Warum die Industrie HCL wieder vergessen will

 

23.01.2026

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Licht ist die Medizin,
die man nicht schlucken muss.
Anonymus

Im Jahr 2013 erschien ein neuer Star am Beleuchtungshimmel: HCL. Das ist nicht die chemische Formel für die Salzsäure, sondern Human Centric Lighting. Man wollte damit die sperrige Bezeichnung „biologisch wirksame Beleuchtung“ loswerden. Die war leider zweideutig: Biologisch wirksam ist die Beleuchtung mit UVC-Leuchten. Meist tödlich obendrein. Da kann man verstehen, warum das Marketing auf die Idee kam. Denn ein Konzept, das auf den Namen Human Centric hört, ist z.B. bei der Autoindustrie sehr erfolgreich.

Der Auftragnehmer, die Beratungsfirma  A.T. Kearney, seit 2020 nur noch Kearney, erfand eine Marketingstrategie für diesbezügliche Produkte. Diese wurde HCL getauft, denn als biologisch wirksam ist Licht seit über einem Jahrhundert bekannt. Kearney ist vermutlich nicht aufgefallen, dass ihre Argumente verdammt prima zu einem der größten Desaster der Wissenschaftsgeschichte passten, den Hawthorne-Experimenten der 1920er Jahre. Diese waren zu guter Letzt auch noch von der lichttechnischen Industrie in Auftrag gegeben worden. So hatte die Katastrophe die Lichttechnik besonders hart getroffen. Bis heute … 

Wegen der besonderen Bedeutung habe ich das Thema in einem Kapitel in Genesis 2.0 – Die Schöpfung der elektrischen Sonne behandelt (hier). In einem Beitrag in licht-fomt-leben.de werden die Gründe des Scheiterns erklärt. Ein wichtiger Grund wird allerdings wegen seiner besonderen Bedeutung in einem getrennten Beitrag erklärt: der Widerstand der Arbeitgeber. 

Aus der Traum, Leuchtmittel in Heilmittel umzudeuten

 

Wunden, die Licht heilt

 

21.01.2026

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Licht ist die Medizin,
die man nicht schlucken muss.
Anonymus

Nachdem ich gestern den Beitrag zu Melatonin und seinen Wirkungen geschrieben hatte, wollte ich mich noch daran erinnern, womit Licht noch in unser Leben greift. Bei Licht haben wir gelernt, immer an Beleuchtung zu denken, was wir den selbstlosen Bemühungen der Industrie verdanken. Aber es muss nicht immer Beleuchtung sein. 

Licht wirkt in so viele Lebensvorgänge hinein, dass manches sprichwörtlich geworden ist, so auch die Heilwirkungen. „Dove non va il sole, va il medico“ (Wo die Sonne nicht hingeht, geht der Arzt hin) hieß alten schon im Antiken Rom. Auch das große Epochenwerk des deutschen Naturalismus, „Vor Sonnenaufgang“ von Gerhart Hauptmann (1889), thematisiert den starken Einfluss des Lichts auf den Menschen.

Besonders raffiniert ist die Methode, die Dienste eines Leuchtmittels für die Krebsbekämpfung in Anspruch zu nehmen. Die Methode nennt sich PDT (Photodynamic Therapy). Ihre Wurzeln gehen zurück auf den Anfang des 20. Jahrhunderts.

Mit Licht lassen sich auch Wunden schneller und erfolgreicher heilen. Die Methode hört auf den Namen Photobiomodulation. Eine raffinierte Methode der Durchblutungsförderung , die eben zu einer schnelleren Wundheilung führt.

Erst richtig wunderhaft sind die nicht-physikalischen Wirkungen. Diese Heilung geht über die Nachricht, die das Licht des Tages in die Krankenzimmer führt. Die wichtigste und bahnbrechende Studie dazu stammt von dem schwedischen Architekturprofessor Roger Ulrich aus dem Jahr 1984. Sie ist bis heute in 10140 wissenschaftlichen Artikeln zitiert worden. Die Studie von Ulrich und weitere Studien führten zu der Entwicklung von "Heilende Architektur". Bei genauem Hinsehen fiel mir ein, dass wir in Berlin mindestens zwei Krankenhäuser haben, die man zur "Heilenden Architektur" zählen darf. Beide wurden in den 1890er Jahren gebaut. Nett, dass die Wissenschaft uns zeigt, dass unsere Urgroßväter richtig bauen konnten. Was wir von unseren Vätern nicht sagen können. Zu deren Zeiten sprach die Wissenschaft von unterirdischen Bauten, die massiv an Energie und Lärm sparen würden. Zum Glück haben nicht viele auf die Wissenschaft gehört.

