „Im Treppenhaus gern, bei Tisch bitte nicht!“ Sehr dumm, vom hohen Herrn, seine Firma gibt heute zerknirscht zu, dass die Lampen dort nichts zu suchen hätten, wo häufig ein- und ausgeschaltet wird. Sie brauchen sehr lange, bis sie ihre „Effizienz“ erreichen. Im Treppenhaus sind sie längst ausgeschaltet, wenn sie effizient strahlen. Zudem auch nicht sehr lange. Häufiges Umschalten vertragen sie nicht. Wie ökologisch ist es, eine neue Lampe einzuführen, die man auf Dauer eingeschaltet lässt, weil sie nicht ausgeschaltet werden mag?
Also Lichter im Treppenhaus möglichst lange brennen lassen? Dann hat man aber effizient gestrahlt. Ein Treppenwitz, der morgen am 1. September 2011 seine nächste Phase erreicht. Auch die 60-W-Glühlampe muss den Gang in die Geschichtsbücher antreten. Und wer die lesen will, wird künftig eine Energiesparlampe anknipsen müssen. Oder man spart gleich die gesamte Energie und lässt die Funzel kalt und dunkel. Solche Geschichten muss man nämlich nicht lesen. Wozu macht man sonst Licht?
12.08.2011
Heute ist der Geburtstag des PC. Jedenfalls nach IBM. Die hatten vor 30 Jahren die Idee, eine Blechkiste Personal Computer zu nennen. Personal sollte heißen so viel wie „Dein persönlicher …“, passte aber überhaupt nicht zum Computer. Denn der bewegte sich in Sphären zwischen heiliger Maschine und Gottheit, das war in den 1960ern; und Timesharing-Maschine, das war in den 1970ern. Die machte jedenfalls nie das, was ich wollte. Und die neue Kiste sollte es anders machen. Das hatte ich mir erhofft. Die Namensgeber auch …
Doch andere Herren der Schöpfung dachten nicht so. Wie darf jeder wollen, was er will? Frei nach Kaiser Wilhelm als Erwiderung auf die Nachricht, sein Volk erhebe sich gegen ihn: Ja, dürfen's denn? So wurde der PC bei IBM und bei allen, die damals mächtig waren, schlicht geschnitten. Und dann? Von den damals wichtigen und mächtigen Firmen lebt heute nur noch die IBM. Und kaum ein Mensch weiß heute, dass er dauernd mit einem mächtigen PC telefoniert. Wo ist Nixdorf - der Branchenprimus in Deutschland von einst? Im gleichnamigen Museum. Deren Chef, Heinz N., hatte verkündet, man würde Lastwagen bauen, aber keine Fahrräder! Nun tragen die Fahrräder die hundert- oder tausendfache Last seiner LKW. Wo ist DEC - Liebling aller Ingenieure und Physiker? In keinem Museum - weil das Ende zu prosaisch war. Beerdigung dritter Klasse! DEC, der zweite der einstigen EDV-Welt, starb einfach weg wegen Ideenlosigkeit. Und der einst die Welt beherrschende IBM-PC heißt heute Lenovo - auf Chinesisch. IBM-kompatibel bedeutete einst die Welt. Was ist mit den Underdogs von einst, Apple? Sie war genau heute das wertvollste Unternehmen der Welt, noch vor Exxon mit Ölquellen überall auf dem Globus. Die Apples fördern aber nur Ideen - wertvoller als Öl?
Und was hat das mit Licht zu tun? Viel! Die, die in meiner Jugend unsere Welt des Lichts dirigierten, Siemens Lichttechnik, wurden an eine Heuschrecke verkauft, wieder zurückgekauft, und mal wieder verkauft. Die, die aufstrebende Technik der LED aufbauen sollen, werden gerade von der Mutter verkauft - oder die Mutter steckt in roten Zahlen. Warum? Wir werden sehen. Ob die Mutter die andere Tochter verkauft oder verschenkt, ist nicht ausgemacht, weil die Welt über ihre Verhältnisse gelebt hat.
Für mich liegt die Parallele darin, dass in beiden Fällen eine Kultur des Aufdrängens von Produkten gegen den Willen des betroffenen Menschen der Auslöser war. Lichttechniker haben nicht das Erbe der Vorfahren abschütteln können, die den Menschen die Erleuchtung mit Birnen aufdrängen wollten. Später haben sie sich über solche lustig gemacht, die von Röhren sprachen. Dennoch konnten sie nicht verhindern, dass diese von Neonröhren sprachen, später von Neonfunzeln. Gott verhüt's!
