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Lichtsimulation mit digitalen Pflanzenzwillingen
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Als ich vor Tagen die Rolle von Licht bei der Überwinterung der Topfpflanzen kommentierte (hier), waren mir einige Ungereimtheiten in der verfügbaren Weisheit aufgefallen. So z.B. die Wahl des Spektrums. Wenn man nach der Kurve für die Photosynthese optimiert beleuchtet, entsteht eine Umgebung, in der man nicht unbedingt seine Zeitung lesen möchte. Der schöne Wintergarten in lila Licht gehüllt? Bei meinen Aquarien hatte ich das seltsame Licht den Pflanzen zuliebe halt akzeptiert. Aber den ganzen Tag in einem solchen Licht leben möchte ich nicht, damit sich meine Zimmerpalme in ihrer biologischen Heimat fühlt - sie stammt wie alle eleganten Zimmerpalmen Marke Kentia alias Howea Forsteriana allesamt von einer einzigen Insel, Lord Howe Island. Die Entfremdung zwischen meiner Palme und mir wird noch größer werden, wenn ich mir eine melanopische wirksame Beleuchtung zulege, denn deren Spektrum berücksichtigt nur den Menschen.

Die Fragestellung ist übrigens wenig geeignet, um damit Spaß zu betreiben, denn die Zukunft der Menschheit könnte davon abhängen, wie man Vertikalfarming betreibt, um noch mehr Milliarden an Menschen zu ernähren. Diese Technik ist nicht nur eine konsequente Fortsetzung der Zucht von Pflanzen unter Glas - aka Gewächshaus. Sie verlangt einen intelligenten Umgang mit den Ressourcen. Man kann die Pflanze zu Licht bringen, z.B. in die Sahara, hätte aber ein Problem mit dem Wasser. Außerdem sitzen die Konsumenten nicht gerade in der Sahara. Die fertige Ware muss zu denen geführt werden. Viele Völker haben tiefe Tunnel unter den Wüsten gegraben, um das Wasser dorthin zu bringen, wo es gebraucht wurde. Die längsten haben wohl die Uiguren in Xinjiang gebaut (hier), die ältesten die Menschen des Königreichs Urartu, eines historischen Staat um den Van-See in Anatolien. Beides ist turko-persischen Urspungs. Auch in der Sahara gibt es das System und heißt foggara. Foggara, Rhettara, Khettara, Mkoula, Karez, Qanat, Faladsch - egal wie man sie nennt, in bis 100 m Tiefe einen bis zu 60 km langen Tunnel mit Hammer und Meißel bohren, ist nicht ganz zeitgemäß.

So scheint es sich einfacher zu gestalten, die Pflanze dort zu züchten, wo die Konsumenten sitzen und reichlich Wasser fließt. Tatsächlich gibt es eine Firma, die Pflanzen im Supermarkt zieht. Ein Startup namens infarm warb schon 2016 damit, Kräuter direkt im Supermarkt zu ziehen: "„Von hier für hier“ steht draußen am Supermarkt geschrieben. Ein Berliner Groß-Supermarkt baut selbst Gemüse an und gibt damit dem Begriff „regionales Essen“ eine neue Dimension." stand da zu lesen. Bei der Berliner Filiale von Metro wachsen 365 Tage im Jahr Basilikum, Kopfsalat und andere Grünpflanzen im Verkaufsregal. Wer mehr über infarm wissen will, bitte hier klicken.

Dumm nur, dass das Ganze von der Energie abhängt. Zwar macht es bei einer einzigen Zimmerlinde nicht viel aus, welche Lampe man darüber hängt. Wenn man große Teile der Menschheit damit ernähren will, sieht die Sache anders aus. Man muss den Energieaufwand mit allen Mitteln reduzieren, die einem einfallen können. Gemeinsam für alle Pflanzen ist die Ermittlung der "photosynthetisch aktiven Strahlung" (engl.: photosynthetically active radiation, kurz PAR oder PhAR). Das ist jene elektromagnetische Strahlung im Bereich des Lichtspektrums, den phototrophe Organismen hauptsächlich bei der Photosynthese nutzen. Dummerweise reagiert jede Pflanze etwas anders dabei. Ein Artikel in Licht 7/2021 beschreibt, wie man dazu wissenschaftlich vorgehen kann: "Lichtsimulation mit digitalen Pflanzenzwillingen - Theorie und Studien zu Möglichkeiten einer optimierten Pflanzenbelichtung".  Den Artikel kann ich leider nicht in Kurzfassung zitieren. Man muss ihn selber lesen.

