30.11.2010
WIE SCHLECHT FUNKTIONIERT DIE LICHT-TECHNIK?
Eigentlich gar nicht so schlecht! Ich drehe den Schalter, und das Licht geht im Keller an. Im Wohnzimmer geht das nicht, da muss man den Schalter umlegen. Denn dort haben wir die Vorkriegsware durch moderne Ausrüstung ersetzt. Ansonsten sind wir glücklich. Dürfen wir aber nicht, lese ich in licht.de.
Dort wird erklärt, warum man immer mehr Licht installieren muss, als man benötigt. Die Lampen und Leuchten verschmutzen und altern dazu noch. Ergo: Man installiere mehr, um später den erwünschten Zustand zu haben. Die Leute, die mein Haus gebaut haben, kannten die Sache wohl noch nicht. Denen hatte man erzählt, dass der Wunsch von Goethe in Erfüllung gegangen wäre: „Sie könnten nichts Besseres erfinden, als wenn die Lampen ohne zu putzen brenneten“. Und nun lese ich: „Um die Beleuchtungsanlage länger ohne zusätzliche Wartungsarbeiten betreiben zu können, muss also ein entsprechend höherer Neuwert (Anfangswert) installiert werden. Dieser wird mit Hilfe des Wartungsfaktors festgelegt.“ Johann Wolfgang muss also noch warten.
Eigentlich ist die Sache ja nicht neu. Man berechnete eine neue Beleuchtung schon immer mit einem Zuschlag, je nach dem, wo sie betrieben werden sollte. Danach gab´s aber Ruhe. Denn niemand konnte präzise ermitteln, wann die Anlage den Ansprüchen nicht mehr genügte. Es war wie mit dem Kupplungspedal. Die Wirkung verschlechtert sich mit der Zeit, reparieren tut man die Kupplung erst, wenn sie nicht mehr tut.
Man hat nunmehr den Wartungsfaktor erfunden, um festzustellen, wann eine Anlage den geplanten Wert nicht mehr liefert: „Die von den europäischen Beleuchtungsnormen, zum Beispiel DIN EN 12464-1, empfohlenen Angaben wie die Höhe der Beleuchtungsstärke sind Wartungswerte. Das heißt, sie dürfen zu keiner Zeit unterschritten werden.“ lese ich in licht.de. Macht Sinn!
Der Haken kommt beim Rechnen: MF = LLMF x LSF x LMF x RMF, so heißt die Formel. LLMF ist der Lampen-Lichtstromrückgang, LSF der Lampen-Lebensdauereinfluss, LMF der Leuchtenverschmutzungseinfluss und RMF der Raumverschmutzungseinfluss, erklärt mir eine Herstellerbroschüre. Sehr schön, aber was kommt unter dem Strich heraus? Auf diese Frage konnte man viele Jahre lang keine Antwort bekommen. Ich erinnere mich noch an einen Vortrag, den ein Mitglied der zu dem Zweck der Festlegung des Wartungsfaktors von der LiTG eingesetzten Arbeitsgruppe gehalten hatte. Nach seiner Berechnung müsste man für ein normales Büro (500 lx) etwas über 3000 lx installieren, wenn man keine Wartung machen wollte. So etwa das Siebenfache des für erforderlich gehaltenen Wertes.
Natürlich wird niemand das installieren, weil … Man wird es meistens gar nicht können, weil der ganze Himmel voller Leuchten hinge. Ein Marketing-Experte eines Herstellers meinte dazu unlängst, man könnte doch zu viel installieren und dann die Anlage gedimmt betreiben. Gute Idee. Leider frisst die dazu erforderliche Elektronik Strom, und die Lampen werden ihre Kennwerte nicht erreichen, weil sie suboptimal betrieben werden. Also noch mehr Ineffizienz.
