Beiträge der Kategorie: Lebensdauer

Abenteuer LED bei Fluchtwegkennzeichnung

  
Es ist vollbracht: Selbst skeptische Journalisten halten LED für effizient. Mag sein. Darum geht es hier nicht. Vielmehr um den Begriff "Effizienz". Nach Adam Riese ist etwas effizient, wenn ich damit mein Ziel mit möglichst geringem Aufwand erreichen kann. So z.B. ein Besenstiel bei der Kindererziehung, schlicht, einfach … und effizient?

  
Hier ist ein Bild, das zeigt, was man bei einer Fluchtwegbeschilderung erreichen muss: Das Objekt leuchtet mit den vorgeschriebenen Eigenschaften. Wer die nicht einhält, kann sich warm anziehen, insbesondere im Falle eines entsprechenden Vorfalls, bei dem dieses kaum beachtete Schild im Mittelpunkt des Interesses steht.

  
So sieht die LED (retrofit)-Version davon aus. Ich denke mal, nicht ganz so vorschriftsmäßig. Die leuchtet zwar schön, aber nur nicht dort, wo nötig. Dafür umso stärker dort, wo man eher nichts sieht. Verhindert sogar das Sehen der wichtigeren Teile.

  
O.K. Nächste Tür, nächstes Schild. Die leuchtet da, wo am es besten leuchten sollte, falls nicht überall. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Also erspare ich mir den Rest.

  
Wem dies nicht gefällt, kann sich die nächste Variante aussuchen. Die leuchtet zur Abwechslung mal auf der anderen Seite. Hat jemand was dagegen?

  
Wem dies immer noch nicht reicht, kann sich die leere Stelle rechts angucken, dort sind die Schilder (nicht) zu sehen, deren LEDs durchgebrannt sind. Und das waren bei einer Besichtigung fast alle, die in entlegenen Ecken angebracht waren. Niemand hat sie gesehen. Und niemand wollte sie inspizieren, weil die Trommeln der Industrie was von 50.000 Stunden Lebensdauer in die Gegend posaunen. 50.000 Stunden! Das sind fast sechs Jahre ununterbrochener Betrieb. Warum soll man Objekte mit einer solchen Lebensdauer inspizieren? Außerdem: Wie viele Stunden im Jahr ist unser Büro in Betrieb?

 
Dummerweise bringt man die Schilder dort an, damit sich die Leute bei einem Brand oder sonstigen unangenehmen Ereignissen möglichst schnell den Weg ins Freie bahnen können. Zudem müssen die ständig in Betrieb sein. LEDs sind Abenteuer, die manchmal ins Auge gehen können. So jedenfalls, liebe Leute, geht es nicht. Die hier gezeigten Objekte stammen nicht aus üblen Kaschemmen oder alten Kasematten, sondern aus Häusern, auf die man stolz ist. Sie sind nur wenige Jahre alt - und haben wohl die 50.000 h schnell hinter sich gebracht. Bei der Qualität der Ausführung kann die Lebensdauer schneller vergehen als 500 Stunden.

Wie bin ich bloß vorhin auf Besenstiel und Erziehung gekommen?

Fluchtwegkennzeichnung

Erstellt: Oktober 21, 2015 um 8:45

Sieg des Marketing - LED soll länger leben als Menschen

 
Wie man Leute, die sehr kreativ sind und dazu noch sehr rational denken, in die Irre führen kann, kann man im Berliner Tagesspiegel von heute lesen. Einer der kreativsten Köpfe bekannt für spektakuläre Lichtinstallationen, Olafur Eliasson, kommentiert die Frage nach seiner (eigentlich von Ingo Maurer) Sehnsucht nach der Glühlampe so:Trauer um die LampeJa, so isses. Die Branche hat es mit der "5". 500 lux ist der Lichtteppich, den man herbeigebetet hat. 50.000 sind die Stunden, die eine LED angeblich hält. Jetzt haben wir die 50 Jahre. Da der Künstler gerade 48 Jahre ist, wird er 98 sein, wenn er seine Aussage prüfen kann. Falls er schon nächstes Jahr feststellt, dass viele seiner LEDs verschieden sind, wird ihm ein Fachmann fachmännisch erklären, dass LEDs ein Problem mit der Thermik haben.