Mehr gibt es hier zu lesen. Die umfangreichste Arbeit stammt von Keith J. McCree (hier, in Englisch). Seine PAR-Kurve wird als Grundform für die Wirkspektren hearngezogen, sog. McCree-Kurve. Auf der senkrechten Achse wird die relativen Quantenausbeute dargestellt. Für jede Pflanzenart gibt es eine eigene McCree-Kurve, leider. Rechts sind zwei PAR-Kurven abgebildet, die von anderen Forschern stammen (Hoover, 1937 und Inada, 1976).

Problem dieser Kurven ist, dass McCree die Absorption eines einzelnen Blattes gemessen hatte. Eine Pflanze lebt zwar von der Photosynthese in seinen Blättern, sie ist aber mehr als eine Ansammlung von Blättern. Die restlichen Teile haben andere Aufgaben und reagieren anders. Zudem hat McCree nur mit monochromatischem Licht gemessen. Die Wirkung einer Wellenlänge aus einem breiten Spektrum fällt sicherlich anders aus als wenn die anderen Wellenlängen nicht vorhanden wären.

Die Verfügbarkeit von LED-Leuchtmitteln führt zu einer neuen Situation insofern, dass herkömmliche Leuchtmittel mit ihrem Spektrum nicht beliebig beeinflusst werden konnten. Man kann jetzt besser experimentieren und tut es häufig mit "digitalen" Pflanzen. In dem besagten Artikel wird auch ein Versuch mit der Belichtung von Tomaten angeführt. Als ich das las, fiel mir ein, dass wir kaum noch Tomaten einkaufen, weil es kaum mehr Tomaten gibt, die wie eine Tomate schmecken. Daraufhin habe ich den Artikel nach Hinweisen durchsucht, die auf Experimente mit dem Geschmack hinweisen. Leider keine gefunden. Es geht immer um die Biomasse, die man durch Belichtung gewinnt oder auch nicht. Daher der Tipp an die Forscher: Mal den Zusammenhang von Geschmack und Belichtung untersuchen. Bis dahin esse ich weiterhin nur im Sommer Tomaten, wenn sie auf dem Balkon in der Sonne reifen.

 

Überwinterung von Topf- und Kübelpflanzen - Eine Lichtaufgabe

"Nobody knows the trouble I have seen …" So ähnlich fängt das Lied vom Mississippi an. Es könnte auch das Lied des Blumentopfs irgendwo im Wohnzimmer oder im Büro sein. Tatsächlich leiden die Pflanzen unter dem Licht - mal zu viel, mal zu wenig. Sie können es aber niemandem erzählen. Nur Menschen, die zu ihren Pflanzen sprechen, hören bzw. sehen, was die zu sagen haben. Besonders schlimm leiden sie unter LED-Licht. Nicht weil es schlecht ist, sondern weil man das schlecht geeignete LED-Licht dafür nimmt.

Der Grund ist eigentlich eine gewollte Eigenschaft von LED. Während übliche Leuchtmittel zum erwünschten Licht noch jede Menge Konterbande produzieren, die man loswerden muss, kann man das LED-Spektrum viel besser steuern. So entsteht z.B. Licht in der Leuchtstofflampe nicht gleich im ersten Anlauf, sondern erst durch den Leuchtstoff. Lässt man den weg, hat man die hübsche Diskolampe, aus der jede Menge UV kommt. Aber auch mit Leuchtstoff kommt ein wenig UV aus der Lampe. Bei der Glühlampe ist das Verhältnis krasser, nur wenige Prozent der eingesetzten Energie verlässt die Lampe als Licht. Der größte Teil kommt als Wärme raus. Zwar erzeugt die LED auch Wärme. Sie geht aber einen anderen Weg als das Licht. Kurz gesagt: mit LED kann man viel besser gezielt LIcht erzeugen. Man muss nur wissen wie.

