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15.03.2012
Neulich hatte ich Michael Holick erwähnt. Der Professor, der der Ketzerei schuldig war, wurde einst von seiner Uni gefeuert. Seine Schuld: Er wollte nachgewiesen haben, dass Menschen ab einem bestimmten Breitengrad im Winter immer ein Vitamin-D-Defizit im Blut haben. Nicht deswegen, weil die Idee nicht neu war. Ein gewisser Luckiesh hatte dies in seinem Buch „Light and Health“ angeprangert, vor geraumer Zeit, sagen wir mal 1926. Er hatte gemeint, es wäre ungesund, wenn Menschen in Innenräumen ohne UV-Strahlung leben müssten, weil sie natürliche Strahlung bräuchten.
So jemanden müsste man eigentlich in die Verbannung schicken. Das hat man Luckiesh wohl nicht gegönnt, weil damals die in der Verbannung lebenden Menschen fröhlich unter der Sonne campierten. Außerdem war er Direktor einer Lampenfabrik. Wie eine richtige Bestrafung aussah, wussten die Folterknechte schon - wurde ja in den alten Märchen erzählt. Man wirft einen in den dunklen Kerker, wo er verrottet. Die Sache wird ja nicht nur in alten Märchen erzählt, deren Wahrheitsgehalt nicht allzu hoch ausfällt, sondern auch in Ausführungen eines ehemaligen Bundespräsidenten über seine Freunde. Auf der Insel Alcatraz kann man die Zelle bewundern, in der einer der härtesten Männer der Welt gebrochen wurde: Al Capone - und zwar durch Dunkelhaft.
Außerdem bestraft man Wissenschaftler nicht mit solchen Mitteln. Letztlich soll sogar Galileo Galilei nach seiner Verurteilung noch ein auskömmliches Leben gehabt haben. Wissenschaftler bestraft man mit spitzen Bemerkungen über ihr Werk. Hier sieht man, wie der Rezensent Luckiesh und seinen Juniorpartner abstrafte: Sie haben sich dem „Thema des Tages“ gewidmet, Ultraviolet. Was soll´s? Andere denken, dass die Ernährung genauso wichtig ist.
Ob man glaubt oder nicht, fast ein Jahrhundert nach dem Erscheinen des Buches, denken die meisten Menschen immer noch so. Vielmehr denken sie überhaupt nicht. Sie sitzen in ihren dunklen Büros, ihre Autos sind mit Glas gepanzert gegen Lärm, aber auch gegen UV. Und wenn sie sich denn in die Sonne bewegen, schmieren sie sich mit Sonnenschutz ein, dessen Prediger stets mit der Frühlingssonne aus ihren Löchern kriechen, um den Menschen Angst vor der Sonne einzuflößen. Mehr als 90% seiner Zeit verbringt ein „moderner“ Mensch hinter Glas oder noch tiefer begraben in dunklen Gebäuden.
Lass sie doch, wenn sie damit glücklich werden! Das ein bisschen erhöhte Krebsrisiko, kardiovaskuläre Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten und noch weitere diverse chronische Erkrankungen - darüber lachen wir lässig hinweg.
Heute war Holick Gast an der TU Berlin und hat einen viel bejubelten Vortrag gehalten. Fachleute, die über den Vortrag nicht so glücklich würden, weil sie „gesundes Licht“ predigen und darunter blaues künstliches Licht verstehen, waren nicht anwesend. Irgendwie hatten sie sich kollektiv abgemeldet. Sei´s drum. Seine Nachricht sprach gegen die Annahme des Herrn, der vor 86 Jahren Luckieshs Aufregung über das fehlende UV-Licht nicht verstehen wollte. Menschen können ihren Bedarf an Vitamin-D nicht über die Nahrung decken - es sei denn, sie hören auf den Namen Inuit. Hand aufs Herz: Wer möchte im ewigen Eis leben und sich von Waltran oder Dorschleber allein ernähren, damit ein Mediziner posthum recht bekommt?
Wer Holick - fast live - erleben möchte, sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen. es lohnt sich.
(http://www.youtube.com/watch?v=Cq1t9WqOD-0
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