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Wenn man statt Käse Leuchte sieht ...

Mein Lieblingsdiscounter hat umgebaut. Oder umbauen müssen. Nach jahrelanger Gewinnserie wollten die Kunden nicht mehr so richtig und gingen über den Platz zum Supermarkt. Die Kette kam in rote Zahlen. Also. Umbauen, damit alles schicker wird.

Der Umbau hat sich super gelohnt. Man kann, nein man könnte, jetzt viel besser einkaufen … wäre da nicht die Beleuchtung. Die schicken LED-Ketten spiegeln sich prima an allen Abdeckungen. Das taten die alten Lampen auch. Allerdings waren sie großflächig und besaßen eine viel geringere Leuchtdichte. Die neuen hängen wie eine Lampionkette über den Warenauslagen, von denen jetzt mehr Abdeckungen haben als früher. Hygiene …

Beleuchtung als Sichtbehinderung - keine neue Qualität, aber eine ärgerlichere. Den Grund habe ich schnell ausgemacht. Liegen die LED-Module dicht bei dicht, ergibt das etwa 2000 lx auf den Auslagen. Da dies von niemandem gewünscht wird außer vielleicht von älteren Lichtfreaks mit getrübter Linse, muss man die Kette "ausdünnen". Dann ist aber jedes Element für sich sichtbar - direkt oder reflektiert.

Ich werde dennoch nicht zum Supermarkt auswandern. Die bauen nämlich demnächst auch um.

Strom über Datenkabel - PoE für LED

Einst hatte der große Newton den Äther erfunden, um die Ausbreitung des Lichts über das Universum zu ergründen. Das hat sich zwar als falsch erwiesen, was aber die Leute nicht davon abhält, an den Äther zu glauben. Der ist aber ein eher unglaublicher Stoff. Ist elastischer als Stahl, lässt aber die Planeten ohne Verzögerung passieren. Hat keine Masse, keine Farbe, leitet aber das Licht weiter. Deswegen hat ihn kaum jemand gesehen oder gemessen. Fast so ähnlich unglaublich sollte eine netzwerk werden, dem der Erfinder, Bob Metcalfe, den Namen Ether verlieh, Ethernet.

Und es funktioniert unglaublich gut. Ich denke, ohne Ethernet wären PCs lahme Enten ohne Anschluss an die große Welt. Welche Mega-IT-firma hat das Ding entwickelt? Ein Mann. Vergleichbares hat nur Niklaus Wirth geleistet, der Pascal als Fortführung von Algol 60 entwickelte, nachdem ein großer Ausschuss mit Algol 68 eine wahre Schrankware geboren hatte. Schrankware ist der Kosename für nutzlose Objekte, die im Schrank gut aussehen, wie z.B. viele akademische Arbeiten. Pascal ist ein akademisches Produkt, aber beileibe keine Schrankware.

Was weder Metclafe noch Wirth eingefallen wäre, macht die LED möglich: Lichtquellen über ein Datennetz nicht nur zu steuern, sondern auch mit Energie zu versorgen. PoE heißt das Wunderwerk, ausgeschrieben Power over Ethernet. Damit wären wir wieder bei Newton. Diesmal leitet das Medium nicht nur das Licht, sondern gleichzeitig die Daten zum Steuern. Darf es noch ein bischen mehr sein: Man kann auch sein WLAN über die - gepulste - LED durchs Haus verteilen. LiFI nennt sich diese Anwendung, light fidelity.

Mal eine kurze Aufzählung der Dinge, die so möglich sind: Display aus LED, walhweise oder teilweise nutzbar als Datenmonitor oder Lampe, versorgt über eine Datenleitung, kann auch Daten über Licht übertragen. Theoretisch kann man bei der Datenübertragung 40 GBit/s übertragen. Heute ist 1 GB/s ein ziemliches Wunder in der Bude.

Noch haben Forscher das Sagen in der Sache. Es ist aber nicht blasse Theorie sondern Entwicklungsland.

Leuchte des Jahres leuchtet zu sehr

Irgendwie scheinen Preisträger meinen Argwohn zu schüren. Von Tausenden gleicher Produkte fällt mir häufig eines negativ auf - leider der Preisträger. Dabei wollten die Preisverleiher, dass das Produkt auffällt, aber sehr positiv. Warum diese Abneigung gegen die Preisträger? Eigentlich stimmt meine Aussage nur für manchen Preisträger, die meisten nehme ich so zur Kenntnis. Aber manche eben nicht.

