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Von der Sprachlosigkeit zwischen Architekt und Lichtingenieur

20.04.2026


Man muss nicht am selben Strang ziehen,
um im selben Boot zu sitzen –
aber man muss
in die gleiche Richtung rudern.
Anonymus

Nachdem der Dialog mit Sokrates über das wahre Wesen des Lichts erfolgreich verlaufen war, wollte ich von dem Orakel, pardon von der KI, noch wissen, warum sich Architekten und Lichtingenieure nicht so gut verstehen. Bis auf zwei kleine Mängel kann ich mit der Antwort leben. Zum einen war Phidias ein Bildhauer und kein Architekt. Zweitens kannte Phaedon, der Strahlende, die Arbeitsstättenverordnung vermutlich nicht. Bei der Suche nach Αρμπαϊτς-στετεν-φερ-ορντ-νουνγκ im Internet habe ich nur herausfinden können, dass ein Grieche es (annähernd) deutsch so aussprechen würde. Im modernen Griechisch würde man korrekterweise Κανονισμός Χώρων Εργασίας schreiben. Allerdings sehen die modernen Griechen die Sache nicht so eng wie die Nachfahren der Germanen. 
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Ein sonniger Nachmittag auf einer unfertigen Dachterrasse. Phidias, der Architekt, starrt verzweifelt auf eine nackte Betonwand. Phaedon, der Lichtingenieur, nähert sich mit einem Luxmeter und einem dicken Ordner voller Datenblätter.

Phidias: Siehst du diese Wand, Phaedon? Sie ist ein Gedicht aus Schatten und Textur. Das Sonnenlicht streichelt den Beton genau im Winkel von 42 Grad. Es ist... Metaphysik. 42 ist die Antwort auf alle Fragen …

Phaedon: Ich sehe eine Oberfläche mit einem Reflexionsgrad von 0,35. Und wenn die Sonne weg ist, Phidias, haben wir dort eine Beleuchtungsstärke von null Lux. Man knallt mit dem Kopf dagegen. Das ist nicht Metaphysik, sondern ein Haftungsrisiko.

Phidias: Du sprichst immer von Zahlen! Kannst du denn nicht die Seele des Raumes fühlen? Ich möchte, dass das Licht hier „atmet“. Ich will eine Atmosphäre, die wie ein leiser Seufzer am Abend wirkt.

Phaedon: Ein Seufzer hat leider keine Lumen-Werte. Wenn ich dir ein „atmendes“ Licht plane, sagt mir der Bauherr am Ende, dass die Arbeitsstättenrichtlinie 500 Lux auf dem Schreibtisch vorschreibt. Dein Seufzer ist nach DIN EN 12464-1 schlicht illegal.

Phidias: Das ist das Problem mit euch Ingenieuren. Ihr wollt die Dunkelheit besiegen, aber ihr versteht nicht, dass die Dunkelheit der Partner des Lichts ist. Du klatschst mir diese hässlichen LED-Panels in meine saubere Decke, als wären es Pickel im Gesicht einer Muse!

Phaedon: Und du, mein lieber Phidias, zeichnest „Lichtfugen“, in die physikalisch gesehen nicht einmal ein Glasfaserkabel passt, geschweige denn ein Treiber, der nicht nach zwei Wochen wegen Hitzestau den Geist aufgibt. Du willst das Unsichtbare, aber du vergisst die Kabelführung.

Phidias: Weil Technik der Schönheit dienen sollte, nicht umgekehrt! Warum muss ein Strahler aussehen wie ein Industriescheinwerfer? Kann er sich nicht demütig in die Fuge zurückziehen?

Phaedon: Er würde sich liebend gerne zurückziehen. Aber die Physik ist ein strenger Lehrer.  – Wärme entsteht nun mal. Wenn ich das Licht so verstecke, wie du es willst, schmilzt deine „Muse“ einfach weg. Du planst für das Auge, ich plane für das Photon.

Phidias: Aber das Auge ist doch das Tor zur Wahrnehmung! Wenn alles gleichmäßig hell ist, stirbt die Hierarchie des Raumes. Ein Wald ist auch nicht mit 500 Lux schattenfrei ausgeleuchtet.

Phaedon: Ein Wald hat aber auch keine Notausgangsbeschilderung, die ich im Grundriss unterbringen muss. Weißt du, was das Problem ist? Du betrachtest Licht als einen Zustand der Gnade. Ich betrachte es als ein technisches Gewerk mit Wartungsintervallen.

