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Licht und Sehleistung
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09.11.2010

WER BRAUCHT WIE VIEL LICHT?

Legenden gibt es, gegen die jegliche Information nicht ankommt. Eine davon, hier dargestellt, um das Weitere glaubhaft zu machen, ist die Mär, die Tastaturen von Computern hätten die seltsame Verteilung der Buchstaben, um der Häufigkeit der Buchstaben in der Sprache zu entsprechen. Das Gegenteil ist der Fall, die meistbenutzten Buchstaben sind dort angebracht, wo der Finger schlechter hinkommt.

Eine andere Legende besagt, man würde den Bedarf an Licht für die Arbeit so bestimmen, dass Menschen eine hohe Sehleistung erreichen, und dass sich diese hohe Sehleistung in einer hohen Arbeitsleistung niederschlägt. Hört sich äußerst plausibel an. Seh´ ich nix, leiste ich nix. Im Kontrast zu völliger Dunkelheit stimmt das auch. Aber nur da! Sonst würde man nicht immer 500 lesen, wenn es um Lux geht.

Es ist bis heute niemandem gelungen, aus der Sehleistung eine Arbeitsleistung abzuleiten. Wird vermutlich nie gelingen, haben doch die besten Maler der Weltgeschichte die teuersten Gemälde im Lichte von Funzeln oder Kerzen geschaffen. Man könnte argumentieren, das sei ja keine Industriearbeit. Stimmt! Wie sieht es damit aus?

Dort, wo es heute boomt in der Industrieproduktion, z.B. in China, Indien oder Korea, sitzen viele Arbeiter unter ein paar Lux, während in Amerika, einem Land, das die anderen um Exportbegrenzung (Richtung USA) und Importausweitung (Richtung aus den USA) bittet, die höchsten Werte für Beleuchtungsstärken offiziell empfohlen wurden und werden. Und dieses Land hatte bereits in den 1920ern ein hohes Bewusstsein in Sachen Licht und Leistung (Hawthorne-Experimente).

Wie wurden dort in den USA die empfohlenen Beleuchtungsstärken festgelegt? Einer, der es genau kennen muss, weil er viele Jahre dort Professor für Lichttechnik gewesen ist, hat die folgenden Zahlen angegeben:

Jahr        Sehaufgabe           Bel. stärke (lx)                Wirtschaftslage

1947        Normal                         300                            Wachstum mäßig
                Schwierig                     500

1954        Normal                         300                            Wachstum stark
                Schwierig                     500

1959        Normal                        1000                            Wachstum stark
                Schwierig                    2000

1966        Normal                        1000                            Wachstum stark
                Schwierig                    1500

1972        Normal                        1000                            Wachstum wenig
                Schwierig                    1500

1981        Normal                200-300-500                       Nach Energiekrise
                Schwierig            500-750-1000

1987        Normal                200-300-500                       Nach Energiekrise
                Schwierig            500-750-1000

1993        Normal                200-300-500                       Umweltbewusstsein
                Schwierig            500-750-1000

Von wegen Sehleistung! Man hat seine Vorstellungen an die Wirtschaftslage angepasst. Wenigstens was! In Europa hat man hingegen die Vorgaben für Beleuchtungsstärken massiv erhöht (vergleiche DIN 5035 Teil 2 und DIN EN 12464 Teil 1). Hätte man wirklich die Sehleistung im Sinne gehabt, müsste man die Beleuchtungsstärken herabsetzen, weil erstens das Lesegut unvergleichlich besser geworden ist und zweitens das Arbeiten mit dem Bildschirm unter mehr Licht eher leidet.

Seit 2002 besitzt Europa eine Beleuchtungsnorm, die an vielen Arbeitsplätzen die Sehleistung mindert! An manchen sogar die Arbeit gefährdet (Warten mit analogen Anzeigen). Damit es den anderen Kontinenten nicht besser ergeht, hat man daraus gleich eine internationale Version gezimmert. Will ein Entwicklungsland mit Europa mitziehen, muss man dort die Kraftwerkskapazitäten vervielfachen, denn in solchen Ländern gehen 80% des Stroms für die Lichterzeugung drauf.

Licht und Sehleistung
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09.11.2010

WER BRAUCHT WIE VIEL LICHT?