Insgesamt zeichnet sich die Heilende Architektur durch folgende Merkmale aus:

Licht                     Synchronisation der inneren Uhr durch Tageslicht.
Luft                       Natürliche Belüftung und gute Raumluftqualität.
Farbe                    Warme, erdige Töne statt klinischem Weiß/Blau.
Soziales               Räume, die Begegnung mit der Familie fördern (Social Support).

Wunden, die Licht heilt

Melatonin – Wunderdroge oder Architekt des Lebens?

 

20.01.2026

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Die Welt ist voll von kleinen Wundern;
man muss nur die Augen öffnen, um sie zu sehen.
Anonymus

In diesem Blog ist seit Anbeginn viel die Rede vom Melatonin. In einem der ersten Beiträge hatte ich die Umwandlung von nervigen und doofen Schulkindern aus Hamburg in ruhige Intelligenzbestien berichtet (BLAULICHT IN HH - AD ACTA? oder KINDER ALS VERSUCHSOBJEKT NOCH EINMAL

Damals hieß es noch “Blau macht schlau.“ Die Bekanntschaft der Lichttechnik mit dem Thema Melatonin war noch relativ neu. Aber auch die Medizin kannte im Jahr 2010 das Melatonin erst seit einem halben Jahrhundert. Mittlerweile ist die Freundschaft gewachsen. Wir haben seit 2018 eine globale Norm, die alle lichttechnischen Größen in melanopische Größen umrechnen hilft. Seitdem darf man nicht mehr sagen, die Beleuchtungsstärke auf der Treppe betrage 111 lx, sondern 111 lx (visuell). Da die visuelle Wirkung nicht mehr das Maß aller Dinge ist, muss man dazu addieren, sie betrüge 51,67 M-EDI für den Großvater, so sie von einer alten Leuchtstofflampe abgestrahlt wird. Die 111 lx auf der Treppe könnten aber auch 137,35 lx M-EDI für den Enkel stehen, der zwar auf der gleichen Treppe steht, aber von einer Tageslichtlampe bestrahlt wird. Alles bezogen auf das Tageslichtäquivalent mit 6504 K. Werden die beiden nur von Kerzenlicht beleuchtet. ist es auf der Treppe zappenduster, egal welche Kandelaber sie benutzen, melanopisch gesehen. 

Wenn einer der beiden Herren wegen einer schlechten Beleuchtung die Treppe runter rauscht: Welche Beleuchtungsstärke mag dafür maßgeblich gewesen sein, die visuelle oder die melanopische? Ich traue mich nicht zu sagen, dass die melanopische der Wahrheit näher kommt, denn bei deren Berechnung wird eingerechnet, dass Opa älter ist und somit sind seine Augen auch.

Zeit, sich das Melatonin etwas näher anzugucken, das uns das neue Glück mit dem Licht beschert hat. Ich habe ein umfangreiches Portrait vom Melatonin geschrieben und dessen Bedeutung versucht darzustellen. Beim Schreiben wurde mir bewusst, dass es älter ist als das Leben auf der Erde und sich listig in alle Lebewesen einschleusen konnte, die sich nach ihm entwickelten. Das Melatonin lässt das marine Leben in der Tiefsee im Takt der Sonne auf- und abwandern, die nie die Sonne gesehen haben können. Wenn sich Menschen wie Vögel benehmen, also Tauben, Lerchen oder Eulen, steckt auch Melatonin dahinter.