Das Dumme ist, dass wir kaum wissen, was sich so geändert hat. Man muss daher gezielt suchen. Das soll man einer mal vormachen, gezielt suchen, ohne zu wissen wonach. Im letzten Heft von Licht + Wohnen werden Sie geholfen. Der Artikel heißt "Gezielt und kräftig durch den Winter". Wer jetzt nicht handelt, findet im Frühjahr womöglich einen Schatten von seiner geliebten Pflanze vor. Dann ist es zu spät.

Den Artikel kann ich leider nicht wiedergeben. Aber einige Adressen, wo man Wissen für die Überwinterung der Engelstrompete oder Oleander beziehen kann. Manche verkaufen auch Lampen. In venso-ecosolutions.de kann man Licht für die Pflanzen kaufen, aber auch Tipps für deren Pflege bekommen (hier). Eine Sandra fragt "Wisst ihr eigentlich, wie genau ihr mediterrane Kübelpflanzen überwintern solltet?" und gibt die Antworten auch hier. Wenn Sie Probleme mit dem Rosmarinkäfer haben, werden Sie hier geholfen. Sandra ist stolz auf den Preis "Bester Garten Blog". Sie hat den 3. Preis gemacht. Der erste Preis 2021 ging an einen Sven. Seine Blogsite erreicht man hier. Zwischen Sandra und Sven hat den 2. Preis eine Berlingärtnerin gemacht, alias Xenia. Ihre Website fängt gleich mit dem richtigen Thema an "Es wird durchgeblüht: Blütenpflanzen von Oktober bis März" (hier).

Wer gerne öffentlich-rechtlich hört und sieht, kann beim NDR landen. Dort gab es diese Woche am 8. Dezember eine Sendung "Kübelpflanzen richtig überwintern" (hier). Wer mehr erfahren möchte, kann einfach "Kübelpflanzen überwintern" in einen Browser tippen und sich bis zum Frühjahr Lesestoff holen. Hier findet man, was ich zum besseren Pflanzenlicht erkläre: Wenn ein Experte mit Lux anfängt gleich weghören, aber Lichtwissen zu LED gründlich einziehen. Es hilft nicht nur den Pflanzen.

Nicht nur Spinat gedeiht besser, wenn man Licht besser definiert
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Gestern sinnierte ich über das Bonus-Malus-System, das für die Beleuchtung eingeführt wurde. Dabei erwähnte ich ein Reizwort für alle Kinder seit über einem Jahrhundert, somit für alle Erwachsenen, den Spinat. Der sieht so schön grün aus, weil er alles Grüne von sich weist. Der Wald und die Felder sehen so grün aus, weil die Pflanzen das Licht anders sehen als Menschen. Für diese, und nur für diese, ist die schöne Kurve gemacht, die man bündelweise aus dem Internet laden kann. Dummerweise richten sich auch die Glasmacher, die unsere Häuserfassaden liefern, auch daran, und …? Schneiden aus dem Sonnenlicht genau diejenigen Teile weg, die das Gesunde vom Licht ausmachen. Rot und Blau werden abgeschnitten, wenn nicht gänzlich beseitigt. Das Weggelassene deckt sich zudem mit dem Licht, das die die Pflanzen im Innenraum brauchen. Das Durchgelassene sieht dann grünstichig aus. Das braucht weder die Beamtenpalme noch der Beamte. Büros, die von außen wie ein Aquarium aussehen, sind energetisch optimiert. Ansonsten nicht.

Oben links sieht man den Unterschied zwischen dem, was Licht für das menschliche Auge ausmacht und was für das Pflanzenwachstum benötigt wird. Präzise gesagt, das Absorptionsspektrum des Chlorophyll. Zum Wachstum der Pflanze allgemein - später. Rechts davon sieht man, was ein Hersteller daraus macht, und zwar mit Hilfe von LED. Dieses Leuchtmittel unterscheidet sich sehr wesentlich von herkömmlichen Lampen. So war z.B. die Glühlampe immer an eine bestimmte physikalische Gesetzmäßigkeit gebunden, an das Plancksche Strahlungsgesetz. Man kann sie zwar manipulieren, dass sie z.B. viel und weißeres Licht ergibt - Potzblitz - dafür sehr schnell stirbt, oder sehr sehr lange lebt - z.B. 120 Jahre (hier) - und dafür schön rot glüht. Auch Entladungslampen, egal wie willig sie sind, benehmen sich ansonsten störrisch und senden Strahlen aus, die sie nicht aussenden dürfen (z.B. UV von HMI-Lampen).