Legenden gibt es, gegen die jegliche Information nicht ankommt. Eine davon, hier dargestellt, um das Weitere glaubhaft zu machen, ist die Mär, die Tastaturen von Computern hätten die seltsame Verteilung der Buchstaben, um der Häufigkeit der Buchstaben in der Sprache zu entsprechen. Das Gegenteil ist der Fall, die meistbenutzten Buchstaben sind dort angebracht, wo der Finger schlechter hinkommt.

Eine andere Legende besagt, man würde den Bedarf an Licht für die Arbeit so bestimmen, dass Menschen eine hohe Sehleistung erreichen, und dass sich diese hohe Sehleistung in einer hohen Arbeitsleistung niederschlägt. Hört sich äußerst plausibel an. Seh´ ich nix, leiste ich nix. Im Kontrast zu völliger Dunkelheit stimmt das auch. Aber nur da! Sonst würde man nicht immer 500 lesen, wenn es um Lux geht.

Es ist bis heute niemandem gelungen, aus der Sehleistung eine Arbeitsleistung abzuleiten. Wird vermutlich nie gelingen, haben doch die besten Maler der Weltgeschichte die teuersten Gemälde im Lichte von Funzeln oder Kerzen geschaffen. Man könnte argumentieren, das sei ja keine Industriearbeit. Stimmt! Wie sieht es damit aus?

Dort, wo es heute boomt in der Industrieproduktion, z.B. in China, Indien oder Korea, sitzen viele Arbeiter unter ein paar Lux, während in Amerika, einem Land, das die anderen um Exportbegrenzung (Richtung USA) und Importausweitung (Richtung aus den USA) bittet, die höchsten Werte für Beleuchtungsstärken offiziell empfohlen wurden und werden. Und dieses Land hatte bereits in den 1920ern ein hohes Bewusstsein in Sachen Licht und Leistung (Hawthorne-Experimente).

Wie wurden dort in den USA die empfohlenen Beleuchtungsstärken festgelegt? Einer, der es genau kennen muss, weil er viele Jahre dort Professor für Lichttechnik gewesen ist, hat die folgenden Zahlen angegeben:

Jahr        Sehaufgabe           Bel. stärke (lx)                Wirtschaftslage

1947        Normal                         300                            Wachstum mäßig
                Schwierig                     500

1954        Normal                         300                            Wachstum stark
                Schwierig                     500

1959        Normal                        1000                            Wachstum stark
                Schwierig                    2000

1966        Normal                        1000                            Wachstum stark
                Schwierig                    1500

1972        Normal                        1000                            Wachstum wenig
                Schwierig                    1500

1981        Normal                200-300-500                       Nach Energiekrise
                Schwierig            500-750-1000

1987        Normal                200-300-500                       Nach Energiekrise
                Schwierig            500-750-1000

1993        Normal                200-300-500                       Umweltbewusstsein
                Schwierig            500-750-1000

Von wegen Sehleistung! Man hat seine Vorstellungen an die Wirtschaftslage angepasst. Wenigstens was! In Europa hat man hingegen die Vorgaben für Beleuchtungsstärken massiv erhöht (vergleiche DIN 5035 Teil 2 und DIN EN 12464 Teil 1). Hätte man wirklich die Sehleistung im Sinne gehabt, müsste man die Beleuchtungsstärken herabsetzen, weil erstens das Lesegut unvergleichlich besser geworden ist und zweitens das Arbeiten mit dem Bildschirm unter mehr Licht eher leidet.

Seit 2002 besitzt Europa eine Beleuchtungsnorm, die an vielen Arbeitsplätzen die Sehleistung mindert! An manchen sogar die Arbeit gefährdet (Warten mit analogen Anzeigen). Damit es den anderen Kontinenten nicht besser ergeht, hat man daraus gleich eine internationale Version gezimmert. Will ein Entwicklungsland mit Europa mitziehen, muss man dort die Kraftwerkskapazitäten vervielfachen, denn in solchen Ländern gehen 80% des Stroms für die Lichterzeugung drauf.

