Beiträge der Kategorie: Allgemein

Hoch, höher. am höchsten - Beleuchtungsstärke

Was passiert, wenn man von etwas, was sehr wichtig ist, noch mehr bekommt? Generell kann man dazu nichts sagen, aber im Einzelfall sehr viel. Sagen wir mal beispielsweise von Herzmitteln, die man zum Überleben braucht? Nimmt man doppelt so viel wie nötig, kann man noch weiter denken. Bei der dreifachen Dosis ist der Ofen aber aus. Oder nehmen wir Wasser als Beispiel. Wir können nicht ohne, wie jeder weiß. Was ist, wenn man 10 Liter statt 2 am Tage trinkt? Einfach, man braucht keinen Alkohol mehr. Bei einer noch höheren Dosis droht allerdings der Exitus. Nennt sich Ertrinken. Mehr von dem, was man unbedingt braucht, nützt nicht immer. Wirkt aber zuweilen sogar tödlich, nachweislich.

Das ist aber nicht das Thema dieses Blogs. Hier geht es um Licht. Davon können wir doch nicht genug kriegen?  Oder? Der Himmel liefert doch viel davon, wenn die Sonne hoch genug steht. Warum nicht in der Bude des kleinen Bürokraten? Und zwar immer. Nachdem es der Lichttechnik gelungen ist, die ganze Welt zum Narren zu halten, indem sie in ihren Anforderungen die Zahl - z.B. 500 - gleich gehalten und nur die Berechnung änderte, von Nenn- zum Wartungswert der Beleuchtungsstärke, setzt sie zum nächsten Coup an. Seinerzeit hatte ich berechnet, dass die nach Norm geforderten Werte um 20% bis 400% angestiegen waren (hier). So einfach, ohne Grund. Worum geht es jetzt? Bei dem zitierten Papier handelte es sich damals um eine Studie zur (angeblichen) Begründung der Festlegungen, die man in den Normen gemacht hat. Vielmehr ging es darum, dass es keine Begründung gab und gibt. Jetzt soll es bessere Gründe geben, um mehr Gas zu geben.

Der nächste Coup? Kommt garantiert niemand auf die Idee. Es soll ein neuer oberer unterer Grenzwert eingeführt werden. Also nochmal langsam zum Mitschreiben: Es gibt einen unteren unteren Wert, das ist der Wartungswert. Die Pratogonisten sagen dazu, unter diesen Wert darf die Beleuchtungsstärke nicht sinken. Warum sie das nicht darf, bleibt den Experten überlassen. Laien müssen einfach das tun, was die sagen. Die Sache ist so glasklar formuliert, dass mancher Arbeitgeber die Lichtschalter aus seinen Arbeitsräumen hat entfernen lassen. Oder doch nicht so klar? Ich lese: "Bisher ist der Wartungswert der Beleuchtungsstärke Ēm eine Größe, die vielfach als Zielwert für die Planung einer Beleuchtungsanlage angesehen wird. So war dieser Wert aber nie gemeint, er ist vielmehr der niedrigste Wert, den die Beleuchtungsstärke einnehmen darf, …" Nie soll in einer deutschen Amtsstube die Beleuchtungsstärke unter diesen Wert sinken. Und die ganze deutsche Lichtindustrie kämpft dafür wie ein Mann … Sagen wir mal, auch einige Frauen sollen da mitmischen. Mindestens eine.

Jetzt soll ein noch viel höher liegender Wert eingeführt werden. Der heißt dann "upper maintained illuminance". Das Licht darf dann nicht unter diesen Wert sinken. Die Sache muss noch richtig ins Deutsche übersetzt werden, meint ein wichtiger Experte. Stimmt. Was aus dem alten Wert wird, unter den das Licht auch nicht sinken darf? Für den werden die Experten schon eine Verwendung finden. Man könnte ihn z.B. den Igitt-Faktor nennen oder so ähnlich. Hartz IV für Lichthungrige, wäre auch keine schlechte Bezeichnung.