Ich denke, meine Abneigung hängt mit einem bestimmten Preisträger zusammen, einem Gebäude, das einen Architekturpreis gewonnen hatte. Dem glücklichen Bauherrn waren aber diverse Unstimmigkeiten zwischen Auftrag und Ausführung aufgefallen. So bekamen wir den Auftrag, das fast fertige Gebäude anhand von Arbeitsschutzvorschriften zu begutachten. Eine ziemliche Katastrophe! Der preisgekrönte Architekt hatte nicht einmal so eindeutige Hygienevorschriften wie "keine Tapete hinter`m Pissoir" beachtet. Eigentlich ist eine solche Vorschrift überflüssig wie alle Vorschriften, außer dass die Nutzer eine Todsünde begehen. Beim Pissoir heißt die Todsünde: den Strahl schlecht lenken.

Natürlich wird man einen Preisträger nicht hängen, weil er die Herrentoilette tapeziert hat, obwohl die gekachelt gehört. Da war noch etwas. Ja - die Raumhöhe stimmte nicht. Sie musste laut Arbeitsstättenverordnung von damals 2,50 m betragen, betrug aber nur 2,47 m, weil der Preisträger bei der Festlegung der Raumhöhen den Estrich vergessen hatte. Soll vorkommen - aber nicht so häufig. Auch das hätte ein Gewerbeaufsichtbeamter mit einem Gummibandmaß vielleicht noch durchgehen lassen. Aber nicht, dass die Möblierung nicht wie im Auftrag festgehalten erfolgen konnte. Der Preisträger hatte den Auftrag, 2200 Arbeitsplätze in Doppelzimmern zu bauen. Man konnte aber nur 1100 davon einrichten. Aber Einzelzimmer wollten weder der Bauherr noch die Belegschaft haben. Was tun? Der Bauherr reduzierte den Preis, den der Preisträger vereinbart hatte, um die Hälfte. Dieser war danach unmittelbar pleite. Und versuchte, sich umzubringen.

Irgendwie hängt meine Abneigung gegen Preisträger mit diesem lange zurück liegenden Ereignis zusammen. Jahre danach verlieh man einem anderen, sehr bekannten Architekten einen Designpreis für ein Arbeitsmöbel. Die Fachpresse lobte das Objekt über den grünen Klee. Sogar ein wissenschaftliches Institut fand lobende Worte in Fülle. So baute ein bekannter Büromöbler das Objekt in Serie - in sehr kleiner, freilich, weil sich die Kunden das Wunderwerk anguckten, aber nie kauften. Dabei kenne ich von dem Architekten jede Menge gelungene Werke. Warum musste er etwas entwerfen, was niemand haben will, während das rechts abgebildete Objekt seit über 60 Jahren der Menschen Seele erfreut?

Das alles flog durch meinen Kopf, als ich die Laudatio über das jüngste Wunderwerk der Lichttechnik las. Die Leuchte des Jahres. In den Begleitfotos leuchtet die aber nicht. Ich hingegen durfte sie beim Leuchten betrachten. Macht so 2.500 lx auf dem Tisch. Da sie nicht blenden darf, bringt sie die 2.500 lx an der hinteren Tischkante. O.K., da kann sie keinen Schaden anrichten. Aber zweckmäßig kann man es nicht nennen, wenn das Licht vornehmlich dort landet, wo nichts oder nicht Bedeutendes zu sehen ist (weitere Ausführungen hier). Die in dem zitierten Beitrag abgebildete Leuchte macht es ähnlich, ist aber nach meinem Geschmack viel eleganter. Zudem: Meine Vergleichsleuchte hängt am Tisch und ändert ihre Höhe mit diesem. Da bleiben die Lichtverhältnisse etwa gleich. Hingegen produziert die Leuchte des Jahres so um 3.800 lx, wenn man den Tisch im Stehen benutzen will. Und das wollen sehr viele. Müssen sogar, weil ihnen sonst der Rücken weh tut. Aber ständig Sonnenschein will keiner.

Hand auf`s Herz: Wer braucht 3.800 lx beim Arbeiten mit einem Laptop? Wer gar mit einem Tablett arbeiten will oder muss, kann die Arbeit vergessen. Das Gerät reflektiert die LED derart, dass man an der Decke die Elemente der Leuchte nachzählen kann.

Frage an die Jury: Warum ist gerade dieses Objekt die Leuchte des Jahres?