Human Factors in Lighting – alias Ergonomie der Beleuchtung

15.06.2026

Publikationen sind wie Geheimbünde:
Extrem schwer reinzukommen und am Ende stellt sich raus,
dass drinnen auch alle nur mit Wasser kochen – aber eben auf Latein.
der Blogger

Licht und Ergonomie, kurzgefasst

In Genesis 2.0 - Schöpfung der elektrischen Sonne erklärt eine neuer Beitrag die Chancen einer wissenschaftlichen Überwindung der ergonomischen Probleme der arbeitenden Menschen mit der Beleuchtung ihrer Arbeitsplätze. Hier eine Kurzfassung und das Fazit des Originalbeitrags:

Der vorliegende Beitrag untersucht das Verhältnis von Beleuchtung und Ergonomie unter historischer, fachsystematischer und normativer Perspektive. Er zeigt, dass Beleuchtung trotz ihrer grundlegenden Bedeutung für Arbeit, Gesundheit, Sehleistung und Wohlbefinden in der Ergonomie bislang nur randständig behandelt wurde. Auf der Grundlage von Fachliteratur, Normungsgeschichte und begrifflicher Analyse wird herausgearbeitet, dass die Lichttechnik überwiegend technisch-funktional argumentiert, während zentrale ergonomische Kategorien wie Nutzerorientierung, Accessibility, Architekturbezug und differenzierte Anforderungen menschlicher Arbeit unzureichend berücksichtigt bleiben. Die Analyse von Peter Boyces Human Factors in Lighting verdeutlicht exemplarisch die terminologischen und konzeptionellen Divergenzen zwischen Lichttechnik und Ergonomie. Insgesamt plädiert der Text für eine integrierte, menschenzentrierte und barrierefreie Beleuchtungsplanung, die Tageslicht, Kunstlicht sowie die Heterogenität menschlicher Voraussetzungen gleichermaßen einbezieht.

Ergonomie der Beleuchtung – Ein Fazit

Zusammenfassend kann ich ein sehr negatives Fazit ziehen:

  • Fachleute, die sich mit der Gestaltung von Arbeit und Arbeitsstätten befassen, die Belastung der Beschäftigten untersuchen bzw. beurteilen, sind nicht im Geringsten an Beleuchtung interessiert.
  • In einem fundamental wichtigen Buch eines der renommiertesten Lichttechniker, das vorgibt, sich mit Human Factors, also Ergonomie, zu befassen, lassen sich keine Spuren ergonomischen Wissens nachweisen.
  • Lichttechniker normen Beleuchtung global für alle Arbeitsstätten, obwohl ihre Normen aus dem eigenen Land große Probleme aufwerfen.
  • Der Lichttechnik fehlt der Begriff Accessibility vollständig, obwohl dies zu den Menschenrechten zählt: Barrierefreiheit (Accessibility) ist im Rahmen der Vereinten Nationen kein bloßer Fürsorgedienst, sondern ein völkerrechtlich verbrieftes Menschenrecht. Sie bildet das grundlegende Fundament der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), um Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft zu garantieren.

Wer dennoch globale lichttechnische Normen veröffentlicht, sollte sich keine Illusionen über die Erfolgschancen machen.  

Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure

12.05.2026

Ihr Glanz ist echt,
doch ihr Ruf ist ein Epos.

Dieser Teil des Buches behandelt in sechs Kapiteln, dass viel von dem lichttechnischen Wissen keinen belastbaren Hintergrund hat.

Kapitel 1 erklärt, dass die Beleuchtungsstärke als physikalische Messgröße im Labor zwar klar bestimmbar ist, ihre praktische Bedeutung für reale Arbeitsplätze jedoch stark begrenzt bleibt. Der Text zeigt, dass Richtung, Verteilung und Reflexion des Lichts für das tatsächliche Sehen entscheidend sind, in Normen und Messverfahren aber oft unzureichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht eine scheinbar exakte, in Wirklichkeit aber nur eingeschränkt aussagekräftige Grundlage für Beleuchtungsanforderungen.

Kapitel 2 greift Boyces märchenhafte Erzählform auf, um zu verdeutlichen, dass Lichttechnik seit langem nach einer objektiven Formel sucht, mit der sich optimale Beleuchtung wissenschaftlich begründen ließe. Die zentrale Aussage ist jedoch, dass eine solche Formel nicht existiert und Empfehlungen deshalb immer auf Aushandlung, Erfahrung und Konsens beruhen. Zugleich wird gezeigt, dass Beleuchtung nur ein Faktor unter vielen in der Arbeitsumgebung ist und nie isoliert über den Erfolg einer Planung entscheiden kann.