Aber, wie sind die Leute zu den 50.000 Stunden Lebensdauer gekommen? Ich denke genauso wie sie die 10.000 Stunden für die angebliche Energiesparlampe (Kompaktleuchtstofflampe mit 10% Mehrverbrauch gegenüber der stabförmigen Lampe) ermittelt haben. Es bleibt ein Geheimnis der Hersteller. Diese haben ziemlich beliebige Mittel, um Zahlen zu manipulieren. Eigentlich ist das Manipulieren das falsche Wort, denn man muss sich auf eine Methode einigen und auf bestimmte Größen als relevant. So hat man einst beschlossen, die Helligkeitswirkung des künstlichen Lichts zum Maßstab zu machen (lumen). Man könnte das Manipulation nennen. Ist aber nicht, wenn man die Entscheidung publik macht. Allerdings hat sich das Publikum einen Dreck drum geschert, was für eine Größe die Lichttechnik zum Maßstab gemacht hat. Später hat man für die Lebensdauer von Lampen, die nicht sofort sterben, wenn was schief geht, eine Methode festgelegt, mit der man die Lebensdauer bestimmt. Denn es macht keinen Sinn, eine Lampe zu betreiben, aus der kaum noch Licht kommt. So hat man gesagt, die Lebensdauer einer Lampe sei zu Ende, wenn ihr Lichtstrom nur noch 70% beträgt. Man könnte auch 65% oder 75% festlegen können. Aber auch die wären "manipuliert" - so ist es mit Konventionen.

Die Manipulation hat aber begonnen, als man die in den Lehrbüchern angegebene Methode heimlich geändert hat, so dass auch erfahrene Lichtplaner davon keinen Wind bekommen hatten. Zudem haben die beiden großen Hersteller in Deutschland unterschiedliche Formeln angewandt, ihr Verband eine dritte. Gott weiß, was ich kaufe, wenn ich bei einem Amerikaner eine Lampe kaufe? Genau das ist die Frage: Man hat Lumen zum Maßstab bei der Lichterzeugung gemacht, damit der weltweite Handel mit lichttechnischen Produkten funktionieren kann. Ist die Lebensdauer einer Lampe an ihre "Lumen" gebunden, und diese wird nach geheimen Rezepten berechnet, ist der Tatbestand der Manipulation perfekt.

Wie nennt man Leute, die den Ast absägen, auf dem sie sitzen? Mir fällt nur doof ein, darf aber nicht sein. Das ist kein wissenschaftlicher Ausdruck. Dieser Ast ist ja nicht in der Prärie von selbst gewachsen, sondern mit Bedacht erzeugt worden.

Nun ja, vielleicht haben die, die so handeln eh keine Zukunft.

Erstellt: September 13, 2015 um 2:04

Little Sun – LED leuchtet für Afrika

Dass ein Künstler die Sonne nachahmen will - und dabei ein imposantes Bild geschaffen hat … gibt es. Dass so einer aber Menschen, die Sonne in Überfülle haben, so dass sie nur mit dunkler Hautfarbe haben überleben können, eine kleine Sonne schenkt, ist hingegen nicht gewöhnlich.

Olafur Eliasson

Little-SunLittle Sun wird seit 2012 von der gleichnamigen Initiative von Olafur Eliasson an Afrikaner verkauft (auch an Berliner im KaDeWe). Sie besteht aus einer LED in Form einer Plastiksonne und einer Wiederaufladeeinrichtung mit Solarzellen. Faszinierend die Begründung für die Lampe: Auch ein sparsamer Afrikaner verbraucht in der Lebensdauer des Akkus - 900 Mal aufladen bzw. 3 Jahre - etwa eine Tonne Kerosin, weil auch in Afrika die Sonne nur bei Tage da ist. Eliasson war fasziniert von ihrem schnellen Untergang - etwa 10 Minuten meint er. Etwas länger dauert es schon, aber nichts gegen die Dämmerung in seiner Heimat oder auf Island. Da kann die Dämmerung auch mal zwei Monate dauern.

Die Sache ist fast so genial wie die Beleuchtung mit PET-Flaschen, die Alternative, wenn die Sonne da ist, aber die Hütten dicht an dicht zusammen stehen. Licht für Bidonville. Die Alternative besteht aus einem Loch in der Decke und einer mit Wasser gefüllten PET-Flasche. Anstatt die Müllhaufen zu vergrößern, macht die Flasche die Hütte gemütlich. Da ist noch etwas: PET lässt, anders als Glas, UV durch. So kann man mit solchen Flaschen kontaminiertes Wasser entkeimen. Nicht nur beinah genial. Denn man kann zwar ohne Licht in der Hütte auskommen, ohne Wasser nur wenige Tage. Und in Afrika fehlt sauberes Wasser.