Warum braucht die Menschheit so etwas? Darum: "Ein Grund, auch höhere Beleuchtungsstärken zu planen, ergibt sich aus dem Abschnitt xxx. Gründe sind z.B. „kritische Sehaufgaben, kostenintensive Fehler, kleine Details und niedriger Kontrast oder längere Bearbeitungszeiten“. Es wird direkt darauf hingewiesen, dass die Beleuchtungsstärken zu erhöhen sind, wenn „Genauigkeit, höhere Produktivität oder stärkere Konzentration von größerer Bedeutung“ sind." (so ein Kenner der Materie, der nicht genannt werden will.)

Wem die Sache bekannt vorkommt, leidet nicht unter einem Déjà vu Effekt, garantiert nicht. Man hat während der 1940er Jahre damit argumentiert. Kritische Sehaufgaben? Damals waren das die Details deutscher Städte, die man bombardieren wollte. Die gibt es immer noch, kritische Sehaufgaben. Brauchen aber keine Beleuchtung mehr, weil die allesamt auf dem Bildschirm abgebildet werden. Beleuchtung schadet da eher. Kostenintensive Fehler? Wer wird das leugnen? Die mangelnde Beleuchtung liefert einem nun ungeahnte Möglichkeiten der Erklärung von Fehlern. Mehr Licht - und du machst keine Fehler mehr. Wäre nicht schlecht gewesen in den 1930ern. Da kämpften Arbeitsmediziner um 5 lx mehr am Arbeitsplatz oder so. Dass man Computerarbeit sicherer macht durch höhere Beleuchtungsstärken anno 2020? Wäre einen Versuch wert, aber nur einen. Es ist nämlich Quatsch. Produktiver? Ganz sicher!  Das versuchte man zwischen 1922 und 1930. Das Ergebnis nennt sich Hawthorne Effekt. Der bedeutet, man kann mit besserem Licht eine höhere Produktivität bewirken. Das geht aber auch ohne, nämlich wenn man einfach behauptet, man hätte das Licht verbessert. Am Licht kann es also nicht liegen.

Also mehr Leistung nicht durch besseres Sehen, dazu dient die Beleuchtung schon lange nicht mehr. Aber durch mehr Aufmerksamkeit durch mehr blaues Licht? Bingo! Ein Schelm, der dabei denkt, dass die LED-Technik auf blauen Laserdioden basiert! Als Begründung für mehr Licht können derzeit wunderbar die nicht-visuellen Wirkungen der Beleuchtung helfen. Die helfen wirklich immer, weil niemand weiß, was die sind. Bzw. wissen unheimlich viele, worin die bestehen. Sagen wir aus zweiter oder dritter Hand. Aber wen juckt es? 

Vorbei die Zeiten, als man sagte "Hell wie der lichte Tag". Demnächst überholen wir das Blaue vom Himmel links. Man muss nur gucken, wo erfolgreiche Anwendungen sind. Ich traue mich nicht zu erzählen, dass man bei der Landwirtschaft nachsehen sollte. Die war schon immer so nachhaltig. Seit 30 Jahren kosten die Eier dasselbe, Schweinesteaks sogar weniger. Warum nicht die menschliche Arbeit?