Hoch, höher. am höchsten - Beleuchtungsstärke

Was passiert, wenn man von etwas, was sehr wichtig ist, noch mehr bekommt? Generell kann man dazu nichts sagen, aber im Einzelfall sehr viel. Sagen wir mal beispielsweise von Herzmitteln, die man zum Überleben braucht? Nimmt man doppelt so viel wie nötig, kann man noch weiter denken. Bei der dreifachen Dosis ist der Ofen aber aus. Oder nehmen wir Wasser als Beispiel. Wir können nicht ohne, wie jeder weiß. Was ist, wenn man 10 Liter statt 2 am Tage trinkt? Einfach, man braucht keinen Alkohol mehr. Bei einer noch höheren Dosis droht allerdings der Exitus. Nennt sich Ertrinken. Mehr von dem, was man unbedingt braucht, nützt nicht immer. Wirkt aber zuweilen sogar tödlich, nachweislich.

Das ist aber nicht das Thema dieses Blogs. Hier geht es um Licht. Davon können wir doch nicht genug kriegen?  Oder? Der Himmel liefert doch viel davon, wenn die Sonne hoch genug steht. Warum nicht in der Bude des kleinen Bürokraten? Und zwar immer. Nachdem es der Lichttechnik gelungen ist, die ganze Welt zum Narren zu halten, indem sie in ihren Anforderungen die Zahl - z.B. 500 - gleich gehalten und nur die Berechnung änderte, von Nenn- zum Wartungswert der Beleuchtungsstärke, setzt sie zum nächsten Coup an. Seinerzeit hatte ich berechnet, dass die nach Norm geforderten Werte um 20% bis 400% angestiegen waren (hier). So einfach, ohne Grund. Worum geht es jetzt? Bei dem zitierten Papier handelte es sich damals um eine Studie zur (angeblichen) Begründung der Festlegungen, die man in den Normen gemacht hat. Vielmehr ging es darum, dass es keine Begründung gab und gibt. Jetzt soll es bessere Gründe geben, um mehr Gas zu geben.

Der nächste Coup? Kommt garantiert niemand auf die Idee. Es soll ein neuer oberer unterer Grenzwert eingeführt werden. Also nochmal langsam zum Mitschreiben: Es gibt einen unteren unteren Wert, das ist der Wartungswert. Die Pratogonisten sagen dazu, unter diesen Wert darf die Beleuchtungsstärke nicht sinken. Warum sie das nicht darf, bleibt den Experten überlassen. Laien müssen einfach das tun, was die sagen. Die Sache ist so glasklar formuliert, dass mancher Arbeitgeber die Lichtschalter aus seinen Arbeitsräumen hat entfernen lassen. Oder doch nicht so klar? Ich lese: "Bisher ist der Wartungswert der Beleuchtungsstärke Ēm eine Größe, die vielfach als Zielwert für die Planung einer Beleuchtungsanlage angesehen wird. So war dieser Wert aber nie gemeint, er ist vielmehr der niedrigste Wert, den die Beleuchtungsstärke einnehmen darf, …" Nie soll in einer deutschen Amtsstube die Beleuchtungsstärke unter diesen Wert sinken. Und die ganze deutsche Lichtindustrie kämpft dafür wie ein Mann … Sagen wir mal, auch einige Frauen sollen da mitmischen. Mindestens eine.

Jetzt soll ein noch viel höher liegender Wert eingeführt werden. Der heißt dann "upper maintained illuminance". Das Licht darf dann nicht unter diesen Wert sinken. Die Sache muss noch richtig ins Deutsche übersetzt werden, meint ein wichtiger Experte. Stimmt. Was aus dem alten Wert wird, unter den das Licht auch nicht sinken darf? Für den werden die Experten schon eine Verwendung finden. Man könnte ihn z.B. den Igitt-Faktor nennen oder so ähnlich. Hartz IV für Lichthungrige, wäre auch keine schlechte Bezeichnung.

Warum braucht die Menschheit so etwas? Darum: "Ein Grund, auch höhere Beleuchtungsstärken zu planen, ergibt sich aus dem Abschnitt xxx. Gründe sind z.B. „kritische Sehaufgaben, kostenintensive Fehler, kleine Details und niedriger Kontrast oder längere Bearbeitungszeiten“. Es wird direkt darauf hingewiesen, dass die Beleuchtungsstärken zu erhöhen sind, wenn „Genauigkeit, höhere Produktivität oder stärkere Konzentration von größerer Bedeutung“ sind." (so ein Kenner der Materie, der nicht genannt werden will.)