Wer es beim Alten lassen möchte, also einen Wartungsfaktor von 0,80 = Neuwertfaktor von 1,25 realisieren, muss nach den Angaben des Verbandes der Hersteller (ZVEI) folgendes in die Tat umsetzen: sehr saubere Umgebung, Wartungszyklus 1 Jahr, 2.000 h Brenndauer/Jahr, bei 4.000 h Lampenwechsel, Einzelauswechslung, Leuchten mit geringer Neigung zur Staubansammlung, EVG.
Langsam zum Mitschreiben: Ein Betrieb, der ordnungsgemäß eine Beleuchtung betreiben möchte, und dabei keine Energie zum Fenster hinaus befördern, muss jedes Jahr alle Leuchten putzen, alle zwei Jahre sämtliche Lampen wegwerfen, ständig den Hausmeister die ausgefallenen Lampen ersetzen lassen, und darf nur besondere Leuchten betreiben. Der Raum muss auch sehr sauber sein.
Beim Lesen dieser Daten dachte ich an die Golden Gate Brücke. Dort turnt das Wartungsteam ständig im Gebälk herum, um die rostanfälligen Teile neu zu bepinseln. Das geht seit 1937 so. Entsprechend muss jede Leuchte in einem deutschen Büro einmal im Jahr geputzt werden, oder öfter, wenn man das Weißeln der Wände nicht so häufig durchführt.
Oder? Man wählt einen Faktor von 0,5 und installiert doppelt so viel wie für erforderlich gehalten. Dieser wurde z.B. für Büros mit Raucherlaubnis empfohlen. Das hört sich wieder nach Energieeffizienz an.
War jemandem bewusst, dass Kompaktleuchtstofflampen schlechter sind als die stabförmigen? Die Berufsgenossenschaft gibt (BGI 856, 2010) für die einen Faktor von 0,70 an, für die üblichen 0,75. Man muss dann 48,28 lx mehr installieren. Fast 10 % mehr. Sind die Energiesparlampen nicht Kompaktleuchtstofflampen? Eigentlich ja, aber die sparen offenbar doch nicht so gut. Wie wär´s mit einem Verbotsantrag?
Aus den Daten kann man aber noch mehr lesen: Um nicht zu viel installieren zu müssen, muss man die Kompaktleuchtstofflampen nach 4.000 Stunden wegwerfen, auch wenn man laufend jede ausgefallene Lampe sofort wechselt. Den EU-Politikern, die die Glühlampe verboten haben, wurde aber eine Lebensdauer von 10.000 Stunden angegeben. Die Berechnungen über den Quecksilberfilm über Deutschland wurden auch auf dieser Basis angestellt. Und nun? Soll man bei der „Gruppenauswechslung“, so ist die offizielle Bezeichnung nach 4.000 h auch die gerade ersetzten Lampen mit wegwerfen, damit die sich als zugehörig zur Gruppe empfinden?
Ich kenne, keinen einzigen Betrieb in Deutschland, der einen Wartungsplan dieser Art aufgestellt hätte. Vermutlich würde ein Anbieter für eine Planung mit diesen Randbedingungen das Büro des Kunden nicht durch die Tür verlassen, so er denn überhaupt Einlass bekommen hat. Man wird ihm einfach nicht abnehmen, dass die Lichttechnik so schlecht funktioniert. Tut sie auch nicht!
Nicht nur Lügen haben kurze Beine, sondern auch sachlich scheinende Angaben, hie 4.000 h dort 10.000 h, wenn man die zusammen betrachtet. Dass Dumme ist, dass es Sinn machte, den Wartungswert einzuführen, und auch noch Sinn macht, unterschiedliche Wege zur Erhaltung der Beleuchtung aufzuzeigen. Der eine putzt jeden Tag die Lampe (Goethe), der andere weißelt die Wände, und der dritte installiert mehr.
Übrigens, das Konzept gilt auch für die Tageslichtbeleuchtung. Man muss zwar nicht ständig die Sonne putzen, sie altert auch nicht so schnell. Wartungsfrei ist so eine Tageslichtbeleuchtung aber nicht.
