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05.06.2012
Heute habe ich nach einer Zeitschrift gesucht, die etwas äußerst Wichtiges in Bezug auf Licht zum Thema hat. Sie heißt (oder hieß?) „Licht und Architektur“. Ich konnte sie nicht finden. Auch kein Zeichnen ihres Ablebens. Sie soll vorgehabt haben, mit der „Weltlichtschau“ 1997 online zu gehen. Ich schätze mal, dass die Hannover Messe, die der Weltlichtschau den Stecker gezogen hat, „Licht und Architektur“ mit in den Hades geschickt hat. Besitzt Licht überhaupt eine Relevanz für uns?
Der Bedeutung des Lichts steht das öffentliche Interesse, z.B. von Seiten des Staats, diametral gegenüber. Man stelle sich vor, jemand wollte einem anderen etwas Lebenswichtiges wegnehmen oder vorenthalten. Wie würde der Staat reagieren? Selbst bei üblichen Wertgegenständen ohne lebenswichtige Relevanz und großen Wert ahndet er eine solche Handlung bereits als Diebstahl. Jeder ertappte Ladendieb erhält eine Strafe in der Höhe von mindestens dem Zehnfachen des Preises aufgebrummt, und das beim ersten Mal und ohne Ansehen der Person. Wenn man einer Person ihre Pillendose stiehlt, in der ständig einzunehmende Medikamente aufbewahrt werden, könnte das Urteil „gefährliche Körperverletzung“ lauten. Sollte die Person infolge dieser Handlung gar das Leben verlieren, ist kaum auszumalen, was der Staatsanwalt daraus macht. Was macht dieser Hüter des Gesetzes aber, wenn jemand mir das Licht an meinem Arbeitsplatz nimmt?
Nicht wenn der böse Mensch mich abschattet wie einst Alexander den Diogenes in seiner Tonne, sondern z.B. als Arbeitgeber, der die Fassade des Gebäudes für ein Werbeplakat vermietet, mit der Folge, dass nur noch gefiltertes Licht in den Raum kommt - wenn überhaupt. Oder in der Gestalt der CI-Abteilung des Unternehmens eine dunkle Glasfront verordnet, damit das Gebäude mit meinem Arbeitsraum eine herausragende Gestalt am Platz einnimmt. Wer glaubt, das seien fiktive Vorstellungen, kann leicht etliche Beispiele der gleichen Art in seiner Umgebung finden. Ich möchte das Gesicht des Polizeibeamten sehen, der unter der Rufnummer 110 einen Hilferuf erhält von einem, der sich von Lichtentzug bedroht fühlt. Ich schätze mal, dass er heimlich 112 anruft, damit der hilfesuchende Anrufer in die Geschlossene befördert wird.
Man kann die wahre Bedeutung des Lichts für die Gesellschaft auch an der Zahl der Institute für Lichttechnik an den Universitäten ablesen, wobei man nicht etwa befürchten muss, alle arabischen Ziffern aufbrauchen zu müssen, die es gibt. Hingegen muss man die Ziffern wahrscheinlich dreistellig ansetzen, wenn es um die Zahl der Lehrstühle für Informatik oder Betriebswirtschaft handelt.
Bei Fällen, die die sonstige Gesellschaft nicht angemessen behandelt, fühlt sich die vierte Gewalt dazu berufen, der Sache nachzugehen. Natürlich auch die fünfte. Ein Vertreter der Fünften hat eine Liste veröffentlicht, aus der wir sehen können, wie wichtig das Licht der Medien ist.(http://www.licht.de/de/info-und-service/linktipps/linktipps-zeitschriften/).