Erstellt: Dezember 16, 2018 um 11:44

Grelle Straßenbeleuchtung hält Anwohner wach - ein Gastbeitrag

Der Blog-Beitrag von Vorgestern (hier) scheint bei vielen den Nerv getroffen zu haben. Uns hat Thom Haeger, freischaffender Autor in Sachen Licht, seine Meinung zu dem Fall der beiden Rentner geschrieben, die sich die nächtliche Ruhe vor dem Licht einklagen mussten. Den wichtigen Inhalt irgendwo in die Kommentarfunktion zu stecken, finde ich zu schade. Deswegen wird dieser - als Meinungsäußerung des Autors - wiedergegeben. Er geht auf einen Sachverhalt ein, der eine beliebte Krankheit ist: sich hinter DIN-Normen verstecken anstelle seine Aufgabe zu erfüllen. DIN-Normen (und auch sonstige) sind Empfehlungen, die man zwar immer berücksichtigen sollte. Sie sind aber keine Vorschriften. Und Überraschung: In Deutschland muss man nicht einmal Gesetze einhalten - sondern das, was sie wollen. Da dieser seit Ewigkeiten geltende Grundsatz immer wieder vergessen wurde, wird er z.B. in allen neu erstellten ASR (Regeln für Arbeitsstätten) eingangs eingeführt: " … Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen. …" Thom Haeger spricht somit eine grundsätzliche Frage an. Deswegen dieser Beitrag, für dessen Inhalt der Autor verantwortlich ist. (Adresse für Nachfragen unter dem Beitrag)

Kommentar zum Artikel „Grelle Straßenbeleuchtung hält Anwohner wach“

(Quelle: lokale Abendzeitung vom 28.11.2018//Spiegel Online SPIEGEL ONLINE - Panorama - 28.11.2018)(bbr/dpa)

Dieselskandal war gestern – der nächste Skandal wartet schon seit mehr als 20 Jahren – der Skandal ums künstliche Licht!

Grelle und meist auch flimmernde urbane Beleuchtung ist eine wesentliche  Ursache, dass Abermillionen Menschen des Nachts ihre Fenster – lichtdicht- machen müssen. Teure Jalousien oder ausgefallene Techniken sollen dann gesunden Schlaf ermöglichen. Ein Zustand, der leider kein deutsches, sondern ein weltweites Problem ist. Und nun haben es doch tatsächlich zwei Betroffene und von diesem Zustand genervte Rentner aus Bayern geschafft, ein Verwaltungsgericht zu einem Urteil zu bewegen, das eigentlich der Startschuss zu einer bürgerlich technischen Revolution in Sachen Umgang mit Energie (hier insbesondere Licht) sein könnte.

Zitat: Deren Anwältin sagte, dass sonst jeden Tag jemand ins Rathaus käme und etwas anderes wolle. Außerdem solle ein Präzedenzfall vermieden werden. Die Gemeinde sieht sich außerdem im Recht, da sie DIN-Normen einhalte.

Wie hier die „Experten“ de jur. und kommunale Verantwortliche auf diese Klage reagieren, ist im Grunde ein Armutszeugnis, welches bedauerlicher Weise auf (zu) viele andere Kollegen dieser Branche ebenfalls zutrifft. (Der Autor dieser Zeilen kann unzählige gleiche Situationen aus mehr als 20-jähriger Erfahrung mit einschlägigen Fakten bestätigen.)

Dass jemand jeden Tag ins Rathaus kommt und etwas anderes will – ja wozu ist denn ein Rathaus da??? Wird hier etwa die Amts-Ruhe gestört? Und „Recht“ wegen DIN Normen? Die einzigen Länder auf dieser Welt, wo Normen dieser Art jemals Gesetzes-Charakter besaßen oder besitzen, waren die DDR und Nord-Korea. Ersteres Land ist an seinen eigenwilligen Normen zu Grunde gegangen und Nordkorea - naja warten wir´s ab.

Hierzulande gibt es Rechtsprechungen, welche die hier geschilderte Situation eigentlich aufklären könnten, wenn der Mensch eben mal die Dinge recherchieren, lesen und anwenden würde. Hier Beispiele aus der Ecke unserer deutschen Rechtsprechung.

DIN-Normen sind Empfehlungen und können angewendet werden, allerdings müssen sie nicht benutzt werden. Grundsätzlich handelt es sich um „private Regelwerke mit Empfehlungscharakter“[1]. Als solche können sie hinter dem Stand der Technik zurückbleiben, haben aber die Vermutung für sich, dass sie den Stand der Technik abbilden…[2].