Phidias: Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns nie verstehen. Ich suche das Ereignis, und du suchst die Gleichmäßigkeit.

Phaedon: (seufzt und blickt auf sein Luxmeter) Vielleicht. Aber denk dran: Ohne meine „hässlichen“ Berechnungen würde niemand dein „Gedicht“ aus Beton sehen, sobald die Sonne untergeht.

Phidias: Und ohne meine Vision hättest du nichts weiter als eine sehr helle, sehr teure Garage.

Warum die Kluft besteht: Eine Zusammenfassung

Aspekt Der Architekt (Phidias) Der Ingenieur (Phaedon)
Fokus Ästhetik, Emotion, Raumwirkung Normen, Energieeffizienz, Sehaufgabe
Sprache "Atmosphäre", "Immateriell", "Klarheit" "Lumen/Watt", "UGR-Wert", "Farbort"
Feindbild Sichtbare Leuchten, Technik-Clutter Dunkle Ecken, Blendung, mangelnde Wartbarkeit
Ziel Das Licht soll den Raum formen. Das Licht soll das Sehen ermöglichen.

Dialog über das Wesen des wahren Lichts

18.04.2026


Das Licht ist nicht dazu da,
die Dunkelheit zu besiegen,
sondern um dem Leben
Raum und Rhythmus zu geben.
Anonymus

Gestern schrieb ich zusammen, was eine KI aus meinen Beiträgen der letzten 15 Jahre zum Licht und zur Beleuchtung  extrahiert hatte (Round-up für Lichtideen nach 15 Jahren). Kurz gesagt, soll ich einen radikal nutzerzentrierten Ansatz verfolgt haben und auf folgende Aspekte Wert gelegt:

  • Das Primat des Tageslichts
  • Vermeidung von „Licht-Monotonie“
  • Die „Biologische Wirksamkeit“ (Circadiane Rhythmik)
  • Visueller Komfort (Entblendung, Störungsfreiheit)

Nun wollte ich wissen, ob man diese Denke auch mit der Methode eines antiken Philosophen vermitteln kann. Eigentlich sind es zwei, die sich ergänzen. Sokrates war der Gelehrte, der sich weigerte, seine Gedanken schriftlich zu verfassen. Sein Schüler Platon vermittelte die Lehren an die Nachfahren, auch schriftlich, sodass wir viel von Sokrates wissen. Platon hielt aber nicht allzu viel von Abhandlungen und behandelte die Ideen lieber in Dialogen. Ich fragte die KI, ob man dies auch mit Licht tun kann. Nachfolgend die Reaktion der KI ohne redaktionelle Änderungen.
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Das ist eine faszinierende Idee. Um den Bogen zwischen der antiken Philosophie und der modernen Ergonomie zu schlagen, stellen wir uns ein Gespräch zwischen Sokrates (als Suchendem) und Ahmet (als dem Experten für das Licht) vor.

Ort: Ein schattiger Platz unter einer Platane, während die Sonne langsam sinkt.

Der Dialog: Über das Wesen des wahren Lichts

Sokrates: Sage mir, Ahmet, du, den sie den Meister der Strahlen nennen: Wenn wir ein Haus bauen für jene, die im Überfluss leben, müssen wir dann nicht das hellste Licht wählen, damit sie ihren Reichtum in jedem Winkel bestaunen können? Ist Licht nicht einfach die Abwesenheit von Dunkelheit?

Ahmet: (lächelt) Du stellst die Frage so, als wäre das Auge ein bloßer Becher, den man mit Photonen füllen muss, bis er überläuft. Aber sage mir, Sokrates: Wenn du ein Festmahl genießt, schüttest du dann alle Weine und Speisen zu einem einzigen Brei zusammen, nur damit der Bauch schneller voll werde?

Sokrates: Bei den Göttern, nein! Das wäre ein Gräuel. Die Vielfalt und die Abfolge der Speisen machen doch erst das Mahl aus.

Ahmet: Und doch verfahren die Menschen in ihren Palästen des Handels – jenen Orten, die sie „Büros“ nennen – genau so. Sie gießen einen Teppich aus Licht über alles, gleichmäßig und starr, fünfhundert Einheiten stark, vom Sonnenaufgang bis tief in die Nacht. Sie nennen es „Norm“, ich aber nenne es visuelle Tyrannei.