IBM war intelligent genug, sich in das Metier zurückzuziehen, das man beherrschte. Der Rest wurde ausrangiert, ein neues Gesicht mit Milchbart und großer Brille beherrschte fortan die Welt. Wird die Welt des Lichts so etwas erleben? Etwa, dass diejenigen, die menschliche Bedürfnisse in den Vordergrund schieben, selbst in der vordersten Reihe stehen? Ich denke, ja. Denn die IT-Welt war und ist um Längen mächtiger. Und ist trotzdem vor den Bedürfnissen des Menschen in die Knie gegangen. Und die Menschen in der Lichttechnik waren eigentlich die ersten Techniker, die sich Gedanken um die Bedürfnisse der Menschen gemacht hatten. Die muss man gar nicht in die Knie zwingen. Man muss nur deren Ideen in die Praxis umsetzen. Dazu werden die heute herrschenden Lichttechniker genügend Zeit bekommen, nachzudenken, was sie falsch gemacht haben können. So ihre Firmen noch existieren.
Man muss nur die Asche wegpusten. Und den Spiegel vor die Nase halten.
26.07.2011
Man stelle sich vor, man soll genügend Farbe kaufen, um ein Brett zu streichen. Wonach müsste man zuerst fragen? Einfach: Nach der Größe des Bretts. Kleine Bretter, kleine Töpfe - große Bretter, große Töpfe… So einfach geht die Sache bei Beleuchtung nicht auf, obwohl auch da die Größe der zu beleuchtenden Fläche für die Menge des Lichts maßgeblich sein sollte, die ich einplanen soll. Das hatte ich zuerst bei Physik in der Schule gelernt, später beim Studium der Lichttechnik an der Uni. Verteile ich 1 Lumen auf 1 m2, ist Beleuchtungsstärke dort doppelt so hoch als wenn ich das Licht auf 2 m2 verteilen würde. Stimmt? Stimmt!
Soweit, so gut. Wie groß ist aber die Fläche, die ich für einen Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz beleuchten muss? So wurde die Sache anno Tobak dargestellt:
(aus ZH1/190)
Das war die Sicht einer BG. Sie entsprach in etwa dem, was der Arbeitsminister geschrieben hatte und die Gewerbeaufsicht an den Arbeitsplätzen überprüfen sollte: Die Vorgaben sollte man auf Einhaltung „am Ort der Tätigkeit während der Tätigkeit des Arbeitnehmers, z.B. bei Werkzeugmaschinen am eingespannten Werkstück am Ort der Bearbeitung; auf der Schreibtischplatte am Ort des Schreibens; auf dem gesamten Zeichenbrett in Zeichenstellung.“ prüfen. Ansonsten zeigt das Bild das, was für das Sehen bedeutsam ist: Aus der Leuchte kommt ein Lichtstrom, der das Objekt trifft. Dort entsteht eine Beleuchtungsstärke. Zusammen mit dem Reflexionsgrad entsteht eine Leuchtdichte. Und die sieht das Auge. Zwar passt der Aufzug des Betrachters nicht zu der Maschinenleuchte, er sieht eher aus wie ein Investmentbanker, der zwielichtige Dokumente sichtet. Aber sei's drum. Viel schlimmer ist, dass die Beleuchtungsstärke nur dann stimmt, wenn er sich ein flaches Objekt anschaut wie der Investmentbanker seine Unterlagen. Bei räumlichen Objekten ist die Beleuchtungsstärke im Mittel halb so groß, bei der dargestellten Geometrie noch weniger, weil das Licht von hinten kommt. Funktionieren tut das Ganze lediglich, wenn der Investmentbanker keine Hochglanzprospekte liest. Dann wird er schön geblendet. Daher sind die, die Hochglanzprospekte, an Arbeitsplätzen verboten. Ist gut so!
Viel früher hatte die Werbeorganisation der Elektrowirtschaft viele Veröffentlichungen zum Guten Licht gemacht, aus denen man eine ähnliche Größe für die zu beleuchtende Fläche ableiten könnte:

Sagen wir mal… so DIN A3? (Original Fördergemeinschaft Gutes Licht, 1976)
Etwas reichlicher darf es nach DIN 5035-8 sein. Dort sind es 600 mm x 600 mm. Ich hatte die Zahl einst Pi x Daumen gerechnet für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Mitarbeiter zwei aufgeschlagene Ordner hintereinander legt und in beiden auch die Rückseiten der Blätter noch lesen will. Für mich war das das Höchste der Gefühle.