[1]   BGH Urteil vom 14. Juni 2007, Az. VII ZR 45/06

[37] bb) ... Der Senat hat wiederholt darauf hingewiesen, dass DIN-Normen keine Rechtsnormen sind, sondern nur private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter…

[2]   BGH Urteil vom 24. Mai 2013, Az. V ZR 182/12

[36] bb) ... DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter, die hinter den anerkannten Regeln der Technik zurückbleiben können (BGH, Urteil vom 14. Mai 1998 - VII ZR 184/97, BGHZ 139, 16, 19 f.; Urteil vom 14. Juni 2007 - VII ZR 45/06, BGHZ 172, 346, 355 f. mwN), weil technische Entwicklung und wissenschaftliche Erkenntnis in einem ständigen Wandel begriffen sind (… vgl. auch BGH, Urteil vom 14. Juni 2007 - VII ZR 45/06, aaO). Von daher liegt es in der Natur der Sache, dass in DIN-Normen empfohlene Maßnahmen … nicht mehr die anerkannten Regeln der Technik beschreiben, wenn aufgrund neuer Erkenntnisse andere,  geeigneter erscheinende - Methoden an deren Stelle treten. Auch wenn das zu einer Verteuerung, aber auch zur Verbilligung … führen kann.

---------------------------------------------------

Das Ganze nun einmal speziell für unwissende Juristen, Elektriker und kommunale Licht-Verantwortliche in fünf Fakten verkürzt auf einen Nenner gebracht:

  1. Selbst wenn ein Gemeinderat beschließen würde, Fackeln und Kerzen zur urbanen Beleuchtung zu verwenden - so ist das sein gutes Recht.
  2. Aus einer stringenten Einhaltung der DIN-Normung beim Thema „Licht“ ergibt sich in keinem Fall eine Haftungsentlastung bei evtl. Schäden.
  3. Man stelle sich vor, aus einer laut DIN lichttechnisch unvollkommenen Straßenleuchte soll eine Haftung des Betreibers generiert werden. Wenn dies Erfolg haben würde, bräuchte man doch keine Unfallversicherung mehr! Oder? Wie viele „Verunfallte“ würden sich doch dann unter eine laut DIN schlecht ausgeleuchtete Laterne schleppen und laut „auweh“ brüllen?
  4. Dass der, allseits von Verkäufern und Installateuren der Lichtbranche bekannte Spruch „Wenn die Beleuchtung nicht der Norm entspricht und es passiert was, gehen wir ins Gefängnis.“ im Grunde gesetzesanmaßend ist, und diese Behauptung – allein- sogar eine Straftat darstellt, wurde bisher tunlichst übersehen.
  5. Urbane Beleuchtung soll dem Menschen dienen. Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden stehen heutzutage vorn an.

Abhilfe könnte eine  für >Mensch & Tier<  und nicht Maschinen- und Profitfreundliche urbane Beleuchtungssituation schaffen. Der jeweiligen Situation und dem Bedürfnis aller Lebewesen angepasst.  Sich hinter veralteten Richtlinien zu verstecken, bringt also nichts.

Doch wo kommt diese (falsche) Meinung über Normierungen des Lichtes und deren Folgen? Man könnte nun unsere typisch deutsche Art im Umgang mit Regeln und Vorschriften, weltweit als preußisches  „Ordnungs- und Obrigkeitsdenken “ bekannt, an erster Stelle stellen. Aber dem ist nicht so. Der Zopf ist alt: Die bis heute anhaltenden Verkaufsstrategien der meisten „Lampenhersteller“  ist für jedermann nachvollziehbar.