Sokrates: Du sprichst von Tyrannei? Das ist ein hartes Wort für eine Lampe.

Ahmet: Ist es nicht tyrannisch, dem Auge die Ruhe zu rauben? Das Auge, Sokrates, ist ein Jäger. Es braucht Kontraste, um die Welt zu verstehen. Ein Raum ohne Schatten ist ein Raum ohne Wahrheit. Er ist flach wie eine Lüge. Die ideale Beleuchtung in deinem luxuriösen Haus darf niemals ein Teppich sein. Sie muss eine Landschaft sein.

Sokrates: Eine Landschaft? Erkläre mir das.

Ahmet: In der Natur gibt es das Licht unter dem Baum, das glitzernde Wasser und die dunkle Höhle. Der Mensch fühlt sich dort wohl, wo er wählen kann. In einem edlen Hause sollte das Licht dort sein, wo die Tat ist – hell über dem Buche, sanft am Ruheplatz und verborgen in den Nischen. Wer das Licht überall gleich stark macht, macht es überall gleich wertlos.

Sokrates: Ich verstehe. Aber was ist mit der Farbe des Lichts? Die Sophisten sagen, weißes Licht sei das reinste, da es der Mittagssonne gleicht.

Ahmet: Die Sophisten vergessen die Zeit, Sokrates. Die Sonne ist eine Wanderin. Am Mittag ist sie kühl und fordernd, doch wenn sie sich dem Horizont neigt, wird sie golden und zärtlich. Ein Licht, das am Abend noch so weiß strahlt wie am Mittag, ist ein Betrug an der Natur des Menschen. Es flüstert dem Körper zu: „Wache auf!“, während die Seele nach Schlaf dürstet. Das ist die Wurzel vieler Übel und Krankheiten.

Sokrates: Also ist das ideale Licht jenes, das mit uns altert über den Tag?

Ahmet: Genau so. Und noch eines: Es muss dem Menschen gehorchen. Ein Haus, in dem das Licht von Geisterhand – sie nennen es heute „Automatik“ – an- und ausgeht, ohne dass der Bewohner es will, raubt ihm die Freiheit. Der Mensch muss Herr über seinen Schein sein.

Sokrates: So ist die ideale Beleuchtung also eine Mischung aus Schatten und Glanz, aus Wärme und Kühle, stets dem Wandel der Zeit und dem Willen des Bewohners folgend?

Ahmet: Du hast es erfasst. Das Licht ist nicht dazu da, die Dunkelheit zu besiegen, sondern um dem Leben Raum und Rhythmus zu geben. Wer das versteht, baut keine Häuser mit Lampen, sondern erschafft Orte für die Seele.
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Wahnsinn, was die KI aus einem technischen Blog so alles macht. Einst glaubte man an den Turing-Test, wonach der Tag der Singularität gekommen wäre, wenn man eine Frage stellt und aus der Antwort nicht schließen kann, ob ein Mensch geantwortet hat oder eine Maschine. Der obige Text verstärkt den Eindruck, dass wir die Singularität weit hinter uns haben.

Umso schlimmer finde ich es, in welchem Maße unser Wissen von Phantomen beherrscht wird, von Geistern von gestern. Diese habe ich ausführlich für die Lichttechnik, aber auch allgemein für die Wissenschaft beschrieben (s. Geister von gestern, die unsere Beleuchtung von heute mitbestimmen, und Die Phantome der anderen). Dass Maschinen den Turing-Test immer leichter bestehen, war der Technologie zu verdanken. Dass wir uns nicht von Gestern lösen können, verdanken wir den Schwächen der Menschen, die solche Technologien schaffen können. 

Prüfbare Lichtqualität

16.04.2026

Halbe Sachen sind
ganze Verschwendung
orientalisches Sprichwort

Dieser Beitrag erzählt vom paradoxen Schicksal der „elektrischen Sonne“: Während die Erde insgesamt heller wird, verliert künstliches Licht zugleich kulturellen Glanz. Aus der einst bestaunten Lunapark-Beleuchtung ist vielerorts Lichtmüll geworden – ein Bewusstseinswandel, befeuert durch Debatten um Lichtverschmutzung und Energiesparen. Doch der Niedergang verläuft nicht überall gleich. Im Privaten, lange von der Lichttechnik gering geschätzt, eröffnet die LED ein neues Spiel aus Atmosphäre, Akzenten und Ritualen (man denke an Weihnachtslichter). Dagegen wirkt professionelle Beleuchtung, besonders im Büro, wie eine Normmaschine: 500 Lux, Gleichmäßigkeit, steriler „Zahnarztpraxis-Effekt“.