Wer noch etwas Gutes tun will für Afrika - und für alle Stellen der Erde mit unsicherer Stromversorgung, kann sich bei der Entwicklung eines Aufladegeräts für Afrika für Handies beteiligen: www.littlesun.com/kickstarter. Bis heute haben 1.543 Leute €175.250 gespendet! (Wer sich über einfache, aber wirksame Anwendungen von LED im Sinne bedrängter Menschen freut, möge sich auch pipilight alias Pee Power ansehen)

 

Mein AMpelmann

Erstellt: um 10:44

LED-Lebensdauer - das unbekannte Wesen

Man stelle sich vor, zum vierten Mal in Folge gehen Fachleute in eine Konferenz, in der sie von einem Fakt reden, der fest steht wie ein Fels in der Brandung: 50.000 Stunden brennt eine LED - oder? Wer 1.190 € + MWSt + Reisegeld (Düsseldorf Hilton) übrig hat, besucht die VDI-Konferenz "Lebensdauer und Zuverlässigkeit in der LED-Beleuchtung" am 10. - 11- Juni 2015. Vorher sollte man sich das White Paper von Dr. Rafael Jordan herunterladen (kostenlos), aus dem man ableiten kann, warum die 50.000 h manchmal auch 500 sein können. Noch weiter vorher, am 8. Juni 2015, kann man die Veranstaltung besuchen "Lebensdauerbetrachtung an LED-Systemen" für schlappe 890,- € und MWSt. An diesem Spezialtag kann man Folgendes lernen (VDI-Wissensforum):

  • LED-Lampen und -Leuchten zu bewerten
  • Komponenten einer LED-Beleuchtungsanlage in Bezug auf Zuverlässigkeit zu betrachten
  • Grundlegendes Verständnis zur Lebensdauerbetrachtung zu entwickeln
  • Beurteilung der Qualität von Produkten durch LM-80 und TM-21
  • Fehlermechanismen von Leuchten, deren Komponenten und Materialien zu bewerten
  • Zeitliche Veränderung lichttechnischer Parameter kennen
  • Normative Rahmenbedingungen in Bezug auf Alterung zu verstehen

 
Warum tun sich die Leute das an? Warum zahlen sie den Gegenwert eines bescheidenen Gebrauchtwagens für etwas, was sie schon längst kennen? Grundlegendes Verständnis zur Lebensdauerbetrachtung zu entwickeln? Ich denke, 50.000 Stunden sind genau 50.000 Stunden bzw. 5,71 Jahre. So lange leuchtet eine LED pausenlos! So erzählt man doch in der Presse. Was den LED während dieser 50.000 Stunden passiert? Eigentlich nichts, sonst wären die 50.000 keine 5... Warum dann "Zeitliche Veränderung lichttechnischer Parameter kennen"? Warum man "Normative Rahmenbedingungen in Bezug auf Alterung zu verstehen" muss? Was alt ist, sieht doch alt aus! Oder?

 
Ich denke, dass es an der Zeit ist, sich mit der Realität zu beschäftigen als den Werbetrommeln Glauben zu schenken. Ich hatte 2008 in den USA viele ausgefallene LED-Ampeln gesehen. So lange gab es aber keine LEDs für Verkehrsampeln. Meine Erlebnisse mit der LED-Beleuchtung in einer Yacht, wurden auch in diesem Blog veröffentlicht (LED - Bitte woanders!). Warum das so wichtig ist,  sich dem Thema Lebensdauer zu widmen, wurde mehr als einmal behandelt (Lügenlicht). Und hier in bezug auf die angebliche Energiesparlampe, von der niemand mehr spricht. Uns haben die Lampenhersteller, ob man die als Monopol, Oligopol oder Gott weiß was nennt, fast ein Jahrhundert belogen, insbesondere mit den Angaben über die Lebensdauer, die niemand nachprüfen konnte. Und über die Leistung, die sie erbringen, den Lichtstrom einer Lampe. Aus unerfindlichen Gründen war der immer 10% zu hoch angegeben. Deswegen sahen Planungsprogramme immer einen Zuschlag vor. Jetzt geben sie auf, und es ein Polipol könnte entstehen. Sich informieren ist die erste Bürgerpflicht, damit der untergehende Oligopol nicht einfach in den Orient auswandert.

Erstellt: Mai 26, 2015 um 9:09

Sind LED effizient?
   

Was nützt es, die Geschwindigkeit zu verdoppeln,
wenn man gar nicht weiß,
in welche Richtung man will?

Heute hatte ich Zeit, das Februar Heft von High Light zu lesen. Ich hatte mit einem Freund gewettet, dass wir keinen Beitrag ohne LED darin finden würden. Bingo! Wär´ auch ein Wunder. Die eignen sich doch bestens als Highlight …

Ein Autor, ein Key Expert von einem der Key Suppliers (Pardon!) versucht sich in Effizienz. Er meint, dass die LED aufgrund diverser Vorteile ein integraler Teil der Allgemeinbeleuchtung sei. Seit geraumer Zeit sei die Effizienz höher als bei "konventionellen" Lichttechnologien. Dann fragt er sich "Wie wird die Effizienz jedoch definiert?"