Nr.: 1  > und Hauptverursacher dieses Denkens. Viele Lampen mit begrenzter Lebenszeit, hohem Verbrauch und hoher Licht-Leistung, bringen Umsatz in die Kassen der Hersteller und der offensichtlich kooperierenden Energieversorger. Dass zu Zeiten von Thomas A. Edison bei der Einführung der ersten elektrisch betriebenen urbanen Beleuchtung, noch eine Straßenmitte als hauptsächlich zu beleuchtende Region zu verstehen war, ist klar. Für die damaligen Hauptnutzer der Straßen - Kutschpferde mit Scheuklappen - mussten ja die Schlaglöcher zu erkennen und somit beleuchtet werden.  Heute sind die Pferde von der Straße. Aber die Scheuklappen bei Planern und Anwendern scheinen immer noch da zu sein.

Es wird z.B. lt. DIN 13201 immer noch bei Lichtplanungen die Straßenmitte als die Fläche mit dem höchsten Lichtniveau (zwar nicht gefordert) meist praktiziert. Obwohl ausnahmslos alle Fahrzeuge über superhelle moderne Lichttechnik verfügen und jeder Mensch (entgegen einschlägiger Gutachten großer Unternehmen der Lichtbranche) im Praxistest feststellen kann, dass ein aus dem Hellen kommendes Wesen besser zu erkennen ist, als ein Wesen, welches die helle Bühne der Straßenmitte vom dunklem Rand aus betreten möchte. Die DIN als Gefahrenquelle? Gibt’s denn so etwas?

Normen sind für eine Gesellschaft wichtig und gut, wenn Ihre Anwendung  flexibel und mit Verstand erfolgt. Wenn Neues nicht Jahre braucht, um Einzug in Normierungen zu halten. Es gibt in Deutschland einige Erfindungen in der Lichtbranche, die die hier genannten Probleme alle lösen würden. Hier hat sich insbesondere die von einem sächsischen Erfinder entwickelte, und in mehr als 20 Ländern weltweit erfolgreich patentierte, Technologie der „P-Lampe“ als Leuchtmittel bestens bewährt. Mit 0,16 KWh Verbrauch, als Straßenleuchte mit eingebauter  Nachtabschaltung  auf 0,08 KWh reduzierbar,  liefert sie blendfreies gesundes Licht. Sie und mehrere Hundert ihrer Schwestern haben bereits seit über 10 Jahren ihren Praxistest ohne nennenswerte Wartung mit Bravour bestanden.

Aber grell, blendend und vor allem billig sind – leider – immer noch die führenden Adjektive der meisten, insbesondere kommunalen Kunden und Konsumenten. ..

Ein Bravo noch für das Rentner-Ehepaar aus Bayern, was den Schneid hatte, zu diesem Thema zu prozessieren.

Ihr Thom Haeger
Freischaffender Autor in Sachen Licht.

direkte Fragen bitte an  thomhaeger(at)gmail.com, Kommentare, Diskussionsbeiträge über die Kommentarfunktion an healthylight

 

Erstellt: Dezember 5, 2018 um 10:40

Fast wie bei der Tagespresse …

Gestern hatte ich den Beitrag zur blendenden Straßenbeleuchtung gegen Abend abgeschlossen. In der Nacht fiel der Server aus und zeigte den Zeitungsausschnitt nicht, der die glücklichen Kläger nannte, nach deren Wunsch nun eine weniger blendende Beleuchtung entstehen soll. Einen halben Tag später rief schon der erste Leser an, der seit etwa zehn Jahren Außenbeleuchtung angeboten haben will, die weder Nachbarn blendet, noch Insekten killt. Und der Mond über seinem Land wird nur von der Sonne beleuchtet.

Ich gucke mir die Website an. Der Mann übertreibt nicht. Warum müssen sich Gerichte damit befassen, dass Leute nicht schlafen können, weil die Straßenbeleuchtung in die gute Stube scheint? Warum schalten Gemeinden nachts das Licht auf der Straße aus? Könnte doch schlimmstenfalls strafbar sein. Es geht also doch - und mit LEDs. Warum also?