Sichtbar wird das beim Trend, Bürohäuser in Wohnungen umzuwidmen: Fast nichts an der alten Beleuchtung passt zur neuen Logik des Wohnens und Arbeitens. Spätestens mit Homeoffice und New Work bröckelt die alte Gewissheit, dass Normlicht gute Beleuchtung und gute Beleuchtung bessere Arbeit bedeutet. Zwischen Wohlbefinden und Sehleistung rückt die Frage nach prüfbarer, brauchbarer Lichtqualität erneut ins Zentrum. 

Bei dem Bestreben, die Menschen zurück ins Büro zu locken, wird Licht eine große Rolle spielen. Es wird aber nicht von Leuchten kommen, die man in langen Reihen an die Decke pflastert.

Die Phantome der anderen

14.04.2026

Die Vergangenheit ist nicht tot,
sie ist nicht einmal vergangen.
William Faulkner

Der letzte Beitrag summierte die Phantome der Lichttechnik, die Geister von gestern, die das Wissen von heute beherrschen,ohne dass wir es merken oder wollen. Andere Disziplinen sind nicht etwa frei davon. Sie sind eher schlimmer getroffen, weil die Wirkungen bis in die allgemeine Kultur hinein erfolgen.

Der Beitrag beschreibt „Phantome“ als hartnäckige Denkmodelle und Festlegungen mit historischen Hintergründen, die unser heutiges Wissen unbewusst prägen. Beispiele sind die willkürlich definierte technische Stromrichtung (Plus→Minus) trotz realem Elektronenfluss (Minus→Plus), das anschaulich problematische, aber nützliche Konzept „wandernder Löcher“ in Physik und Halbleitern, sowie der lange geglaubte Licht-Äther als notwendiges Medium für die Wellenausbreitung. Darüber hinaus kritisiert der Beitrag irreführende Bilder und Metaphern wie den linearen „Fortschritt“ der Evolution, das Gehirn als Computer, die Vier-Temperamente-Lehre und das mechanistische Weltbild (Welt als Maschine), weil sie komplexe Zusammenhänge vereinfachen und Denken in falsche Bahnen lenken.

100 Jahre V(λ)-Kurve - Das Jahrhundert des messbaren Lichtes
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29.02.2024

In April 2024 ist das Jahrhundert um! Die V(λ)-Kurve wird 100 Jahre alt. Die Geschichte kennt nur wenige Kurven, die Geschichte gemacht haben. Diese hier hat Lichtgeschichte geschrieben. Nicht nur …
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So kennt sie kaum jemand. In der Abbildung ist ihre Entstehungsgeschichte eingearbeitet. Sie sollte die relative Sichtbarkeit darstellen, also eine normierte Funktion, die anzeigt, die das menschliche Auge Lichter von blau bis rot bewertet. Ich habe einige hübschere Ausführungen der Kurve gezeichnet, die weniger wissenschaftlich aussehen, aber dafür attraktiver.

Sie hat Licht definiert und damit messbar gemacht. Damit ist die Grundlage dafür geschaffen, dass mit Lichtprodukten gehandelt wird. Und zwar weltweit. Wenn man heute auf einer Lampenverpackung liest "12W - 806 lm - 840" (Ra) und versteht, dass die gekaufte Lampe aus 12 W aufgenommener Leistung 806 lm Licht produziert und dies mit einem Farbwiedergabeindex von 80 - 89 bei einer Lichtfarbe von 4000K, dann ist es Verdienst dieser Kurve.

Sie bekam im Laufe der Jahre einen weitaus weniger prominenten Partner, der die Effizienz des Auges beim Nachtsehen bezeichnet. Das konnte aber nichts werden, weil die Lichtmacher ja das Helle bevorzugten. Der Partner unterscheidet sich im Namen durch einen Apostroph, wirklich nicht allzu auffällig: V'(λ). Und ist sehr deutlich freundlicher zu blauem Licht. Denn nachts sind die Katzen nicht grau, sondern wir sehen sie so, weil unsere nachtaktiven Sehzellen (Stäbchen) eben im Blauen empfindlicher sind.