Die unter „Fachmagazine Licht und Beleuchtung“ aufgelistete Schar erreicht gerade mal eine zweistellige Zahl im unteren Bereich, auch bzw. erst wenn man Zeitschriften für Installateure oder „Schöner Wohnen“ u.ä. mit aufzählt:
Licht www.lichtnet.de
Highlight www.highlight-verlag.de
LPi Lighting Press International www.l-p-i.de
Licht Kult www.lichtfactor.de
Licht + Wohnen www.lichtundwohnen-magazin.de
DBZ Deutsche Bauzeitschrift www.db.bauzeitung.de
IndustrieBAU www.industriebau-online.de
Weitere, einschließlich „Mein schöner Garten“ bei licht.de. Wer alle Titel abzählt und die endgültige Zahl mit der Zahl der Titel in der Abteilung Handynavifotokeyboardvideospielewebplayerheftchen vergleicht, wird vermutlich begreifen, wie wichtig Licht ist. Oder muss abwarten, bis er mal zwei Tage ohne Licht verbringen muss.
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25.03.2012
In der Urzeit waren menschliche Behausungen ohne Fenster. Nur ein Eingang bildete die Verbindung zwischen Höhle und Außenwelt. Später als die Höhlen von Menschenhand gestaltet wurden, ließ man gerade so viel offen, wie der Auszug des Rauchs sowie der Ein- und Auszug der Menschen es erforderte. Die Anasazi in Arizona haben sich in die Höhlen eingemauert. Ihre Nachfolger, die Navajos, bauen Hogans, die auch ziemlich „zu“ sind. Kein Wunder, Energie war knapp, und in 2000 m Höhe gibt es bitterkalte Winter. Nicht so die Flachlandtiroler.
Nachdem das Glas erfunden wurde und für die Spiegel und Fenster schön geplättet, bauten sie ihre Wohn- und Arbeitsstätten luftig offen. So wollte z.B. Mies van der Rohe 1922 dieses Glashaus in Berlin bauen. Ein Glück, dass er es niemals bauen durfte. Denn das Konzept funktioniert von der Energieseite her etwa wie die Zylinder eines luftgekühlten Motors. Da das Gebäude offenbar keine Speichermassen besitzen sollte, Leichtbauweise, könnte es nur mit Hilfe von aktiver Klimatisierung funktionieren. Und was das bedeutet, sieht man an den Gebäuden der 1970er Jahre. Das Gewerk „Heizung Klima“ war der große Gewinner des Tages. Ca. 30% beim Ausbau, und nicht weniger als 25 % beim Betrieb des Gebäudes, damit war man dabei. Zwei solche Häuser stehen in Bonn. In denen waren einst die Ministerien BMFT und BMJ untergebracht. Als der Chef des zweiten Ministeriums, H.J. Vogel, besser bekannt als der OB von München während des Aufbaus der Olympiasportstätten, die Energierechnung seines Hauses sah, soll ihm die Hutschnur geplatzt sein. Dabei kannte er von den Olympiabauern bereits, wie man mit Energie aasen konnte. Wir hatten zu der Zeit den Auftrag, das Befinden der Menschen in diesen Bauten zu erforschen. Was das Ergebnis erbracht haben kann, kann man an einem anderen Ereignis sehen: Als den Ministerien der Raum knapp wurde, baute man barackenartige Pavillions, in die man einen Teil der Mitarbeiter überreden wollte, umzuziehen. Nicht nötig. Alle wollten dorthin ziehen. Glashäuser nicht nur teuer, sondern auch nicht akzeptabel …
Was lernte man daraus? Erst einmal nichts. Man baute sie, die Glashäuser weiter, als hätte die Energiekrise von 1973 auf einem anderen Planeten stattgefunden. Und das Glashaus von Mies stand beim Wiederaufbau des Stadtkerns von Berlin wieder zur Debatte.
Die heißgeliebte EU hat mit ihrer Energiepolitik, hier Energieeffizienz für Gebäude, die Wende eingeläutet. Mit der gleichen Vehemenz, mit der man in das Glashausbau eingestiegen war, steigt man wieder aus. Pardon, eigentlich um. Jetzt werden sogar Mauern mit Glas gegen Wärmeverlust isoliert. Die Gebäude bekommen eine „Klimahülle“ - aus Glas naturgemäß. Und was verspricht man sich davon? Viel! Sehen wir uns die Beleuchtung an: „Hochwertige Tagesbelichtung am Arbeitsplatz mit witterungsunabhängiger, individueller Regelbarkeit von Außenbezug, Sonnen- bzw. Blendschutz.“ (Auszug aus einem Konzept der Architekten Lichtblau und Sick zur Sanierung eines Gebäudes aus 1972). Warum die Sanierung erfolgen muss, wird so erklärt: „ Die Fakten 25 Jahre später:
- Der Heizenergiebedarf liegt mit ca. 220 kWh/m²a etwa dreimal so hoch wie die zulässigen Werte nach WSVO 1995.