Wer sich seine Zeit mit solchen Fragen verbringt, vergeudet sie. Besser ist es, wenn man die Augen offen hält. Z.B. wenn man fliegt. Im Prinzip sollte man von oben nur die beleuchtete Straße sehen und von den Leuchten nichts bis auf einen fahlen Schatten. Alles, was heller ausschaut als die Straße, ist vergeudetes Licht. Auch zu Fuß kann man die Übeltäter dingfest machen. Fragt sich nur, was man dann macht. Fantasie ist gefragt. Der örtliche Radiosender muss doch zur Dudel-Musik nicht dauernd dumme Wortfetzen in den Äther pusten. Auch die Ortszeitung könnte sich mal für Sachliches erwärmen.

Ein Drittel der Menschheit
sieht die Milchstraße
nicht

Erstellt: Dezember 4, 2018 um 8:30

LED-Beleuchtung hält wach - auch nachts

Neulich erreichte mich eine Leserzuschrift aus dem südlichsten Bundesland. Die dortigen Menschen ertragen angeblich alles, was modern ist, so nach der Presse der Nordlichter. Laptop und Lederhose vertrügen sich sehr gut - heißt es häufig. Offenbar ertragen sie manches nicht, obwohl super-modern. Hier erst einmal die Zuschrift:

Hallo Herr Dr. Cakir,
diese Woche fand ein Gerichtsurteil wegen einer blendenden Straßenbeleuchtung (ich vermute mal LED, da 2013 ersetzt) statt.
Es wurde auch einiges im Radio darüber berichtet.
Urteil: Die Anwohner bekamen Recht. Die Gemeinde muss nun Abhilfe schaffen.
Viele Grüße aus Bayern
(Das Radio hieß Charivari, hier kann man den Beitrag hören. Ich weiß nur nicht wie lange noch.)

Ich machte mich ans Googeln und fand noch ein paar Pretiosen. Die schönste hieß: "Die Nachtabschaltung der Straßenlampen in umliegenden Gemeinden: "Noch radikaler verfährt man in Ebsdorfergrund. Dort ist es nämlich schon seit 20 Jahren nächtens zappenduster, weil nicht nur in den Nebenstraßen um 0.30 Uhr die Lichter ausgehen, sondern schlechterdings überall." (s. hier) . Was hatte ich beim letzten Beitrag geschrieben (hier "Er sagt mit einem einzigen Satz aus, warum lichttechnische Normen das Gegenteil von dem bewirken, was sie wollen: Mehr Licht, mehr Helligkeit. Sie haben in der Praxis weniger Licht trotz der Verfügbarkeit von mehr Licht bewirkt. Wie das?") Da ging es darum, dass Menschen das Licht im Büro abschalten, wenn es denen auf den Wecker fällt. Hier schalten ganze Gemeinden die Straßenbeleuchtung aus. Es kommt aber noch besser. Jetzt müssen sich viele Gerichte mit LED-Licht befassen, weil die Dinger einfach blenden. (Es sei gesagt, dass es auch anders geht. Darum schreibe ich überhaupt solche Beiträge.)

Wem die ewige Kritik über LED-Beleuchtung auf den Wecker fällt, kann sich hier Erleuchtung holen. Es geht um LED-Licht in Balgheim. Wenn Sie nicht wissen, wo Balgheim liegt, haben Sie nichts versäumt.

So lustig wie es sich anhören mag, dass Gemeinden die Straßenbeleuchtung ausschalten, ist die Sache leider nicht. Es gibt nämlich eine Pflicht, bestimmte Verkehrswege zu beleuchten. Das Abschalten mag im Büro eine Abhilfe bedeuten, über deren Sinn man sich streiten kann, beim Straßenverkehr kann der Spaß schnell zum Ernst werden. Also? Man muss den Umgang mit LED lernen. Die ist ja noch eine junge Technik, nur 20 Jährchen alt. Die nächsten 20 werden wie im Traum vergehen. Und wir haben schwups eine Blendfrei-Beleuchtung, die weder Wohnungen noch den Weltall verschmutzt. Bis dahin kann man zu bewährten Hilfsmitteln greifen.

Amen!