Portrait: Melatonin – Archaisch und lebenswichtig

Eine weltweit anerkannte Erkenntnis zum nachhaltigen Bauen aus Berlin

Wissenschaft ist nur der Austausch
unserer Unwissenheit
gegen Unwissenheit
neuer Art.
Lord Byron

18.01.2026

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Gestern hatte ich die Absicht, den Bezug von Gebäudebewertungen zum nachhaltigen Bauen allgemein zu beschreiben. Eine davon, DGNB, hatte ich bereits ausführlich kommentiert (Visueller KomfortRealisieren mit Normen der Lichttechnik oder ganzheitlich?) Die weiteren hören auf glänzende Namen wie LEED, BREEAM, WELL oder Living Future Institute. (Bild DGNB)

Als ich mir die Details angesehen hatte, kamen mir die Erinnerungen an ein Projekt zurück, das ich als Student begleitet hatte, weil der Versuch in meinem Zimmer ablief. Das Projekt sollte ergründen, wie eine Zusammenführung von Tageslicht und künstlichem Licht im Arbeitsraum funktionieren würde. Es hieß "Tageslichtergänzungsbeleuchtung" (TEB) und entspricht etwa dem, was heute die Arbeitsstättenverordnung vorschreibt. Der Betreuer, Prof. Jürgen Krochmann, meinte, dass diese Fragestellung eine psychologische Komponente hätte. Daher sollte eine Beteiligung der Psychologie gesucht werden. Sie kam in der Gestalt einer Studentin, Ellen Collingro, der Ehefrau eines Kollegen aus dem Nachbarinstitut. Der Projektbearbeiter, Georg Roessler, war von dem Ergebnis begeistert. Und der Professor erklärte uns allen, dass wir in unseren Projekten eine Kooperation mit Psychologen suchen sollten, nicht eine Beratung.

Das Ergebnis der Diplomarbeit von Frau Collingro besagte, dass der Mensch eine Kommunikation mit der Umwelt bräuchte, um sich im Raum und in der Zeit zurechtzufinden. Weitere Arbeiten zeigten, wie diese Kommunikation beschaffen sein müsste. So reichte der Blick aus dem Fenster auf eine dunkle Fassade ohne Fenster nicht als Kommunikation. Hingegen war der Ausblick auf einen verkehrsreichen Platz eher unwirksam, weil die Wirkung der von der dunklen Fassade erinnerte. Zwar war die Szenerie absolut lebendig, aber der arbeitende Mensch fühlt sich nicht als stiller Beobachter der Außenwelt. Er will auch nicht "aus dem Fenster gucken", um die Langeweile seines Alltags loszuwerden. 
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Als Kollege Roessler seine Erkenntnisse auf einer Sondertagung Auge-Licht-Arbeit der LiTG in Karlsruhe 1971 vorstellte, war das Schicksal des Projekts längst besiegelt. Die Fachwelt wollte das natürliche Auge im künstlichen Licht und die Arbeit in fensterlosen Räumen sehen. Das Projekt wurde eingestellt und wäre ohne Folgen geblieben, ohne das Engagement der beiden Herrn. 

Doch mit Hilfe eines Beamten aus dem Arbeitsministerium, vermutlich war dieser der selige Rainer Opfermann, gelang das Kunststück. Die Erkenntnis, dass der Mensch im Innenraum Kommunikation mit der Außenwelt brauche, führte zu einer gesetzlichen Vorschrift (§ 7.1 Sichtverbindung nach außen). Über die Bedeutung des Tageslichts bei der Arbeit haben die beiden nichts gesagt. Für Krochmann als Tageslichttechniker bedurfte es keiner Diskussion. Er war der Autor der Normenreihe DIN 5034 "Tageslicht in Innenräumen“.  Und für alle Angehörigen des damaligen Instituts für Lichttechnik galt die Anweisung des damaligen Direktors H.-J. Helwig, dass niemand länger als 4 Stunden in abgedunkelten Räumen verbringen durfte. Er hatte es aber nicht bei der Anweisung belassen, sondern das Institutsgebäude dementsprechend bauen lassen. Alle Arbeitsräume waren mit Datenleitungen versehen, damit man die Laborexperimente im hellen Raum vorbereiten konnte, um sie später im dunklen Labor auszuführen. Die Schaltungen wurden auf Tischen aufgebaut, die man einfach ins Labor fahren konnte. 
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 Gestern zeigte mir die Recherche, dass die Message weltweit in der Architektur angekommen ist. Alle Bewertungssysteme für nachhaltiges Bauen führen unter Beleuchtung als Erstes Tageslicht an und belohnen die Sichtverbindung als besonderes Merkmal für ein Gebäude. Das Living Future Institute will gar, dass jedes Watt künstlichen Lichts durch eigene Photovoltaik-Anlagen am Gebäude wieder "reingespielt" wird.