30.11.2010
DEUTSCHE BEAMTE MIT HUMOR
Einem nicht endenden Vorurteil zufolge, haben deutsche Beamte keinen Humor bzw. sie haben keinen zu haben. Auch wenn ich das exakte Gegenteil davon mal erlebt habe - ein Beamter hatte unseren Antrag, unsere von Wildschweinen gefressenen Tulpen im Garten vom Berliner Senat ersetzt zu bekommen, derart toll durch den Kakao gezogen, dass nicht nur alle Geschädigten baff waren, sondern auch eine seriöse Zeitung den Brief in vollem Wortlaut veröffentlicht hat -, will ich dem Vorurteil trotzdem in Sachen Heatballs eisern folgen. Kein Auge blieb trocken. Wir haben aber nicht geweint.
Nun ist uns aber ein Beamter böse in die Parade gefahren. Auf einen eher sarkastischen Brief eines deutschen Professors, dem die Kinderlein im Bad ohne Heatballs zu erfrieren drohten, hat dieser unbotmäßige Staatsdiener unbotmäßig schnell, Stunden danach, geantwortet:
„Betreff: AW: Wo bleiben meine bestellten "Hitzebälle"?
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Email zum Thema „Heatballs“.
Das zuständige Fachdezernat der Bezirksregierung Köln versucht derzeit noch, Licht in das Dunkel der wahren Natur der „Heatballs“ zu bringen. Sobald ein Prüfungsergebnis vorliegt und die weiteren juristischen Fragen geklärt wurden, werden Sie sicher aus der Presse oder von Seiten des Vertreibers der „Heatballs“ erfahren, wie es im Thema „Heatballs“ weitergeht.
Zur Klarstellung möchten wir noch darauf hinweisen, dass es bei der Prüfung der „Heatballs“ selbstverständlich nicht um Sprengstoff geht, wie in einigen Zuschriften und Presseartikeln behauptet wird.
Mit freundlichen Grüßen
Die Pressestelle der Bezirksregierung Köln“
Leider, leider hat der Mann jetzt die Oberhand. Und nun müssen wir uns etwas Neues ausdenken. Oder professionelle Hilfe beim Scheibenwischer holen. Man sollte mal eine Niederlage einstecken können. Oder?
19.11.2010
HEATBALLS AUFGEFLOGEN
Soeben kam die Nachricht, dass 40.000 Heatballs aus China vom deutschen Zoll festgehalten werden. Ich glaube, dass die Aktion bereits angekündigt war, die Heatballs sind normale Glühlampen, die in der EU nicht mehr vertrieben werden dürfen, weil sie zu viel Wärme und zu wenig Licht aus dem schönen Strom machen. Ergo? Man verkauft sie als Ofen! Elektroöfen sind nämlich nicht verboten, obwohl sie noch weniger Licht gegenüber der Wärme produzieren. Ein Leuchtofen also …
Die Sache haben angeblich zwei findige Ingenieure eingefädelt, um gegen das Glühlampenverbot vorzugehen. Sie verstehen was von ihrem Beruf. Mittlerweile sind sie selbst im Ausland berühmt geworden. So schlimm hat sich die Sache die EU-Kommission wohl nicht vorgestellt - wie sie durch den Kakao gezogen wird. Dabei ist das Vorgehen der Missetäter nicht einmal sonderlich neu, man denke nur an den Drehspieß! Dieser ist ein Döner, der keiner ist, weil es in Berlin eine Dönerverordnung gibt. Noch viel älter ist der Umgang eines Hühnerzüchters mit der Grenzabgabe für Geflügel zu Zeiten, als die sich EU EWG nannte. Er ließ seine Hühner von einem Auerhahn befruchten, dessen Kinder nach dem damaligen Recht die Staatsbürgerschaft des Vaters annahmen - Wild. Dafür gab es keine Grenzabgabe. Im vorliegenden Fall haben die Erfinder der Heatballs nicht einmal einen Trick angewandt. Sie haben nur die Definition der EU für eine Lichtquelle benutzt. Die Sache wird derzeit als Satire gehandelt. Ist sie auch - fragt sich, was … Das Vorgehen der Erfinder oder das der EU?