- Wasserdurchlässige und zugige Rahmensysteme führen zu gesundheitsschädlichem Raumklima und energietreibender Überhöhung der Raumlufttemperatur.“
Also raus aus den Kartoffeln, sanieren und dazu eine „hochwertige Tagesbelichtung“ erzielen. Ganz im Trend der Zeit. Ich hatte mich auch gefreut, als man in Deutschland endlich das Tageslicht als Beleuchtung anerkannt hatte. So nach 8.000 Jahren Bauwesen hatte man in Deutschland, Bundesrepublik D., das Tageslicht in seine Schranken gewiesen und die künstliche Beleuchtung als alleinige gesetzlich anerkannt. Das war - nicht zufällig - 1975! Seit 2004 - raus aus den Kartoffeln - ist das anders. Die Architektur ist also ganz im Trend.
Wer beurteilen möchte, warum die Architekten die Verglasung nun hochwertig nennen, tut gut daran, die Dicke des vorgehängten Glases zu messen und sich anzuschauen, was das Glas aus dem Tageslicht macht.

Während ein einlagiges dünnes Glas wirklich nur den Wind abgehalten hat, beim Licht aber nur etwas dämpfend gewirkt hat, werden heute Fassaden mit Glaspanzern formidabler Dicke versehen. Beim oben abgebildeten Fall sind es zwei Scheiben mit etwa 30 mm Gesamtdicke und 4 Grenzschichten, von denen jede mindestens 4 % Licht schluckt. Beim Glas selbst kommt es auch noch auf die Färbung an.
Beim sanierten Gebäude kommen also höchstens 40% des Lichts an den Fenstern an, die jetzt nur noch doppelscheibig ausgeführt werden, und noch einmal etwa 30 % von dem Rest schlucken. Und das nicht gleichmäßig. Grün kommt bevorzugt durch, während Rot und Blau noch einmal halbiert werden. Wer so viel Grünstich hochwertig nennt, hat wohl denselben ohne Grün.
Das zum Thema hochwertige Tagesbelichtung! Ich weiß nicht, wie das von Lichtblau und Sick sanierte Gebäude aussieht. Hingegen weiß ich von anderen Gebäuden, dass in ihnen eine grünstichige Aquariumatmosphäre herrscht, während das Grün der Büropflanzen wegen des Infrarotmangels angeleuchtet werden muss, damit es überlebt. Ein Glück für die Bürobotanik. Für die gibt es nämlich eine VDI-Richtlinie. Für Menschen etwa nicht? Ganz bestimmt nicht.
Warum nicht gleich dicke Mauern bauen und Gucklöcher hier und da bohren? Da kommt wenigstens ungefiltertes Licht durch.
Wie sähen wohl unsere Fakten in 2037, also 25 Jahre von heute, aus? Verrottete Fassaden voll Wasser in deren Wärmeisolierung sich die Vögel mit Nestern breit gemacht haben? Auch wenn dies sehr umweltfreundlich ausfällt und auch exotischen Vögeln eine Chance lässt - Sittiche und Aras als Asylanten in Nordeuropa? -, in der Haut der Vögel, die nicht rechnen können, möchte ich nicht stecken, wenn die alten Herrschaften mit ihren Krücken auf die einschlagen, denen sie ihre Glasknochen zu verdanken haben. Hinter deren Glasfassaden gibt es keine Strahlung, die beim Aufbau von Vitamin D hilft. Wer sich dahinter warm und gemütlich verborgen fühlt, darf sich die Krücken jetzt schon bestellen. Ihm ist ein Oberschenkelhalsbruch im hohen Alter so gut wie sicher. Es sei denn, er/sie fährt im Winter nach Malle oder so - und sitzt dort nicht auch hinter Glas. Schuld sind nämlich nicht immer die anderen.