Eine unglaubliche Leistung, aus einem relativ simplen Projekt eine weltweite Erkenntnis zu generieren, die Utopiker (Living Future Institute) Health + Happiness Petal (Gesundheit & Glück) verankert sehen. 

Zum Beitrag "Wer sorgt für ein gesundes Licht im Büro?"

Wer sorgt für ein gesundes Licht im Büro?

 

 

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„Was MDER für meine Beleuchtung bedeutet - Oder vom Wissen biologischer Wirkungen des Lichts

Wasser tut’s freilich
höher jedoch steht die Luft,
am höchsten das Licht!
Arnold Rikli

15.01.2026

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Heute überraschte mich eine Meldung, die sich so las: “What MDER Means for Your Lighting“. Sinngemäß übersetzt: „Was MDER für deine Beleuchtung bedeutet“. Jemand wollte mich wohl informieren, dass es wichtige Neuheiten auf unserem Fachgebiet gibt. Verpasse ich was, wenn ich die Meldung ignoriere?

Ich weiß leider nicht, was MDER ist, und fragte deswegen einen allwissenden Kollegen, der Tag und Nacht alle dämlichen Fragen von mir ohne Widerrede aufklärt. Der schrieb: „Der MDER-Wert hilft Lichtdesignern dabei, zu bestimmen, ob ein Licht „stimulierend“ genug ist, um Menschen tagsüber wachsam zu halten, oder „ruhig“ genug, um Entspannung zu ermöglichen.“ Dass Lichtdesigner dafür verantwortlich sind, ob ich tagsüber wachsam bin, ist mir tatsächlich neu. Aber wichtig scheint die Sache zu sein.

Da müsste doch jemand wissen, was MDER nun ist! Die Suche im Internet hilft nicht weiter, sie ergibt immer wieder MDR = Mitteldeutscher Rundfunk. Das ist der deutsche Fernsehsender für die Jahre „Zwischen Volksfest und Vorruhestand“. Der MDR hat das Kunststück vollbracht, ein Programm zu kreieren, bei dem man sich bereits mit 35 Jahren fragt, ob man versehentlich im Wartezimmer eines Orthopäden gelandet ist. Bei „Ruinen-Raten mit Gunther Emmerlich“ – Prominente müssen am Geruch von altem Linoleum erkennen, in welcher sächsischen Kreisstadt sie sich befinden." Kann das gemeint sein? Stimulierend ist der Geruch vom Linoleum, oder?
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Nach einer Weile fand ich die Auflösung des Rätsels. MDER heißt ausgeschrieben „Melanopic Daylight Efficacy Ratio” und ist “eine wichtige Kennzahl im modernen Lichtdesign, die quantifiziert, wie gut eine künstliche Lichtquelle unsere natürlichen circadianen Rhythmen (Schlaf-Wach-Zyklen) im Vergleich zu natürlichem Tageslicht (insbesondere CIE D65) unterstützt. Höhere MDER-Werte weisen auf eine stärkere biologische Wirkung auf Wachsamkeit, Konzentration und allgemeines Wohlbefinden hin und helfen Designern dabei, gesündere und effizientere Umgebungen zu schaffen, indem sie möglicherweise weniger Lichtquellen einsetzen, um den gewünschten biologischen Effekt zu erzielen, so Yuji Lighting und Fagerhult. “ Fagerhult kenne ich seit Jahrzehnten. Yuji Lighting?

Der allwissende Kollege erzählte weiter:
Die Skala: * MDER = 1,0: Das Licht hat dieselbe biologische Wirkung wie natürliches Tageslicht.
Hoher MDER-Wert (z. B. 0,8+): Stärkere biologische Wirkung; ideal für den Vormittag und Mittag in Büros oder Schulen, um die Aufmerksamkeit und Konzentration zu steigern.
Niedriger MDER (z. B. 0,3–0,5): geringere biologische Wirkung; besser für die Abendstunden geeignet, um den Körper auf den Schlaf vorzubereiten.