Als ich den Artikel las, fiel mir ein Vorfall ein, der zeigt, wie Experten eines Fachs sich lächerlich machen können, wenn sie mal nicht nachdenken. Es geschah in einem Unternehmen, das eine neue Fabrik für extrem hochwertige Gläser aufgebaut hatte. Das sind Gläser, die man für Weltraumteleskope u.ä. braucht.
Der Chef zeigte unserer Gruppe stolz seine neuen „Häfen“, in denen das Glas geschmolzen wurde. Das Ende des Prozesses besteht darin, dass man den Hafen deckelt und gaaaaanz langsam abkühlen lässt, damit das Glas spannungsfrei bleibt. Unter dem Deckel waren unglaubliche Objekte montiert worden, die als Heizung dienen sollten: Kohlefadenlampen, die wir nur aus dem Museum kannten. Hier waren sie echt. Unser Gastgeber erklärte, man würde sie benutzen, weil sie sanfte Wärme abgäben. Diese seien „Wärmebirnen“, während die normalen Glühlampen „Lichtbirnen“ seien. Leider hätte man Probleme mit der Lebensdauer, weil die Wärmebirnen sehr schnell ihren Geist aufgäben. Den Hafen beim Abkühlen so einfach aufmachen, um eine neue Birne einzuschrauben, ginge nicht, weil das Glas einen gehörigen Schreck bekäme. So hätte man Probleme, die noch zu lösen wären. Man würde gut ein Drittel der Produktion des letzten Herstellers von Kohlefadenlampen aufkaufen.
Unser Professor grinste verlegen und sagte, „nehmen Sie zwei Lichtbirnen und schalten Sie sie hintereinander, dann haben Sie zwei Wärmebirnen, die nie wieder durchbrennen werden, solange die Fabrik steht“. Er erklärte außerdem, dass es egal sei, welche Lampe man da einbaut. Wenn der Deckel zu ist, wird alles in Wärme umgewandelt.
Uff! Der Gastgeber war platt. Wieso ist ein Unternehmen, das von der Optik und Physik so viel versteht wie kaum ein anderes, nicht selber auf die Idee gekommen? Ganz einfach: Man denkt zuweilen nicht, auch wenn man ansonsten unheimlich präzise denkt. So erging es mir mit dem elektrischen Strom. Zu meiner Kindheit kam er aus der Steckdose und wurde als die sauberste Form der Energie gehandelt. Tatsächlich kann man einen Holzofen nie völlig ohne Flugasche säubern, während ein Elektroofen nichts dergleichen produziert. Er produziert auch keinen Rauch. Dass der Dreck anderswo entstand, war mir nicht bewusst. Das lernte ich, als ich als Student in einem Kraftwerk arbeitete. Da wurden jeden Tag Berge von Kohlenstaub in Wärme, Rauch und CO2 umgewandelt. Wie viel Energie bei der Erzeugung von Strom verplempert wird, hätte ich spätestens im sechsten Semester präzise ausrechnen können. So kann die beste Umwandlung in der Thermodynamik nur einen Wirkungsgrad von 66% erreichen (schöne Grüße von Herrn Carnot). Also vergeudet das Kraftwerk erst mal ein Drittel der Energie, die in dem Brennstoff steckt. Der Brennstoff muss aber erst einmal zum Kraftwerk kommen, und der Strom muss nachher an die Steckdose transportiert werden. Wie viel Strom die Leitung vernichtet, hatte ich auch gelernt, exakt zu berechnen. Und? Mir fehlte nichts zu der Schlussfolgerung, dass die konventionelle Art der Stromerzeugung den unwirtschaftlichsten Umgang mit der Primärenergie bedeutet. Das musste ich Jahre später von den Grünen lernen. Primärenergie? Ziemlich neumodisch, früher kannte man so etwas nicht. Auch das lernte ich von den Grünen.