Wem die Sache bekannt vorkommt, leidet nicht unter einem Déjà vu Effekt, garantiert nicht. Man hat während der 1940er Jahre damit argumentiert. Kritische Sehaufgaben? Damals waren das die Details deutscher Städte, die man bombardieren wollte. Die gibt es immer noch, kritische Sehaufgaben. Brauchen aber keine Beleuchtung mehr, weil die allesamt auf dem Bildschirm abgebildet werden. Beleuchtung schadet da eher. Kostenintensive Fehler? Wer wird das leugnen? Die mangelnde Beleuchtung liefert einem nun ungeahnte Möglichkeiten der Erklärung von Fehlern. Mehr Licht - und du machst keine Fehler mehr. Wäre nicht schlecht gewesen in den 1930ern. Da kämpften Arbeitsmediziner um 5 lx mehr am Arbeitsplatz oder so. Dass man Computerarbeit sicherer macht durch höhere Beleuchtungsstärken anno 2020? Wäre einen Versuch wert, aber nur einen. Es ist nämlich Quatsch. Produktiver? Ganz sicher!  Das versuchte man zwischen 1922 und 1930. Das Ergebnis nennt sich Hawthorne Effekt. Der bedeutet, man kann mit besserem Licht eine höhere Produktivität bewirken. Das geht aber auch ohne, nämlich wenn man einfach behauptet, man hätte das Licht verbessert. Am Licht kann es also nicht liegen.

Also mehr Leistung nicht durch besseres Sehen, dazu dient die Beleuchtung schon lange nicht mehr. Aber durch mehr Aufmerksamkeit durch mehr blaues Licht? Bingo! Ein Schelm, der dabei denkt, dass die LED-Technik auf blauen Laserdioden basiert! Als Begründung für mehr Licht können derzeit wunderbar die nicht-visuellen Wirkungen der Beleuchtung helfen. Die helfen wirklich immer, weil niemand weiß, was die sind. Bzw. wissen unheimlich viele, worin die bestehen. Sagen wir aus zweiter oder dritter Hand. Aber wen juckt es? 

Vorbei die Zeiten, als man sagte "Hell wie der lichte Tag". Demnächst überholen wir das Blaue vom Himmel links. Man muss nur gucken, wo erfolgreiche Anwendungen sind. Ich traue mich nicht zu erzählen, dass man bei der Landwirtschaft nachsehen sollte. Die war schon immer so nachhaltig. Seit 30 Jahren kosten die Eier dasselbe, Schweinesteaks sogar weniger. Warum nicht die menschliche Arbeit?

Fast wie bei der Tagespresse …

Gestern hatte ich den Beitrag zur blendenden Straßenbeleuchtung gegen Abend abgeschlossen. In der Nacht fiel der Server aus und zeigte den Zeitungsausschnitt nicht, der die glücklichen Kläger nannte, nach deren Wunsch nun eine weniger blendende Beleuchtung entstehen soll. Einen halben Tag später rief schon der erste Leser an, der seit etwa zehn Jahren Außenbeleuchtung angeboten haben will, die weder Nachbarn blendet, noch Insekten killt. Und der Mond über seinem Land wird nur von der Sonne beleuchtet.

Ich gucke mir die Website an. Der Mann übertreibt nicht. Warum müssen sich Gerichte damit befassen, dass Leute nicht schlafen können, weil die Straßenbeleuchtung in die gute Stube scheint? Warum schalten Gemeinden nachts das Licht auf der Straße aus? Könnte doch schlimmstenfalls strafbar sein. Es geht also doch - und mit LEDs. Warum also?

Wer sich seine Zeit mit solchen Fragen verbringt, vergeudet sie. Besser ist es, wenn man die Augen offen hält. Z.B. wenn man fliegt. Im Prinzip sollte man von oben nur die beleuchtete Straße sehen und von den Leuchten nichts bis auf einen fahlen Schatten. Alles, was heller ausschaut als die Straße, ist vergeudetes Licht. Auch zu Fuß kann man die Übeltäter dingfest machen. Fragt sich nur, was man dann macht. Fantasie ist gefragt. Der örtliche Radiosender muss doch zur Dudel-Musik nicht dauernd dumme Wortfetzen in den Äther pusten. Auch die Ortszeitung könnte sich mal für Sachliches erwärmen.

Ein Drittel der Menschheit
sieht die Milchstraße
nicht