Es werde zur Berechnung der MEDI (Melanopic Equivalent Daylight Illuminance) verwendet, also der tatsächlichen „biologischen“ Lichtstärke, die das Auge erreicht, heißt es weiter. Nach einer Weile wurde mir klar: Ich hatte diese Berechnung vor langer Zeit in diesem Blog illustriert: Wie zirkadian wirksam ist mein Licht?

Dumm nur, dass sich die CIE mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dass nur noch die Farbtemperatur bestimmt, was bei Licht circadian wirksam sein soll. Vor allem “biologisch wirksam”. Wie bringt es ein Lichtdesigner fertig, dieselben biologischen Wirkungen wie Tageslicht zu erzeugen? 
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Und ich wehre mich nicht weniger vehement dagegen, dass die gemeinte Wirkung der biologischen gleichgesetzt wird. Schon vor Jahrzehnten, im Jahr 1983, hatte der selige Kollege Rikard Küller den Begriff NIF = non-image forming geprägt. Damit waren alle Wirkungen des Lichts außer dem Sehen gemeint. Und diese reichen vom Zahnwachstum in der Kindheit bis zum Oberschenkelhalsbruch im hohen Alter. In den Jahren dazwischen kann Licht allerlei Wirkungen auf den Körper und auf die Psyche ausüben, wie Rikard Küller penibel ermittelt hat.

Diese hatte ich hier kommentiert: Wie man sich in 100 Jahren an das Licht herantastet

Doch Küller war beileibe nicht der erste Protagonist, der sich um biologische Wirkungen des Lichts kümmerte. Da waren einige vor ihm, so z.B. Prof. Hollwich von den 1940ern bis in die 1990er Jahre. Aber auch Hollwich war nicht der Urheber, der Idee, dass Licht stark etwas mit der Gesundheit zu tun hätte. Das haben die Väter der ersten deutschen Beleuchtungsnorm 5035 im Jahre 1935 schon getan. So endet der hier erwähnte Beitrag, den ich im November 2020 geschrieben hatte. Da war mir das Buch von Luckiesh und Pacini noch nicht gut bekannt, das genau vor 100 Jahren als “Light and Health” das Licht der Welt erblickt hatte.

Aber auch Luckiesh war nicht der Urheber der Vorstellung, dass Licht wichtige physiologische Wirkungen auf den Menschen hätte. Pioniere wie Niels Finsen (Nobelpreis 1903) nutzten Licht zur Heilung von Krankheiten wie Hauttuberkulose. War er wirklich der Pionier? Da fällt mir ein gewisser A. J. Pleasonton ein, vom Beruf General. Er argumentierte, dass Farbe enorme biologische Wirkungen entfalte und dem blauen Licht elektromagnetische Kräfte innewohnten, die in der Lage wären, den Körper zu heilen und Widerstandskräfte gegen Krankheiten aufzubauen. Das war kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Seine Geschichte(n) kommentierte ich in Genesis 2.0 zusammen mit allen zum Umgang mit Blau: Geheimnisse in Blau
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Viele Jahrzehnte später lernte ich Filter zu bauen, die dazu dienten, die Heilkraft des blauen Lichtes auf Neugeborene zu messen. Im Jahr 1956 hatte im Rochford General Hospital in Essex, England, die Oberschwester der Frühgeborenenstation, Sister Jean Ward, festgestellt, dass die Gelbfärbung der Haut (verursacht durch Bilirubin) bei Babys, die am Fenster im Sonnenlicht lagen, deutlich schneller verblasste. Zwei Jahre später war die Wirkung wissenschaftlich belegt. Zehn Jahre später verdiente ich als Student ein Zubrot mit den besagten Filtern. Man hatte herausgefunden, dass Bilirubin Licht am effizientesten im blau-grünen Spektrum (Wellenlänge ca. 460 nm) absorbiert. MDER soll die Wirkung des Lichts auf Melatonin quantifizieren. Dazu gehört die Wellenlänge von 460 nm bis 480 nm. Nicht allzu weit von dem wirksamen Licht für Babys.

Hundert Jahre oder gar 150 , um auf die schlichte Formel zu kommen, die biologische Wirkung der Lichts an seiner Farbtemperatur zu messen …