Vielleicht kann ich mich bei denen revanchieren. In ihrer ideologischen Verblendung haben sie am Glühlampenverbot gebastelt und nicht gesehen, womit man massiv Strom sparen kann. Mal in der Geschichte von Beleuchtungsnormen kramen - oder den Vortrag von Peter Boyce lesen, der die Begründung der Beleuchtungsstärkewerte in den Normen als Märchen entlarvt hat. (mehr BoyceFairyTales.pdf) In Deutschland wendet man viel Energie an, um Teppiche in Büros zu beleuchten. Die Idee davon entstand so um 1930, als die Großväter der heute wirkenden Personen über Beleuchtung nachdachten. Im Jahre 2010 feiern ihre Ergüsse feierliche Urständ. Zum Totlachen ist das nicht - oder vielleicht doch?
Zum Thema Heatballs alias Heizkugeln gibt es eine tolle Kolumne von Harald Martenstein (s. unten). Es werden Sponsoren für den Kakao gesucht, durch den man die Initiatoren des Glühlampenverbots ziehen will. Mit 5€ ist man dabei - oder man importiert dafür die entsprechende Menge an heatballs. Und wenn dies verboten wird, cookballs. Und wenn dies auch noch verboten wird, schau´n wir mal …
09.11.2010
WIE VIEL QUECKSILBER VERURSACHT…
… eine BG, sprich Berufsgenossenschaft?
Zugegebenermaßen eine seltsame Frage. Eine BG dient dem Arbeitsschutz, und das seit mehr als 120 Jahren. Wieso soll sie dabei eine verbotene Substanz erzeugen?
Auf die Idee hat mich eine Presseerklärung aus dem Umweltministerium gebracht (in diesem Blog schon kommentiert, Quecksilber hin, Quecksilber her), die besagt, man müsse Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzen, um die Kontamination des Bodens der Bundesrepublik Deutschland zu reduzieren. Denn bei geringerem Energieverbrauch benötige man weniger Kohlekraftwerke, die nicht nur Strom in die Leitung leiten, sondern auch noch Quecksilber in die Luft.
Gestern fand eine Sitzung statt, bei der die BGen wie ein Mann ihr Recht auf ihre Version des Arbeitsschutzes mit Hilfe von Licht gegen die bösen Mächte verteidigten, die eine europäische Norm durchdrücken wollten. Recht so!
Und die Sache mit dem Quecksilber? Gemäß der Vorstellungen der BG benötigt man zum Arbeitsschutz eine bessere Lichtqualität, und für eine bessere Lichtqualität mehr Strom. Ziemlich einfach und klar verständlich. Man muss die Anschlussleistung lediglich um 50% pro Kopf erhöhen und schon ist der Mensch gut geschützt. Damit der Arbeitgeber sich keine Sorgen um seine Finanzen machen muss, wird ihm der Gewinn gleich in Arbeitskosten vorgerechnet: „Eine Beleuchtungsanlage, die 4,65 W/m2 mehr Energie verbraucht (entspricht 46,5%) als die zu vergleichende Beleuchtungsanlage, verursacht pro Jahr Mehrkosten, die den Personalkosten von ca. 18 Minuten gleichkommen.“ (Originaltext aus der Veröffentlichung einer Abhandlung über bessere Lichtqualität, aus Copyright-Gründen leider nur auf Anfrage erhältlich). Zu einem perfekten Marketing-Statement fehlt nur noch der Hinweis, dass der Mitarbeiter derart motiviert wird durch die teuere Beleuchtung, dass sich seine Leistung um 10% steigert oder gar mehr. Ehrlich!
Die Herrschaften, die so penibel in Heller und Pfennig rechnen, bleiben bei anderen Zahlen weit hinter den eigenen Rechenkünsten zurück: In deutschen Büros (die obige Betrachtung gilt für Büros) wurde im Jahr 2000 bis zu 40% des Gesamtverbrauchs an elektrischer Energie für Beleuchtung aufgewendet. Pro Kopf 46,5% mehr (oder 86,38 kWh pro Jahr) macht bei 17 Millionen Büromenschen? 1.468.460.000.000 Wh! Das wären 1.468 GWh an der Steckdose und das Dreifache beim Kraftwerk! Wie viel Quecksilber und CO2 wird dafür in die Luft gepustet?