Das frage ich mich auch. Der Mann hat einen grenzenlosen Humor: "Spricht man umgangssprachlich von der Effizienz von Lichtquellen, so ist meist die Lichtausbeute gemeint." Seit wann redet der Volksmund von Effizienz? Der sagt bestenfalls, "taucht nix, saugt zu viel Strom" oder ähnlich. Dann beschreibt der Autor, was man auch vor 40 oder gar 50 Jahren über die V(λ)-Kurve, das Strahlungsspektrum der Lampe und der Lichtausbeute gelernt hat. So etwa sinngemäß, "setzt Du blaue Lampen ein und willst rotes Licht, kriegst nicht viel raus." (Nicht genau, aber eine ähnliche Story hatte der selige Prof. Helwig auf Lager aus der Zeit, als das blaue Licht deutscher Polizeiautos festgelegt wurde. Da waren die Lampen eher rot und die Signalleuchte sollte blau leuchten.) Dann kommt es: Weil (oder wenn) man zum Erzeugen von weißem Licht blaue LEDs einsetzt, sind sie dann effizient, wenn die Farbtemperatur höher ist. Wär´ ich nie auf die Idee gekommen.

Will man eine gute Farbwiedergabe haben, muss man halt mit einer geringeren Effizienz leben. Der lichttechnische Volksmund kannte dies auch von den konventionellen Lichttechnologien, hat das ganze nur nicht so geschwollen ausgedrückt. "Bisherige Lampentechnik" hätte vollauf genügt.

Der Autor erzählt weiter: "LED wurden im Laufe ihrer Entwicklung immer heller und damit immer effizienter. In manchen Anwendungen ist aber eine höhere Effizienz nicht unbedingt notwendig. Warum ist die Nachfrage nach immer helleren und effizienten LED dennoch so groß? Ein Grund ist gewiss, dass effizientere Leuchtdioden die Kosten auf Systemlevel signifikant reduzieren können." Wenn man nur wüsste, was Systemlevel ist und welche Kosten der Mann meint.

Wenn er gewusst hätte, was ich unter Systemlevel verstehe wie viele andere, hätte er sich den ganzen Artikel sparen können. Auch seine Altvorderen sind vor einiger Zeit in Brüssel vorstellig geworden, weil die "Effizienzexperten" der EU-Kommission Lampen für sich betrachten. Eine Effizienz von Lampen allein zu betrachten, sei Unsinn, lautete deren Argument. Ist es auch! Während man eine Edison-Funzel einfach in eine Fassung schrauben kann, die selbst an einer Strippe von der Decke hängen darf, muss man für andere Leuchtmittel eine formidable Elektronik betreiben. Immer hellere und "effizientere" LEDs freibrennend zu betreiben, kommt einer vorsätzlichen Körperverletzung gleich - oder ist eine Körperverletzung -, ergo muss man sie in Leuchten packen und eventuell auch indirekt betreiben. Baut man die Leuchten falsch, geben die LED den Geist sehr schnell auf, nachdem sie ganz schön ineffizient gelebt haben. Sprich geringere Lichtausbeute, wildes Flackern gegen Ende der (kurzen) Lebensdauer etc. bis Exitus! Da haben die konventionellen Lichttechnologien, so z.B. Glühlampen oder Leuchtstofflampen sogar unschlagbare Vorteile, sie gehen einfach aus. Hingegen leuchten in LED-bestückten nicht-konventinellen Lichttechnologien viele Elemente munter weiter, während manche dunkler werden und andere flackern. Die ganz dunklen toten LEDs runden das Erscheinungsbild eindrucksvoll ab. (mehr hier)

So gesehen ist der Artikel erst einmal für die Katz. Schlimmer ist aber das Fehlende in dem Artikel: Die Eignung, sprich Gebrauchstauglichkeit. LEDs mit hoher Leuchtdichte eignen sich wie gesagt als Highlight, damit macht man Dekoration und keine Allgemein-Beleuchtung. Der Architekt setzt "Lichter", um Glanz in eine Szenerie zu bringen, der Fotograf tut dasselbe, um Gesichter zu beleben. OLEDs weisen hingegen geringe Leuchtdichten auf und eignen sich besser als Leuchtmittel für Allgemeinbeleuchtung. Leider sind sie halt nicht so "effizient". Schert man LEDs im Allgemeinen, und OLEDs im Speziellen, über denselben Kamm, schneiden die letzteren schlecht ab. Somit würgt man durch Vorstellungen, die schon immer falsch waren, eine vielversprechende Technologie ab.

2015
     

 
Dieser Effizienzartikel ist neuer Wein in alten Schläuchen. Leider kein Highlight! Ich wäre als Lichttechniker stolz, den Begriff Lichtausbeute zu verwenden, den diese Technik seit Ewigkeiten verfolgt und pflegt, während anderen das Wort "Effizienz" erst neulich ein Begriff zu werden scheint.

 

Erstellt: März 2, 2015 um 12:15