LED sind im Prinzip monochrome Strahler, also ziemlich einfarbig. Will man ein gewünschtes Spektrum erzielen, so kann man verschiedene von Ihnen kombinieren und mit Leuchtstoffen jonglieren. Und das klappt gezielt. Also kann man das Spektrum von dem mittleren Bild, lupenrein an das Chlorophyll angepasst, herstellen und daher auch kaufen. Licht ist das aber nicht. Eine Reihe Hersteller, z.T. sehr spezialisiert, bieten LED-Spektrum genau für Freunde gepflegter Botanik an. Die Marken will ich nicht nennen, aber dass ihr Konzept funktioniert. Hingegen kann eine ansonsten sehr gepflegte Büro- oder Wohnumgebung sehr ungepflegt wirken, weil sowohl das Tageslicht (s. Bemerkung zu Fassaden oben), als auch das elektrische Licht (LED aber normal) dazu führen, dass die früher prägende Gestalt der Beamtenpalme leider nicht mehr so prägend ausschaut.  (Anm.: Ich konnte in keinem Büro mehr die Beamtenpalme finden und fotografieren. Sie müssen sich deswegen mit der traurigen Gestalt der Yucca Palme hier zufrieden geben. Diese verdankt ihre Gestalt tatsächlich jahrelanger Bestrahlung mit ungeeigneten Lampen in einem Bürohaus.)

Leider, leider sieht ein für Pflanzen und Gemüse optimal beleuchtetes Ambiente nicht sehr einladend für Menschen aus.

Man muss noch ein letztes Wort zum Bedarf von Pflanzen bezüglich Licht verlieren. Würde sich deren Bedarf ausschließlich am Chlorophyll richten, wäre zu überlegen, warum sich um Gottes Willen die gesamte Botanik so unter der Sonne entwickelt hat. Die Antwort ist, dass zwar das Chlorophyll eine der wichtigsten Grundlagen des Lebens auf Erden bildet, aber nicht die alleinige. So kann man allein durch unterschiedliche Betonung der blauen oder roten Seite, den Pflanzen das Gefühl eine anderen Jahreszeit vermitteln. Dann wachsen sie bei zu viel UV anders (buschig, gedrungen) als bei zu viel rot (elend lang). Also mal schnell hoch, mal kleingedrungen. Da ich bei den Recherchen viele Diskrepanzen in den einzelnen Aussagen festgestellt habe, gebe ich nur den Hinweis, dass man mit dem hier gezeichneten Spektrum allein nicht hantieren soll. Also weiter recherchieren. Man muss nicht unbedingt Vertical Farming oder 3-D-Farming betreiben wollen, um die Sache brennend interessant zu finden. Eine grüne Wand in der Wohnung oder bereits ein einziger Blumentopf, aus dem man eine Pflanze ziehen will, genügt als Anlass.

Übrigens, den schönen Pflanzen, die Sie beim Gärtner kaufen und bei Ihnen trotz bester Pflege schrumpeln, könnte es an passendem Licht mangeln. Der Gärtner zieht die in dem passenden Lichtmilieu hoch. Und lässt sie schön blühen. Wenn Sie etwa wie das Vorstandsmitglied des Fachverbandes Raumbegrünung und Hydrokultur in Berlin denken und immer 500 lx Licht für optimal halten, kommen Sie garantiert auf keinen grünen Zweig. Wirklich garantiert! Denn was in Lux gemessen wird, ist nur das Licht, was man irrtümlicherweise für Menschen definiert hat. (mehr dazu hier). Zudem gibt es neben der Photomorphogenese (oben etwas erklärt) noch den Photoperiodismus. Photoperiodismus bezeichnet das Phänomen, dass Pflanzen auf unterschiedliche Weise auf die Länge der Licht- und Dunkelperioden reagieren. Einige Pflanzen blühen nur, wenn die Dauer der täglichen Belichtung unter einem kritischen Wert liegt (Kurztag-Pflanzen); andere dagegen blühen nur, wenn das tägliche Licht über diesem kritischen Wert liegt (Langtag-Pflanze). Der Prozess des Photoperiodismus wird auch durch die Wellenlänge des Lichts beeinflusst, wie die Photomorphogenese auch. Wie? Das steht im Stammbuch der Pflanze geschrieben - und wird niemandem verraten.