Erstellt: Dezember 3, 2018 um 3:24

Wenn sich der Bock zum Gärtner proklamiert …

Heute fiel mir ein ein paar Jahre altes Dokument in die Hände. Es war der Entwurf für DIN 5035-7 ... Vielmehr der letzte Versuch, den Unsinn wiederzubeleben. Er sagt mit einem einzigen Satz aus, warum lichttechnische Normen das Gegenteil von dem bewirken, was sie wollen: Mehr Licht, mehr Helligkeit. Sie haben in der Praxis weniger Licht trotz der Verfügbarkeit von mehr Licht bewirkt. Wie das?

Schlicht so: Die Basis für die Anordnung der Arbeitsplätze ist die Arbeit. Die Basis der Anforderungen an die Beleuchtung sind die Bedürfnisse des arbeitenden Menschen. Punkt! Was passiert, wenn man dies umdreht? Die Beleuchtung passt einfach nicht, und die Menschen fühlen sich geblendet, sehen schlecht usw. Im Endergebnis schalten sie das Licht so lange aus, bis sie nichts mehr ordentlich sehen. Wenn ganz Schlaue die Lichtschalter weglassen, damit keiner es ausschalten kann, drehen sie die Lampen über ihren Arbeitsplätzen aus. Zuweilen greifen sie zum Besenstiel und machen die Lampe kaputt.

Das umgekehrte kann man erleben, wenn man eine Beleuchtung realisiert, die ihren Zweck sinnvoll erfüllt. Dass man dies erfolgreich erreicht hat, merkt man vor allem an zwei Dingen. Erstens vergessen sie häufig, das Licht auszuschalten, wenn es hell wird. Zweitens gibt es dort keine Diskussion darüber, ob "das Licht zu hell" ist. Sprich die Beleuchtungsstärke zu hoch. Solche Diskussionen haben keinerlei Bezüge zu den tatsächlich vorhandenen Beleuchtungsstärken. Zuweilen findet man mehr Gegner der Beleuchtung bei 300 lx denn bei 2000 lx.

Was tun? Eigentlich ist es gar nicht so falsch, die Möglichkeiten der Beleuchtung stets im Hinterkopf zu haben, wenn man Räume, gar Gebäude gestaltet. Das tun Architekten schon ein paar Tausend Jahre. Mehr noch: Unsere Gesetze fordern Tageslicht und Sichtverbindung nach außen. Nur, das war nicht der Vater des Gedanken bei DIN 5035-7, die eine Norm für die künstliche Beleuchtung war. Sie verlangte vom Arbeitgeber eine Aufstellung der Arbeitsplätze, die niemand hat mit vernünftigem Aufwand realisieren können. Wer dies tatsächlich versuchen wollte und das Beispiel aus der Norm mit dem Lineal vermessen, kam auf ca. 45 m2 bis 80 m2 pro Mitarbeiter (bleiben wir auf dem untersten Wert). Büroplaner versuchen hingegen, pro Kopf möglichst 6 m2 nicht zu übersteigen. In der guten alten Zeit gab es pro Sachbearbeiter sogar 12 m2. Lang ist es her. Das Beispiel, auf dem die einstige Norm beruhte, war aus Wolkenkuckucksheim. Jetzt ruht sie in den ewigen Jagdgründen. Da gehört sie auch hin. Die in der Norm als Basis gewählte Bude bekommen Staatssekretäre (öffentlicher Dienst) oder Vorstände (weniger öffentlicher Dienst). Für Normalos wird nicht einmal mehr eine eigene Bude gebaut. Sie dürfen im Business Club Platz nehmen, wenn da einer frei ist. D.h., schon 6 m2 scheint zuweilen zu viel des Guten. Man merke: Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt. Und der ist nur etwas größer als der typografische.

Man kann alle Leute einige Zeit
zum Narren halten und einige Leute allezeit;
aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.
Abraham Lincoln 

Erstellt: November 25, 2018 um 12:04