Als die Lichter glänzen lernten

11.05.2026

Edison erfand die Birne,
Luckiesh erfand das
Wohlbefinden darunter.
der Blogger

Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des elektrischen Lichts von der Glühlampe bis zur modernen Lichttechnik nach und zeigt, dass es dabei nie nur um Beleuchtung ging. Zwar wird Thomas Edison oft als Erfinder der Glühlampe angesehen, entscheidend war aber vor allem der Aufbau eines stabilen Systems zur Stromerzeugung und -verteilung. Elektrisches Licht trat damit nicht einfach an die Stelle des Gaslichts, sondern entwickelte sich schrittweise zu einer Technik mit weitreichendem gesellschaftlichem Anspruch.

Im Zentrum steht die These, dass Lichttechnik im Laufe des 20. Jahrhunderts den Anspruch erhob, die Sonne nicht nur zu ersetzen, sondern zu übertreffen. Licht wurde messbar gemacht, normiert und technisch definiert, wobei menschliche Wahrnehmung, biologische Wirkungen und kulturelle Bedeutungen oft in den Hintergrund traten. Besonders kritisch betrachtet das Kapitel, dass der Begriff „Licht“ in der Lichttechnik auf den Teil der Strahlung verengt wurde, der dem menschlichen Sehen dient, obwohl Licht für Pflanzen, Tiere und Menschen weit mehr bedeutet. Zudem “sehen” Tiere und Pflanzen Licht fast völlig anders als der Mensch.

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf Matthew Luckiesh und der Idee des „künstlichen Tageslichts“. In den 1920er Jahren verband er Beleuchtung mit Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Fortschritt. Daraus entstand die Vorstellung einer „elektrischen Sonne“, die natürliche Rhythmen überflüssig machen und jederzeit optimale Bedingungen schaffen könne. Diese Vision beeinflusste Beleuchtungsplanung, Arbeitswelt, Medizin und Architektur tiefgreifend.

Das Kapitel zeigt aber auch die problematischen Folgen dieses Denkens: künstliches Licht wurde zunehmend als Mittel zur Steuerung von Gesundheit, Verhalten und Produktivität verstanden, ohne dass die biologischen und zeitlichen Bedingungen des natürlichen Lichts ausreichend berücksichtigt wurden. Daraus ergaben sich Fehlentwicklungen in Normung, Lichtplanung und Bauweise – bis hin zu fensterlosen Gebäuden und gesundheitlich problematischen Innenräumen.

Insgesamt ist dieses  Kapitel eine kritische Kultur- und Technikgeschichte des künstlichen Lichts. Es argumentiert, dass die moderne Lichttechnik mit ihrem Streben nach Messbarkeit, Kontrolle und Ersatz der Natur den Begriff Licht verengt und dabei gesundheitliche, ökologische und menschliche Zusammenhänge zu wenig beachtet hat.
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