Relativitätstheorie der besonderen Art

 
Alles ist relativ, hatte ich in der Schule gelernt. Später lernte ich, dass auch Blendung relativ ist. So, wenn man in eine Umgebung blickt, in der sich zu helle Flächen und zu dunkle zueinander gefunden haben. Ob die zu hellen eher moderat hell sind, bzw. die zu dunklen woanders als blendend angesehen werden, hängt von den jeweils den anderen ab. Das Auge kann einen immensen Bereich an Helligkeiten abdecken, leider nicht gleichzeitig.

LED-in-der-Toskana

 
Dann gibt es aber Helligkeiten, die nicht relativ sind, sondern absolut, egal durch welches Auge gesehen und wann. Ihre Wirkung nennt sich Absolutblendung. So wird niemand freiwillig in die Mittagssonne im Sommer gucken können bzw. wollen. Die ist einfach zu hell. Früher waren Autoscheinwerfer relativ blendend, sie blendeten nur nachts, und draußen mehr als auf der Kö oder auf dem Kudamm. Jetzt blenden sogar Kinderfahrräder am helllichten Tag (s. da)

Als ich vor wenigen Tagen in die Toskana reisen durfte, habe ich den Zug gewählt, der sich durch die liebliche Landschaft schlängeln würde. Mitte August ist es zudem angenehmer, die Landschaft an sich vorbei ziehen zu lassen als ständig in die gleißenden Autoschlangen gucken. Und dann das: Trenitalia hat das Design seiner Züge neu überlegt. Die alten Leuchtstofflampen sind weg. Sie nahmen den Weg, den die Glühlampen genommen haben - in die Vergessenheit. Jetzt dominiert die LED - absolut! Wenn im Hochsommer mittags ein Zugabteil so aussieht wie hier, hat irgendwer seinen Beruf verfehlt. Draußen sind die sprichwörtlichen 100.000 Lux, drinnen Dunkelheit, relativ sozusagen.

Eindrucksvoller kann man nicht beweisen, dass man mit viel Licht Dunkelheit schafft. Möchte jemand diesen Zug betreten, wenn es draußen dunkel ist?

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