Wollten wir eigentlich Energie sparen oder eher verpulvern? Z.B. hat man gerade im Jahr 2003, also vor Verfassen des o.g. Artikels, eine Beleuchtungsnorm (DIN EN 12464-1) erlassen, die das Beleuchtungsniveau in Räumen mit Fensterarbeitsplätzen von 300 lx (Nennwert oder 240 lx Minimalwert) auf 500 Lux Minimum anhob. Da diese Arbeitsplätze nach meiner Schätzung etwa 60 % ausmachen, wird die Verdoppelung enorme Wirkungen haben. Und jetzt noch bessere Lichtqualität.
Die o.g. Norm erhöhte die Vorgaben für fast alle Arbeitsplätze um 30% bis 200% an, und das nur, weil man die Bezeichnung für das Gemeinte (früher Nennwert, heute Wartungswert) geändert hat, aber nicht die Werte an sich. (mehr hier) Man bekommt 500 lx, früher bedeutete das 400 lx im Minimum, heute 500 lx eben. Wenn man dann besseres Licht haben möchte, muss man mehr Energie aufwenden (s. DIN EN 15193, Quelle kann leider nicht gelinkt werden). In der Norm kann man z.B. lesen, dass man für einen Quadratmeter Büro 42,1 kWh im Jahr benötigt, wenn man aber eine gute Beleuchtung haben möchten, sind es 67,1 kWh, also 59 % mehr. Was bekommt man für diese gewaltige Steigerung des Konsums an Energie? Einiges, aber doch nicht alles. Was man bekommt, liest sich so: „Besondere Beachtung der gegenseitigen Blickkommunikation durch beleuchtete Gesichter (Ezylindrisch)“ und „Besondere Beachtung von gesundheitlichen Belangen (siehe Anmerkung)“.
Den ersten Vorteil versteht wohl jeder sofort. Ezylindrisch? Man schickt das Licht nicht mehr von der Decke auf den Tisch, sondern richtet es auf die Gesichter. Dafür muss man Energie aufwenden. Macht jeder Bühnenbeleuchter. Was aber die besondere Beachtung von gesundheitlichen Belangen wohl bedeuten mag? Es soll in der Anmerkung stehen. Tatsächlich: „ANMERKUNG: Gesundheitliche Belange können sogar sehr viel höhere Beleuchtungsstärken und somit höhere W/m² erfordern.“ Klar?
Sehr viel höhere Beleuchtungsstärken? Also 59% mehr ist nicht genug, sehr viel mehr muss sein, damit der Mensch im Büro gesund bleibt. Es gibt immer irgendwelche Gründe, höhere Beleuchtungsstärken zu fordern. Hersteller tun dies aus verständlichen Gründen. Warum fordert aber eine BG mehr Licht auf die Gesichter? Damit ihr Versicherter gesund bleibt?
Wenn er wenigstens gesund bliebe! Ein gewisser Luckiesh, sehr bekannt unter Lichttechnikern, hat im Jahre 1926 ein Buch namens „Light and Health“ veröffentlicht, in dem zu lesen ist, dass ein Mensch zum gesunden Leben die volle Sonnenstrahlung benötigt. Die gibt es aber in künstlich beleuchteten Räumen nicht, sondern nur einen mehr oder weniger künstlich hergestellten Auszug davon. Auch Räume mit Tageslicht haben weder UV noch IR. Zum Energiesparen werden die noch vorhandenen Fragmente weggefiltert. Dafür pumpt man mehr Strom in die künstliche Beleuchtung.
Für wen ist das gesund?
Noch eine Anmerkung: Dass man Gesundheit im Büro mit einem Quecksilberfilm über Deutschland erkaufe, ist kein netter Vorwurf. Wer aber Gesundheit in Lux misst, muss sich sogar etwas mehr gefallen lassen. Hochverdient!