Bitte allen verraten: Wenn ganz große Experten den Lichtbedarf von Pflanzen in Lux messen oder empfehlen, so und so viele Lux für Beleuchtung zu nehmen, sind sie ganz kleine Lichter. Dann lieber jemanden mit dem grünen Daumen fragen.

Verlust der Nacht - reloaded

11.06.2026

Die Erde leuchtet, der Himmel verblasst –
wir tauschen die Unendlichkeit gegen Straßenlaternen..
der Blogger

Verlust der Nacht zählt zu den wiederkehrenden Themen dieses Blogs. Ein Beitrag von 2015 trug den gleichen Titel (s. Rettet die Nacht ). In dem Beitrag sind drei Videos von Youtube verlinkt, die man sich auch heute noch angucken sollte.

Das erste Video, das hier wiederholt wird, liegt mir besonders am Herzen, weil …
… es Szenen aus Berlin zeigt, die Stadt der Lichter, die nachts besonders schön scheint
… es die Fledermäuse thematisiert, die von dem nächtlichen Licht zu profitieren scheinen.
… es die damaligen Anfänge eines Projekts des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) (Stand 2014) zeigt, das man 12 Jahre später als Erfolg bezeichnen kann.

Das zweite Video vom DarkSky International beklagt den Verlust “unserer” Nacht aus der Sicht der Astronomen, die sich heute eher in die Atacama-Wüste zurückziehen, wenn sie ferne Galaxien beobachten wollen. Das erste Video handelt von Projekten, die sich ganz nahe bei uns in Westhavelland abspielten; das zweite zeigt die globale Dimension. Allerdings kann kein Video die wahre Dimension des Problems aufzeigen, das die Forschenden von LAN (Light-at-Night) seit Jahrzehnten untersuchen. Deren Arbeit zeigt, wie das Licht in der Nacht nicht nur Tiere und Pflanzen massiv verändert, sondern auch das Leben des Menschen.

Den Videos folgt ein Bild, das Istanbul in der Nacht zeigt, eine Stadt, deren Lichthaube in den Weltraum ragt. Der dünne Kanal Richtung Nord zeigt den Bosporus, auf dem ich als Jugendlicher nachts die gefangenen Fische in meinem Boot mit einem Eimer Wasser suchte. Wenn man Seewasser bewegt, leuchtet es sehr schwach. Das reichte damals aus, um größere Gegenstände sichtbar zu machen. Heute wissen die dortigen Kinder nicht einmal, dass es die Milchstraße gibt.

Das Wort für Meeresleuchten wurde vor etwa 15 Jahren zum schönsten Wort der Welt gewählt, Yakamoz. Wenn man die Menschen am Bosporus danach fragt, werden sie auf eine Kneipe tippen.

Wenn  man sich die linke untere Ecke des Bildes anguckt, wird man kleine leuchtende Punkte entdecken, die die Küste säumen. Das sind keine Inseln, sondern Schiffe, die auf Reede liegen. Sie lassen die ganze Nacht ihre Generatoren laufen. Ihre Beleuchtung lässt sich vom Weltall fotografieren. Dabei reichen für Schiffe ab 50 m Länge als Ankerlieger zwei Rundumlichter, die aber nur von unten zu sehen sind und nicht vom Himmel aus.
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Bei dem besagten Projekt ging es nicht um ein Vermeiden von Licht in der Nacht, sondern um eine Begrenzung auf das Notwendige. Zudem wollte man die Wirkung auf die Insekten minimieren, indem man geeignete Spektren wählte.