Ob das reicht? Nicht ganz, denn man will ja nicht nur das Sehobjekt beleuchten, sondern auch dessen Umgebung. Wie groß dürfte die sein? Wenn man ganz großzügig ist, beleuchtet man den ganzen Tisch. Was darüber hinausgeht, fällt eh auf den Teppich, vielmehr geht es daneben. Natürlich muss dieser Umgebungsbereich nicht taghell sein.
Was sagen uns aber die Normen dazu? Früher - bis 2002 - machte man sich die Aufgabe leicht. Man beleuchte die ganze Bude gleichmäßig, weil man vorher nie weiß, wo die Arbeitstische stehen werden. Es nannte sich Allgemeinbeleuchtung. Zum Glück ist niemand auf die Idee gekommen, die Räume voll Stühle zu stellen, weil man nie weiß, wo einer sitzen wird. Dafür hatte einer die kleinen Rollen an den Stühlen erfunden und den Stuhlverkäufern den Umsatz verdorben. Nach 2002 änderte sich die Situation, weil man einen „Bereich der Sehaufgabe“ definierte (in DIN EN 12464-1). Dafür gab man Beleuchtungsstärkewerte an, und der angrenzende Bereich durfte dunkler sein (eigentlich müsste, weil überflüssiges Licht die sog. Umfeldblendung verursacht, viel Licht dient nicht immer dem Sehen).
Die Auguren der Norm haben sich nie getraut, den geheimnisvollen Bereich der Sehaufgabe anzugeben, der unmittelbare Umgebungsbereich sollte aber mindestens 0,5 m breit sein und sich im Gesichtsfeld befinden. Das Letztere ist besonders zu betonen, obwohl niemand auf die Idee käme, Flächen zu beleuchten, die sich nicht im Gesichtsfeld befinden. Wirklich niemand?
Bevor ich den verrate, zunächst zu dem, was die Norm 12464-1 festgelegt hat. Da die Norm dies nicht verraten wollte, musste der ZVEI (Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie) erraten, wie diese Flächen aussehen. Und das Ergebnis sah so aus:
(Das Bild ist ein Ausschnitt aus ZVEI ZVEI-Leitfaden zur DIN EN 12464-1, April 2005, die Breite des Umgebungsbereichs habe ich selbst eingetragen, das Bild selbst kann man in der Norm nicht finden)
Der Bereich der Sehaufgabe ist da schnell gewachsen auf ca. 2 m x 2 m. Die unmittelbare Umgebung sieht zwar klein aus. Man kann aber selbst ausrechnen, dass sie nicht allzu klein ist.
Nun wurde zum Glück DIN EN 12464-1 überarbeitet, der Mangel an Klarheit behoben. Jetzt kann man in der Norm lesen, wie diese Bereiche aussehen:
Der Bereich der Sehaufgabe ist hier nicht genau angegeben, man kann ihn auf mehr als 1 m² schätzen. Der Umgebungsbereich, der mindestens 50 cm breit sein muss, dürfte um die 2 - 4 m² messen. Jetzt kommt noch ein Hintergrundbereich hinzu, der mindestens 3 m breit sein muss. Auf jeder Seite - wie früher?
Na schön. Wo befindet sich der erleuchtete Mitarbeiter? Bei üblichen Arbeitsverhältnissen müsste er ganz in der Nähe von Fläche 1 sein, weil man bei Beleuchtungsstärken, wie sie die Norm verlangt, Nahsehen voraussetzen muss. Folgerichtig muss also ein riesiges Areal hinter dem Mitarbeiter beleuchtet werden. Fragt sich, wozu.
Ich wünsche mir die guten alten Zeiten zurück. Da standen Arbeiter in Schlips und Kragen an der Werkbank (ganz oben) oder riskierten ihr Leben auf vierbeinigen Drehstühlen (darunter). Jetzt muss man für sie nicht nur das Gesichtsfeld beleuchten, sondern auch Bereiche, von denen aus man nur die Heckansicht der Helden der Arbeit bestaunen darf. Wer weiß, vielleicht lässt sich eine Sehaufgabe finden, für die diese Beleuchtung passt.