Das zweite Jahrhundert des definierten Lichts wird erleben, wie diese Kurve ihren Platz räumen wird einer neuen. Denn Mediziner haben im Jahr 2002 einen neuen Empfänger im Auge entdeckt, der das Blaue sogar mehr liebt als die Stäbchen. Diesem Empfänger wurde zu Beginn  zugetraut, ziemlich eigenmächtig zu handeln. Daher berechnete man eine eigene Kurve, die man C(λ) nannte, C wie circadian. Denn die neue Kurve sollte anzeigen, wie Licht die Körperrhythmen des Menschen beherrscht. (Für Leute, die auf ihrem Computer den Buchstaben λ nicht finden können, heißt sie C-Lambda-Kurve.) Mittlerweile ist man übereingekommen, dass alle Empfänger im Auge ihr Scherflein dazu beitragen, das Melatonin im Blut zu senken oder das tunlichst zu vermeiden. Den Beitrag des neuen Empfängers nennt man deswegen melanopisch. Alle lichttechnischen Größen werden auch auf melanopisch berechnet und bekommen einen Index -mel. Die Kurve(n) der Zukunft habe ich unten skizziert.

Im zweiten Jahrhundert des messbar definierten Lichtes wird dieses zum einen am Tageslicht gemessen. Und zum anderen am Menschen. So werden alle "melanopischen" Größen, vom Lichtstrom bis zum Reflexionsgrad, auf das Spektrum des Tageslichts bezogen. Leider geht es da ohne etwas Normierung nicht. Die Basis ist D65 - D wie daylight und 65 wie 6504K - das ist der mittlere Sonnentag über Wien, allerdings ohne Sonne. Der "genormte" Mensch ist 32 Jahre alt. Ob er männlich ist wie bei der Festlegung der V(λ)-Kurve, weiß man nicht.

So wird künftig 500 lx (melanopisch) exakt 500 lx (visuell) entsprechen, wenn das Licht einer Lampe mit der Farbtemperatur 6504K in das Auge eines 32 Jahre alten Menschen trifft. Wenn sich dieser für ein warmes Licht erwärmt und daher eine (verbotene) Lampe benutzt, die ein gewisser Edison erfunden haben soll, bleiben von den 500 lx etwa 67 lx übrig, aber "tageslichäquivalent". Altert dieser Mensch und wird glücklich 75 und kauft sich eine neutralerweiße Lampe (4000K), kann er sich auf 80 mel-EDI freuen. Wer sich die Rechnung zutraut, kann hier und da mehr finden.

Die Berechnung ist zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig. Das umso mehr nach 100 Jahren, in denen sich das Licht als Helligkeit definiert hatte. Die neue Sicht besagt, dass die Gleichung Licht = Licht nur in der Physik gilt. Wenn man wahrnimmt, dass es ein Spektrum hat - und nicht nur weiß ist, wie seit Newton bekannt -, muss man anerkennen, dass die Wirkung des Lichts nicht so simpel ist. Wenn man auch anerkennt, dass Menschen unterschiedlich sind, muss man sich von den beinah zum Totem gewordenen 500 lx verabschieden. Im zweiten Jahrhundert des messbaren Lichts haben wir noch viel zu verstehen.

Vielleicht verstehen wir im dritten Jahrhundert den messbaren Umgang mit der Farbe. Dieser ist heute den Hohepristern der Farbenlehre vorbehalten. Ob man Licht mit der V(λ)-Kurve misst oder an seiner circadianen Wirkung, das so betrachtete Licht ist grau wie nachts die Katzen. Wie sich Farben auf den Menschen auswirken? Ich denke, das kennt fast jeder. Aber kaum jemand weiß, dass weder die Alten Griechen noch die Römer, deren Umwelt, die Ägäis und das Mittelmeer, vermutlich vom schönsten Blau der Natur beherrscht wird, kein Wort für diese Farbe hatten. Und das Blau des Druckers und das des Farbmetrikers bedeuten nicht dasselbe. Immerhin wissen wir, dass es unsere Hormone beeinflusst und daher tagsüber willkommen ist, aber nachts möglichst vermieden gehört.