Kapitel 3 begründet, warum es keine einfache und allgemeingültige Beziehung zwischen Beleuchtung und Arbeitsleistung geben kann. Besonders kritisch hinterfragt der Text den unscharfen Begriff der Sehleistung, der in Normen zwar zentral verwendet, aber nicht präzise definiert wird. Daraus folgt, dass Beleuchtungsnormen Ziele benennen, ohne klar zu erklären, wie diese praktisch und verlässlich erreicht werden sollen.

Kapitel 4 untersucht, wie in der Lichttechnik durch scheinbar wissenschaftliche Darstellungen Legenden entstehen. Anhand von Diagrammen, Akteuren und institutionellen Rollen wird gezeigt, dass visuelle Aufbereitungen leicht Überzeugungskraft entfalten, auch wenn ihre Aussagekraft fragwürdig ist. So entsteht eine wissenschaftlich wirkende Erzählung, die sich über Fachliteratur, Institutionen und Ausbildung weiterverbreitet.

Kapitel 5 analysiert ein häufig zitiertes Diagramm, das belegen soll, dass mehr Licht die Arbeitsleistung steigert und Ermüdung senkt. Der Text zeigt jedoch, dass die Darstellung methodische und grafische Schwächen hat, etwa durch verzerrende Achsen und unklare Bezugsgrößen. Damit wird deutlich, dass der behauptete experimentelle Nachweis bei genauer Betrachtung nicht belastbar ist.

Kapitel 6 zeigt, wie sich die Legende von der leistungssteigernden Wirkung höheren Lichts über Jahrzehnte in Broschüren, Schulungsunterlagen und Beratungsunterlagen fortgesetzt hat. Dabei wurden fragwürdige Darstellungen immer wieder übernommen, grafisch modernisiert und als scheinbar gesicherte Erkenntnisse weitergegeben, und das sogar von staatlichen Stellen. Zugleich weist das Kapitel darauf hin, dass Licht durchaus weitreichende Wirkungen auf den Menschen haben kann, diese aber komplexer sind als die einfache Behauptung „mehr Licht = mehr Leistung“.
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Blendung – Was ich schon immer wusste und nie nachfragen wollte

10.05.2026

Kontinuität in der Forschung
ist oft nur ein höfliches Wort
für intellektuellen Stillstand.
der Blogger

Dieses Kapitel untersucht den Begriff der Blendung in seinen unterschiedlichen Bedeutungen und konzentriert sich dabei auf jene Erscheinungsformen, die das Sehen durch Licht beeinträchtigen.

Es zeigt, dass Blendung nicht nur als klar messbare physiologische Minderung der Sehleistung verstanden werden kann, sondern auch als psychologisch wahrgenommene Störung, deren Bewertung in Forschung und Normung vielfach auf unsicheren oder veralteten Grundlagen beruht.

Der Text kritisiert insbesondere etablierte Verfahren wie UGR und verwandte Blendungsmodelle, da sie komplexe reale Sehbedingungen, moderne Lichtquellen, Arbeitsaufgaben, Farbwirkungen und dynamische Wahrnehmungsprozesse nur unzureichend erfassen. Darüber hinaus wird argumentiert, dass zahlreiche belastende Lichteffekte – etwa Reflexionen auf Bildschirmen, Kontrastverluste auf Sehobjekten, Umfeldblendung oder sogenannter Lichtdruck – fachlich zwar bekannt, aber normativ kaum angemessen berücksichtigt sind.

Trotz intensiver Forschung sind die Blendungsbewertungsverfahren nie validiert worden. Zwar wird zu einer Leuchte ein UGR-Wert dreistellig angegeben. Mit irgendeiner bestimmten Wirkung hat die Zahl aber nichts gemein. 

Insgesamt plädiert das Kapitel für ein erweitertes Verständnis von Blendung, das nicht nur das Vermeiden negativer Effekte, sondern die tatsächliche Qualität des Sehens, die Arbeitssituation und die Wahrnehmung des Menschen in realen Umgebungen in den Mittelpunkt stellt.