Was da alles mittlerweile erreicht worden ist, kann man z.B. auf der Website Tatort Straßenbeleuchtung  sehen. Da steht z.B. „Kunst gegen Lichtsmog – Als Lampe trägst du Mütze

Neben dieser witzigen künstlerischen Lösung gibt es auch technische Lösungen, so auch Full-Cutoff-Leuchten, das sind Leuchten, die die Mütze ab Werk tragen. Das Licht wird dahin gelenkt, wo es gebraucht wird. Dabei wird sogar der eigene Mast ausgespart: Das Licht fällt direkt nach unten, ohne den eigenen Laternenmast zu erhellen, da die Reflexion am Mast zusätzliche Lockwirkung entfaltet. (mehr hier)

Da sich die meisten Straßenleuchten in Deutschland den Mast in den Bauch stehen, bis ein Fußgänger kommt, dem sie den Weg zeigen dürfen – es sind immerhin über 9 Millionen –, werden sie spät in der Nacht gedimmt oder gar nur bedarfsgerecht eingeschaltet, wenn der besagte Fußgänger kommt. Die Idee ist nicht allzu neu, healthylight hatte darüber schon 2014 berichtet (hier Laternarius wieder da - elektronisch. Damals war das Licht nach Meinung eines Journalisten scheußlich kaltkrankes LED-Licht. Am Ende Projekts des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei wird man zum bernsteinfarbenen Licht einer anderen LED raten.

Wer nicht nur lesen, sondern auch mitforschen möchte, kann sich bei Tatort Straßenbeleuchtung melden: “Tatort Straßenbeleuchtung sucht Menschen, die mitforschen möchten! Anwohnerinnen und Anwohner, kleine und große Mitforscherinnen und Mitforscher. Experten und Amateure, Biologen, Astronomen oder Physiker, hier bieten wir Mit-Mach-Aktionen für alle Interessen!” (hier) Weitere interessante Links finden sich hier.

Als die Lichter glänzen lernten

11.05.2026

Edison erfand die Birne,
Luckiesh erfand das
Wohlbefinden darunter.
der Blogger

Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des elektrischen Lichts von der Glühlampe bis zur modernen Lichttechnik nach und zeigt, dass es dabei nie nur um Beleuchtung ging. Zwar wird Thomas Edison oft als Erfinder der Glühlampe angesehen, entscheidend war aber vor allem der Aufbau eines stabilen Systems zur Stromerzeugung und -verteilung. Elektrisches Licht trat damit nicht einfach an die Stelle des Gaslichts, sondern entwickelte sich schrittweise zu einer Technik mit weitreichendem gesellschaftlichem Anspruch.

Im Zentrum steht die These, dass Lichttechnik im Laufe des 20. Jahrhunderts den Anspruch erhob, die Sonne nicht nur zu ersetzen, sondern zu übertreffen. Licht wurde messbar gemacht, normiert und technisch definiert, wobei menschliche Wahrnehmung, biologische Wirkungen und kulturelle Bedeutungen oft in den Hintergrund traten. Besonders kritisch betrachtet das Kapitel, dass der Begriff „Licht“ in der Lichttechnik auf den Teil der Strahlung verengt wurde, der dem menschlichen Sehen dient, obwohl Licht für Pflanzen, Tiere und Menschen weit mehr bedeutet. Zudem “sehen” Tiere und Pflanzen Licht fast völlig anders als der Mensch.

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf Matthew Luckiesh und der Idee des „künstlichen Tageslichts“. In den 1920er Jahren verband er Beleuchtung mit Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Fortschritt. Daraus entstand die Vorstellung einer „elektrischen Sonne“, die natürliche Rhythmen überflüssig machen und jederzeit optimale Bedingungen schaffen könne. Diese Vision beeinflusste Beleuchtungsplanung, Arbeitswelt, Medizin und Architektur tiefgreifend.

Das Kapitel zeigt aber auch die problematischen Folgen dieses Denkens: künstliches Licht wurde zunehmend als Mittel zur Steuerung von Gesundheit, Verhalten und Produktivität verstanden, ohne dass die biologischen und zeitlichen Bedingungen des natürlichen Lichts ausreichend berücksichtigt wurden. Daraus ergaben sich Fehlentwicklungen in Normung, Lichtplanung und Bauweise – bis hin zu fensterlosen Gebäuden und gesundheitlich problematischen Innenräumen.

Insgesamt ist dieses  Kapitel eine kritische Kultur- und Technikgeschichte des künstlichen Lichts. Es argumentiert, dass die moderne Lichttechnik mit ihrem Streben nach Messbarkeit, Kontrolle und Ersatz der Natur den Begriff Licht verengt und dabei gesundheitliche, ökologische und menschliche Zusammenhänge zu wenig beachtet hat.
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