09.11.2010
WER BRAUCHT WIE VIEL LICHT?
Legenden gibt es, gegen die jegliche Information nicht ankommt. Eine davon, hier dargestellt, um das Weitere glaubhaft zu machen, ist die Mär, die Tastaturen von Computern hätten die seltsame Verteilung der Buchstaben, um der Häufigkeit der Buchstaben in der Sprache zu entsprechen. Das Gegenteil ist der Fall, die meistbenutzten Buchstaben sind dort angebracht, wo der Finger schlechter hinkommt.
Eine andere Legende besagt, man würde den Bedarf an Licht für die Arbeit so bestimmen, dass Menschen eine hohe Sehleistung erreichen, und dass sich diese hohe Sehleistung in einer hohen Arbeitsleistung niederschlägt. Hört sich äußerst plausibel an. Seh´ ich nix, leiste ich nix. Im Kontrast zu völliger Dunkelheit stimmt das auch. Aber nur da! Sonst würde man nicht immer 500 lesen, wenn es um Lux geht.
Es ist bis heute niemandem gelungen, aus der Sehleistung eine Arbeitsleistung abzuleiten. Wird vermutlich nie gelingen, haben doch die besten Maler der Weltgeschichte die teuersten Gemälde im Lichte von Funzeln oder Kerzen geschaffen. Man könnte argumentieren, das sei ja keine Industriearbeit. Stimmt! Wie sieht es damit aus?
Dort, wo es heute boomt in der Industrieproduktion, z.B. in China, Indien oder Korea, sitzen viele Arbeiter unter ein paar Lux, während in Amerika, einem Land, das die anderen um Exportbegrenzung (Richtung USA) und Importausweitung (Richtung aus den USA) bittet, die höchsten Werte für Beleuchtungsstärken offiziell empfohlen wurden und werden. Und dieses Land hatte bereits in den 1920ern ein hohes Bewusstsein in Sachen Licht und Leistung (Hawthorne-Experimente).
Wie wurden dort in den USA die empfohlenen Beleuchtungsstärken festgelegt? Einer, der es genau kennen muss, weil er viele Jahre dort Professor für Lichttechnik gewesen ist, hat die folgenden Zahlen angegeben:
Jahr Sehaufgabe Bel. stärke (lx) Wirtschaftslage
1947 Normal 300 Wachstum mäßig
Schwierig 500
1954 Normal 300 Wachstum stark
Schwierig 500
1959 Normal 1000 Wachstum stark
Schwierig 2000
1966 Normal 1000 Wachstum stark
Schwierig 1500
1972 Normal 1000 Wachstum wenig
Schwierig 1500
1981 Normal 200-300-500 Nach Energiekrise
Schwierig 500-750-1000
1987 Normal 200-300-500 Nach Energiekrise
Schwierig 500-750-1000
1993 Normal 200-300-500 Umweltbewusstsein
Schwierig 500-750-1000
Von wegen Sehleistung! Man hat seine Vorstellungen an die Wirtschaftslage angepasst. Wenigstens was! In Europa hat man hingegen die Vorgaben für Beleuchtungsstärken massiv erhöht (vergleiche DIN 5035 Teil 2 und DIN EN 12464 Teil 1). Hätte man wirklich die Sehleistung im Sinne gehabt, müsste man die Beleuchtungsstärken herabsetzen, weil erstens das Lesegut unvergleichlich besser geworden ist und zweitens das Arbeiten mit dem Bildschirm unter mehr Licht eher leidet.
Seit 2002 besitzt Europa eine Beleuchtungsnorm, die an vielen Arbeitsplätzen die Sehleistung mindert! An manchen sogar die Arbeit gefährdet (Warten mit analogen Anzeigen). Damit es den anderen Kontinenten nicht besser ergeht, hat man daraus gleich eine internationale Version gezimmert. Will ein Entwicklungsland mit Europa mitziehen, muss man dort die Kraftwerkskapazitäten vervielfachen, denn in solchen Ländern gehen 80% des Stroms für die Lichterzeugung drauf.