Offensichtlich passt sie aber nicht mehr zum Arbeitsschutz. Er hat letzten Monat eine ASR veröffentlicht, nach der man noch viel größere Flächen beleuchten müsste, denn ihre Angaben gelten für den „Bereich des Arbeitsplatzes“. Was das ist, verrät die Regel (anders als die Normen): „Der „Bereich des Arbeitsplatzes“ setzt sich zusammen aus den Arbeitsflächen, den Bewegungsflächen und allen dem unmittelbaren Fortgang der Arbeit dienenden Stellflächen.“ Wo der Lichtplaner all diese Flächen zusammen suchen soll, wird ihm in Form des beispielhaften Arbeitsplatzes dargestellt:
Die Kreuze im Bild markieren die Fläche, über die man die Beleuchtungsstärke bestimmt. Man merke: Ob einer an seinem Arbeitsplatz (links im Bild) gut sehen kann, richtet sich nicht nur danach, wie viel Licht hinter ihn fällt, sondern auch nach dem Licht auf dem Besucherstuhl (rechts im Bild). Besucherstuhl? Musste der Arbeitnehmer im Bild ganz oben einsam an der Werkbank stehen, residiert er jetzt in einem reichlich bemessenen Raum (Größe bitte selbst bestimmen anhand der Breite der Bewegungsfläche hinter dem Tisch = 100 cm und dann mit dem Arbeitsraum des eigenen Abteilungsleiters vergleichen). Sein Bereich der Sehaufgabe ist so reichlich bemessen, dass auch der Bildschirm beleuchtet werden muss. Man wird schon wissen, warum sogar der Bildschirm beleuchtet werden muss. Vorschrift ist Vorschrift!
Diese Vorstellungen sind realistisch - realistisch wie die Aussicht, dass sich jeder deutsche Arbeitnehmer in einem Raum mit vier Fenstern entfalten darf.

Das letzte BIld zeigt, Arbeitsplätze aus einem Call-Center, wie sie in einem Projekt des Arbeitsministeriums, ausgeführt durch die Berufsgenossenschaften, aussehen. Die schöne Bude mit den vier Fenstern, die als Muster für deutsche Büros fortan die ASR A3.4 zieren wird, wurde von den gleichen Berufsgenossenschaften gezeichnet. Satire darf alles, aber manchmal ist es einfach zu viel.
14.07.2011
Das Jahr 2012 rückt näher, die Glühlampe wird vielleicht endgültig ausgeschaltet. Natürlich nicht überall, meine werden weiter brennen, weil ich keine Lust habe, mein Haus neu zu bestücken - mit Leuchten. Wir besitzen z.T. alltägliche, z.T. elegante, z.T. uralte Leuchten und Kandelaber, in die die Energiesparlampen nicht hineinpassen wollen. Zwar gibt es heute viel mehr Modelle als vor drei Jahren, dennoch kosten die besseren ein kleines Vermögen, wenn ich alles zusammenzähle, was ich bräuchte. Wenn die wenigstens passen würden!
In den letzten drei Jahren habe ich verstärkt auf die Vernichtung von Ästhetik und Design von erbauten Umgebungen durch unpassende Lampen geachtet und das in mehr als einem Dutzend Ländern. (Ich muss gestehen, dass ich diejenigen Lösungen, bei denen die Lampe in die Leuchte gepasst hat, nicht sehen konnte, weil sie eben zusammen passten.) Die Bilanz ist erschreckend. Ob schöne Hotels in Peking oder Goldschmiedeläden im Großen Basar von Istanbul oder schützenswerte U-Bahnhöfe in Berlin oder Moscheeeingänge in Saudi-Arabien - überall gucken grelle Lampen aus den Leuchten raus, die ihre Vorgänger gut vor den Augen der Menschen hatten verbergen können. Besonders hat mir die Tischleuchte einer alten Dame angetan. Früher verbargen sich zwei Glühlampen in dem Schirm, jetzt guckt eine einsame Leuchtstofflampe oben raus und spart unablässig Energie. Die Kreation haut dem Fass den Boden aus. Der Lampenschirm überlegt sich, wozu er einst gedient hat.
Ich hatte gelernt, dass Ökologie ist, wenn man vernetzt denkt, eben fast so komplex wie die Natur in ihren Zusammenhängen, und ein Produkt von der Wiege bis zur Bahre durchdenkt und bewertet.
Denkste. Eine Ökobilanz der Energiesparlampe gab es nicht, als man diese zum Nachfolger der Glühlampe auserkoren hatte. Zwar hatte das Öko-Institut so etwas veröffentlicht, hatte aber das schreckliche Ende der Lampe ausgeklammert - das Drama mit dem Quecksilber. Drama? Eher Tragödie! Lässt man das weg, gibt es dummerweise keine Leuchtstofflampen; behält man es, hat man bereits gesündigt. Greenpeace soll auch was im Köcher gehabt haben. Man hat es vorgezogen, das Papier für sich zu behalten.
Ich glaube, kaum jemand hätte die Vernichtung von 100 Jahren Kulturgut, Lampen, Leuchten, Kandelabern, Möbeln mit eingebauten Lampen, Decken mit integrierten Installationen etc. in die Ökobilanz eingerechnet. Wer nur an die CO2-Emissionen denkt, sollte wenigstens die CO2 einrechnen, die bei deren Entstehung entstanden sind, und die wieder entstehen werden, wenn man sie durch Neues ersetzt. Die kulturelle Bilanz der sog. Energiesparlampe ist verheerend. Die Ökobilanz, wenn sie je existiert hat, kann auch nicht gut aussehen, selbst wenn man von dem Quecksilber absieht, ohne die die Lampe nicht funktioniert. Die Lampe selbst spart keine Energie gegenüber Lampen gleicher Leistung. Sie ist nur als Ersatz gegenüber einer Glühlampe sparsamer, wenn man sie in die gleiche Fassung drehen kann. Damit kommt sie mit einem miserablen Vorschaltgerät daher, das die Leitungen verschmutzt.
13.07.2011
Am 1. Juni 2011 war es so weit. Im Gemeinsamen Ministerialblatt verkündete das Arbeitsministerium, dass das jüngste Kind des Arbeitsschutzes das Licht der Welt erblickt hatte. Kaum hatte ich vor drei Wochen schon über eine Besonderheit davon berichtet, was insbesondere Gutachter freut, die neue Distanz zwischen Arbeitsschutz und den Normen, fragte mich jemand, ob ich doch nicht einen Artikel darüber schreiben wollte. Ich wollte.
Beim Recherchieren für den Artikel fiel mir etwas auf, was ich schon seit langem erwartete. Ich wusste nur nicht, wann es passiert. Jetzt ist es so weit. Zunächst zu meiner Erwartung: Da die Qualität von Licht immer häufiger an einer Zahl, 500, gefolgt von Lux bewertet wurde, womit die Beleuchtungsstärke gekennzeichnet werden sollte, wartete ich auf den Tag, an dem ein Experte darüber stolpert. Man kann zwar den Geschmack von Tomaten an ihrem Gewicht messen, ohne dafür gehängt zu werden, aber die Beleuchtungsstärke in Lux gibt es nicht. Sie ist nämlich ein Vektor, zu dem eine Richtung gehört. In grauer Vorzeit bildete die Richtung sogar ein ziemlich eigenständiges Qualitätskriterium; man ließ sie aber schnell fallen, weil die Allgemeinbeleuchtung so etwas nicht kennt. Es gab eben nur eine von oben nach unten. So sprach man von der Beleuchtungsstärke und meinte die horizontale. Dass auch andere bedeutsam sein können, wussten Lichttechniker bzw. Lichtplaner, aber auch Gemüsezüchter, Forstämter u.ä. Für Leute, die sich mit der Ästhetik beschäftigten, waren die anderen sogar wichtiger. Nun hat es vor einiger Zeit der Arbeitsschutz gemerkt und in ein Regelwerk (BGR 131) aufgenommen. Die Erklärung sieht so aus:
Dabei ist ein kleiner Lapsus passiert. Die vertikale Beleuchtungsstärke wurde in nur einer Richtung dargestellt. Macht nix, das Bild ist aus dem Zusammenhang gerissen, wenn man den gesamten Text der BGR liest, kann man damit gut leben.
Nun wurde aus der BGR eine ASR geschneidert, um die es hier geht. Die wollte einen Fehler des Vorgängers ausbügeln, dessen Angaben zur Beleuchtungsstärke die horizontale meinten. In der ASR A4.3 bezieht sich der Wert immer auf die Ebene, die für die Sehaufgabe relevant ist. So stand es früher in den Beleuchtungsnormen, und steht heute noch drin. Wo liegt das Problem? Man hat aus der „zylindrischen“ B. der BGR eine vertikale machen wollen, hat aber die Ebene vergessen. Bei der Hitze des Gefechts ist den Experten noch was entgangen, nämlich dass die Tische für das Technische Zeichnen fast senkrecht (75°) stehen. Die Angabe der Beleuchtungsstärke für Zeichentische bezog sich immer auf diese Lage. Nun wird für solche Arbeitsplätze auch eine Vertikalbeleuchtungsstärke angegeben. Allerdings nur 175 lx. Wohin damit?
Es rächt sich, dass Gremien mit Beleuchtungsstärken umgehen wie im (orientalischen) Bazar. Ihr Glück, dass die Bazarhändler an solchen Sitzungen nicht teilnehmen. Sie würden sich den Vergleich vermutlich verbitten.